Variable Finanzierung bei negativen Referenzzinssätzen

09.06.15 08:00

Euribor-Floor: Verhandeln zahlt sich aus

Von Markus Dentz

Banken haben bei variabel verzinsten Krediten eine Untergrenze eingezogen, den sogenannten Euribor-Floor. Auch bei Altverträgen ohne derartige Klausel versuchen sie durchzudrücken, dass der Referenzzinssatz nie negativ und mit der Marge verrechnet wird. Treasurer wehren sich gegen diese Praxis.

Banken haben bei variabel verzinsten Krediten eine Untergrenze eingezogen, den sogenannten Euribor-Floor.

SeanPavonePhoto/Thinkstock/Getty Images

Preiskartell? Der jetzt gängige Euribor-Floor riecht nach einer Absprache unter den Banken.

Der 3-Monats-Euribor ist in den vergangenen Wochen kontinuierlich in den negativen Bereich gefallen und verharrt inzwischen mit einem Minus von 0,013 Prozent auf diesem Niveau. Langsam nähert sich auch der 6-Monats-Euribor der Nulllinie an. Bei Geldanlagen geben die Geldhäuser die Strafzinsen seit geraumer Zeit weiter, zumindest wenn bestimmte Sockelbeträge überschritten sind.

Bei Finanzierungsverträgen sind sie allerdings deutlich zurückhaltender, die negativen Zinsen zugunsten des Kreditnehmers weiterzureichen und die Marge zu reduzieren. Nach Informationen von DerTreasurer versuchen die Banken hier eine Untergrenze einzuziehen, selbst wenn es dafür im Kreditvertrag keine spezielle Klausel gibt. „Wo ist dafür die rechtliche Grundlage, wenn in den Kreditverträgen keine entsprechende Option integriert ist?“, fragen sich inzwischen nicht wenige Treasurer. Die Banken üben ihre Marktmacht aus, sie bildeten eine Art Preiskartell, lautet der unverhohlene Vorwurf, der nach den Libor-Manipulationen wohl nicht aus der Luft gegriffen scheint.

Was passiert bei Payer Swaps?

Besonders skurril wird die Situation dann, wenn zugleich Zinssicherungen, etwa über Payer Swaps, bestehen. Bei einem Euribor-Floor könnten sich bei einem Zinsswap die Finanzierungskosten erhöhen, wenn sie in den negativen Bereich fallen. Man solle sich davon aber nicht ins Bockshorn jagen lassen, rät ein Treasurer. Bei bestehenden Verträgen geben die Banken inzwischen zähneknirschend auch nach und saldieren den negativen Euribor mit der Marge. „Das hat uns einige Überzeugungsarbeit gekostet“, erklärt ein Treasurer, der bereits mit einigen Banken Übereinkommen gefunden hat. Andere prüfen das Ansinnen derzeit zumindest.

Bei neueren Verträgen ist der Euribor-Floor aber eingezogen, daran lässt sich offenbar schwer rütteln. „Die sogenannte Floor-Klausel, das heißt Euribor größer gleich null, ist seit einigen Monaten Standard in syndizierten Kreditverträgen“, erklärte beispielsweise Thomas Haas, Global Head of Loan Syndication bei der BayernLB, bereits Ende Februar gegenüber DerTreasurer. Hier sehen Finanzexperten kaum Verhandlungspotential – sie konzentrieren sich darauf, die Marge weiter zu drücken. Auch eine negative Gesamtverzinsung erscheint momentan undenkbar.

Dentz[at]derTreasurer.de