Die alternative Finanzierungsform Finetrading birgt einige Risiken für die Anbieter.

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04.12.19
Finanzen & Bilanzen

Finetrading birgt Betrugsrisiko für Anbieter

Die alternative Finanzierung über Finetrading wird beliebter. Die Kanzlei Schultze & Braun warnt jedoch vor Betrugsrisiken und fordert strengere Regeln.

Das Finetrading als alternative Finanzierungsform gewinnt wieder an Beliebtheit. Die Nischenfinanzierung ist ein Instrument zur Finanzierung von betrieblichem Umlaufvermögen. Dabei übernimmt der Finetrader die Funktion eines Zwischenhändlers zwischen Lieferant und Käufer. Der Käufer kann dabei seine Liquidität schonen, da der Finetrader die verhandelte Bestellung vorfinanziert. Das hat seinen Preis: Für ein Zahlungsziel von 30 Tagen verlangen Anbieter eine Gebühr von 1,25 Prozent der Finanzierungssumme, für 60 Tage 2,5 Prozent.

In den vergangenen Jahren hat sich der deutsche Markt für Finetrading neu sortiert, da mit WCF aus der Eos-Gruppe der wichtigste Anbieter ausgeschieden ist. Dienstleister wie Deutsche Fine Trading (DFT) und Aifinyo oder Fintechs wie VAI Trade und Entrafin stoßen in die Lücke.

Die Kanzlei Schultze & Braun geht davon aus, dass die finanzierten Volumina inzwischen pro Jahr die Milliardengrenze überschreiten. „Wenn sich die Konjunktur weiter eintrübt, dann könnte der Markt noch weiteren Zuwachs erleben“, sagt Rechtsanwalt Nils Andersson-Lindström von Schultze & Braun. Finetrading wird vor allem als Finanzierungsinstrument in Krisenzeiten genutzt, um die Liquiditätslage zu verbessern.

Bei der Finanzierungsform bestehe allerdings für die Finetrading-Anbieter nach Andersson-Lindströms Ansicht ein inhärentes Grundproblem: „Wir sehen, dass das Betrugsrisiko nach wie vor hoch ist“, so der Anwalt. Lieferanten und Abnehmer könnten zu leicht Lieferungen fingieren.
„Gerade wenn es um Rohstoffe geht, ist es im Nachhinein unglaublich schwer festzustellen, ob das Material auch tatsächlich beim Abnehmer angekommen ist“, warnt er.

Ausfallrisiken sichern Finetrader über Warenkreditversicherer ab - und die schauen skeptisch auf die Branche. „Wir haben beobachtet, dass Warenkreditversicherer ihre Limite für Finetrading-Anbieter herunterfahren und auch deren Kunden kritisch beäugen.“

Warenkreditversicherer schauen kritisch auf die Branche

Der Anwalt hofft deshalb, dass besseres und intensiveres Risikomanagement auf Seiten der Anbieter betrieben wird. Neben der Bonitätsprüfung der Kunden sollte das auch Plausibilitätschecks, physische Kontrollen und strengere Regeln für die Lagerung von Rohstoffen beinhalten. Für Unternehmen könnte das zwar einen Mehraufwand bei der Nutzung der Finanzierungsform bedeuten, den Markt insgesamt aber stützen.

Koegler[at]derTreasurer.de

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