Das Fintech Trustbills musste in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden.

Jirsak/iStock/Thinkstock/Getty Images

23.04.19
Finanzen & Bilanzen

Fintech Trustbills ist insolvent, Geschäft läuft aber weiter

Trustbills musste Insolvenz anmelden. Ursachen hierfür sollen Medienberichten zufolge Querelen im Gesellschafterkreis der Auktionsplattform für Handelsforderungen sein.

Das Fintech Trustbills hat Insolvenz angemeldet. Das berichtet die Online-Plattform „Finanz-Szene.de“. Demnach stellten Jörg Hörster, Gründer und CEO von Trustbills, und sein Mitgeschäftsführer Johannes Ulbricht beim Amtsgericht Bielefeld Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Der Gütersloher Jurist Moritz Sponagel soll am Donnerstag zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt worden sein, berichtet Finanz-Szene.de unter Berufung auf das Insolvenzregister.

Hörster und Ulbricht bestätigten die Situation am Ostermontag. „Die Trustbills GmbH durchläuft derzeit einen Restrukturierungsprozess und ein zukunftsorientiertes Insolvenzverfahren. Das operative Geschäft wird davon jedoch nicht tangiert“, zitiert die Online-Plattform die beiden Trustbills-Geschäftsführer.

Presse: Trustbills-Gesellschafter uneinig über Kurs

Die Ursache für die Insolvenz soll dem Bericht zufolge „nicht im operativen Geschäft“ liegen. Stattdessen gebe es  innerhalb des Eignerkreises offenbar verschiedene Meinungen um den künftigen Kurs von Trustbills, heißt es dort.

Größter Gesellschafter mit einem Anteil von 62,5 Prozent ist Fintech Studio, hinter dem der Trustbills-Gründer und -Geschäftsführer Jörg Hörster steht. Die übrigen Anteile gehören zwei deutschen Banken: 2016 war die DZ Bank mit 25 Prozent bei Trustbills eingestiegen. Für die Genossen war die Auktionsbörse für bilanzentlastende Verkäufe internationaler Handelsforderungen die erste strategische Beteiligung an einem Fintech-Unternehmen im Firmenkundengeschäft.

Im Frühjahr 2017 folgte die Deutsche Bank und erwarb einen Anteil von 12,5 Prozent an der Auktionsplattform. Auch für Deutschlands größtes Geldhaus war das damals die erste Beteiligung an einem Fintech.

Bekannte Trade-Finance-Experten bei Trustbills

Trustbills hatte in der Vergangenheit aber nicht nur auf die Expertise seiner Gesellschafter gebaut, sondern auch auf die Erfahrung verschiedener Trade-Finance-Experten aus Banken und einem Industrieversicherungsmakler. So war beispielsweise der Trade-Finance-Experte Markus Wohlgeschaffen im Sommer 2016 von der UniCredit-Gruppe zu Trustbills gewechselt. Im Februar 2018 folgte die Kreditversicherungsexpertin Claudia Haas, die von Marsh zum der Auktionsbörse kam.

Zuletzt stieß im September vergangenen Jahres die Investmentbankerin Petra Sütter von Natwest, der Investmentbankingsparte der Royal Bank of Scotland (RBS), zum Fintech. Trustbills wollte von Sütters langjähriger Erfahrung im Firmenkundengeschäft der DACH-Region profitieren. Die Bankerin gestaltete bei Natwest/RBS nach der unglücklichen ABN-Amro-Übernahme im Jahr 2008 die strategische Neuaufstellung der Firmenkundenbetreuung in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit. Zuletzt verantwortete sie bei der britischen Großbank die Beziehung zu multinationalen Unternehmen in der DACH-Region.

Mehr Hintergründe zu dem Fall lesen Sie bei unserer Schwesterpublikation FINANCE.

Paulus[at]derTreasurer.de

Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos den DerTreasurer-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.