Den Einkauf via Fintech finanzieren - das verspricht VAI Trade.

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07.12.18
Finanzen & Bilanzen

Fintech übernimmt Einkaufsfinanzierung

Das Fintech VAI Trade bietet Finetrading für kleine und mittelständische Unternehmen an. Das Startup arbeitet bei der Refinanzierung mit der Factoringgesellschaft VR Factorem zusammen.

Anbieter von Finanztechnologien decken immer neue Bereiche ab - inzwischen auch die Nische Einkaufsfinanzierung. „Wir können vollautomatisch Ware für Kunden ankaufen“, sagt Garry Krugljakow, Gründer und Geschäftsführer des Fintechs VAI Trade. „Innerhalb weniger Minuten ist eine Finanzierungszu- oder absage möglich.“ Dadurch erhielten Kunden verlängerte Zahlungsziele zwischen drei und sechs Monaten.

VAI Trade richtet sich allerdings hauptsächlich an kleine Unternehmen und Mittelständler. Wareneinkäufe werden bis zu einer Summe von 50.000 Euro finanziert. Noch sind die Finanzierungen überschaubar: 16 Monate nach der Gründung habe das 25-köpfige Team von über 2.000 registrierten Kunden ein angefragtes Dealvolumen von rund 25 Millionen Euro bearbeitet, heißt es seitens VAI Trade. Wie viele dieser Transaktionen tatsächlich zustande kamen, wollte das Unternehmen aber nicht verraten. Die Kundenkommunikation laufe „komplett online“. „Die meisten Anfragen kommen über Smartphones“, hat Garry Krugljakow beobachtet.

Risikomanagement beim Finetrading zentrales Thema

Banken halten sich aus der Einkaufsfinanzierung - dem sogenannten Finetrading - meist zurück. „Das ist für viele zu komplex, da passen Aufwand und Ertrag nicht zusammen“, meint Krugljakow. VAI Trade kooperiert allerdings mit Banken und deren Töchtern. Die Berliner Volksbank sei Gesellschafter, die zur DZ Bank gehörende VR Factorem stelle eine „höhere, siebenstellige Millionensumme“ für die Refinanzierung zur Verfügung, wie es in einer Mitteilung heißt. Zudem unterstütze die genossenschaftliche Factoringgesellschaft das Startup im Hintergrund „bei der Abwicklung und im Risikomanagement“.

Tatsächlich ist das Risikomanagement beim Finetrading ein zentrales Thema. Mitte vergangenen Jahres stellte der ehemalige Platzhirsch WCF Finetrading sein Geschäft ein. Ein wichtiger Punkt: Kreditversicherer hatten zunehmend Limite für Einkaufsfinanzierer gestrichen. Nach dem Aus von WCF wollte der Anbieter Mastertrading in die Lücke stoßen – allerdings mit dem herkömmlichen Ansatz und größeren Mittelständlern als Firmenkunden, nicht wie VAI Trade als Fintech. Auch Mastertrading hat seine Aktivitäten nach Informationen dieser Publikation inzwischen allerdings wieder eingestellt.

Dentz[at]derTreasurer.de

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