Umsatz wächst trotz Niedrigzinsumfeld

24.08.16 12:45

Factoring: Anbieter gehen stärker ins Risiko

Von Sabine Paulus

Factoring wächst auch im Niedrigzinsumfeld weiter auf Rekordniveau. Allerdings teilen sich immer weniger Anbieter das Geschäft untereinander auf. Und: Die Risiken steigen.

Factoring wird in Deutschland immer beliebter. Allein das Exportfactoring konnte im ersten Halbjahr 2016 eine zweistellige Wachstumsrate verzeichnen.

GBlakeley/iStock/Thinkstock/GettyImages

Factoring wird in Deutschland immer beliebter. Allein das Exportfactoring konnte im ersten Halbjahr 2016 eine zweistellige Wachstumsrate verzeichnen.

Der deutsche Factoringmarkt boomt auch zum Halbjahr. Wie der Deutsche Factoring-Verband meldet, dessen Mitglieder über 98 Prozent Factoring-Volumens abdecken, sind die Umsätze der Branche im ersten Halbjahr auf 104,5 Milliarden Euro gestiegen – 4 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. „Die Nachfrage speziell aus dem Mittelstand nimmt zu“, sagt Alexander M. Moseschus, Geschäftsführer des Deutschen Factoring-Verbandes in Berlin. Das sogenannte Small-Ticket-Factoring fange an, sich weiter zu etablieren.

Auch die Zahl der Kunden stieg im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2015 um 8 Prozent auf 20.740. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Deutsche Factoring-Verband im vergangenen Jahr insgesamt acht neue Mitglieder aufgenommen hat, nunmehr sind es 33. Jüngster Neuzugang ist A.B.S. Global Factoring, ein Anbieter aus Wiesbaden.

Factoring: Wachstum bei Exporten

Besonders das Exportfactoring konnte ein starkes Wachstum verzeichnen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 stieg es erneut um fast 15 Prozent auf jetzt 30,8 Milliarden Euro an – und „dies trotz einer verlangsamten internationalen Nachfrage“, wie der Verband betont. Das Importfactoring sank hingegen um 8,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. „Diesen Rückgang kann ich nicht erklären“, sagt Moseschus. „Die weitere Entwicklung müssen wir als Verband selbst abwarten und schauen, ob sich dieser Trend manifestiert.“

Angesichts dieser Wachstumszahlen ist es nicht überraschend, dass die Aussichten der Verbandsmitglieder positiv sind: Knapp die Hälfte der Mitglieder (48  Prozent) erwartet ein gutes Geschäftsklima für das kommende Geschäftsjahr. Die übrigen Mitglieder bezeichnen die Aussichten zumindest als befriedigend. Im Vergleich zum vergangenen Jahr schätzen die Factoringgesellschaften ihre aktuellen Geschäftsaussichten als deutlich besser ein. Damals erwarteten lediglich knapp 70 Prozent der Befragten ein befriedigendes oder sogar ausreichendes  Geschäftsjahr.  Nur 30 Prozent sahen ein gutes Geschäftsklima voraus.

Allerdings ist aus Branchenkreisen auch zu hören, dass Anbieter zunehmend höhere Risiken in Kauf nehmen, um im Niedrigzinsumfeld Neugeschäft zu machen. Sollte sich je die Konjunktur wieder drehen, könnten Insolvenzen für Probleme in den Kundenportfolios der Factoringgesellschaften sorgen.

Factoring: Konsolidierung der Branche geht weiter

Mittlerweile teilen immer weniger Factoringanbieter das Geschäft unter sich auf. Das hat zwei Gründe: Zum einen setzt sich die Konsolidierung der Factoringbranche durch M&A-Deals auch in diesem Jahr weiter fort. Dazu zählt auch die Übernahme der Deutschen Factoring Bank durch die Deutsche Leasing. Zum anderen verschwinden kleinere Gesellschaften wegen der strengeren regulatorischen Anforderungen vom Markt.

Branchenexperten gehen von weiteren Übernahmen aus. Gerade erst wurde die Akquisition der deutschen Factoring- und Leasingaktivitäten des Branchenprimus GE Capital durch die französische Bankengruppe Crédit Mutuel vollzogen. Seit wenigen Wochen firmiert die Gesellschaft unter dem Namen Targo Commercial Finance.

Paulus[at]derTreasurer.de

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