Die Stadtwerke Augsburg haben über ihre Holding einen Kredit aufgenommen und dafür die digitale Plattform des Fintechs Firstwire genutzt.

swa/Thomas Hosemann

18.01.19
Finanzen & Bilanzen

Firstwire will bei Unternehmen Fuß fassen

Das Fintech Firstwire erweitert seinen Fokus auf Unternehmen. „Einige“ Corporate-Transaktionen seien bereits seit Sommer 2018 über die digitale Plattform abgeschlossen worden, sagt CEO Michael Dreiner.

Der Online-Marktplatz Firstwire nimmt verstärkt Unternehmen ins Visier. Das Fintech, das sich als Handels- und Emissionsplattform für Schuldscheine etablieren will, hat eigenen Angaben zufolge seit Sommer dieses Jahres „erste“ Corporate-Transaktionen auf seiner Plattform abgewickelt. Michael Dreiner, CEO und Gründer von Firstwire, möchte zwar keine genaue Zahl nennen, verrät aber, dass es sich bei allen Transaktionen um Darlehen im Rahmen von Privatplatzierungen („Private Debt“) handelte.

Stadtwerke Augsburg nehmen Kredit über Firstwire auf

Ein Emittent ist namentlich bekannt: Das kommunale Unternehmen Stadtwerke Augsburg hat über seine Holding ein Kreditvolumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich aufgenommen. Ein international aktiver, in Deutschland ansässiger Kreditgeber hat das kürzer laufende Darlehen über den Online-Marktplatz zur Verfügung gestellt. „Die Kreditanfrage über Firstwire erlaubte eine zielgenaue und schnelle Ansprache von potentiellen Investoren und dadurch eine diskrete Transaktionsdurchführung“, ist von den Stadtwerken Augsburg zu hören.

Über die Plattform von Firstwire kommunizieren Emittenten und Investoren direkt miteinander. Das heißt, Transaktionsvermittler wie Banken sind in dem Prozess nicht mehr involviert. Die Stadtwerke Augsburg möchten das über den Online-Marktplatz abgeschlossene Darlehen eigenen Angaben zufolge im kommenden Jahr langfristig refinanzieren.

Fintech Firstwire entwickelt sich weiter

Mit dem vergrößerten Fokus auf Unternehmen hat sich Firstwire weiterentwickelt. Bislang hatte sich das Fintech nur auf Kommunalfinanzierungen, beispielsweise für die Stadt Essen, konzentriert. Weitere Corporate-Transaktionen sollen folgen: „Wir sprechen derzeit mit vielen Industrieunternehmen, deren Umsatzgrößen von 250 Millionen Euro bis zweistelligen Milliardenbeträgen reichen, und haben mehrere Transaktionen auf der Plattform ,live‘ stehen“, verrät Dreiner. Firstwire richtet sich eigenen Angaben zufolge an Unternehmen, Kommunen und kommunalnahe Unternehmen sowie an Finanzinstitutionen.

„Wir haben mehrere Transaktionen auf der Plattform ,live‘ stehen.“

Michael Dreiner, Firstwire

Über 70 Investoren sind dem Firstwire-CEO zufolge im Bereich Corporates schon aktiv. Das Investoreninteresse beziehe sich größtenteils auf Unternehmen mit – zumindest implizit – einer Investmentgrade-Bonität. Aber auch im Cross-over-Bereich oder „leicht darunter“ sei Investoreninteresse vorhanden, sagt Dreiner: „Wir nehmen aber keine Bonitätseinschätzung vor, sondern stellen den Marktplatz für die Interaktion zwischen Emittent und Investor zur Verfügung.“

Auch technisch entwickelt sich die Plattform weiter. „Das nächste Release wird es Emittenten ermöglichen, zielgenau und diskret Transaktionen für bestimmte Investoren zur Verfügung zu stellen“, sagt Dreiner. „Wir arbeiten bereits mit diesem datenbasierten Modul und möchten es in den kommenden Monaten den Treasurern zur Verfügung stellen.“

Wettbewerb unter Schuldscheinplattformen wächst

Das im Mai 2015 gegründete Fintech Firstwire, dessen Marktplatz seit dem vierten Quartal 2016 in Betrieb ist, muss sich gegen eine Reihe von Wettbewerbern behaupten. Gerade im Bereich Schuldschein sind in den vergangenen Monaten einige digitale Plattformen gestartet. Unabhängige Fintechs wie Firstwire oder Credx stehen dabei banknahen Fintechs wie VC Trade und bankeigenen Plattformen wie Synd-X (HSBC), Debtvision (LBBW/Börse Stuttgart) oder Finpair (NordLB) gegenüber. Welche Art von Plattform sich durchsetzen wird, ist derzeit noch unklar.

Firstwire-CEO Dreiner sieht diese Entwicklung als „sehr positiv“ an. „Dadurch findet die Digitalisierung in den Finanzabteilung stärker Beachtung“, sagt er. Davon könne auch Firstwire selbst profitieren.

Paulus[at]derTreasurer.de

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Wie arbeiten Firmenkunden-Fintechs und Banken zusammen? Eine umfangreiche Studie zu dem Thema mit Interviews von B2B-Fintechs wie Firstwire finden Sie bei unserer Schwesterpublikation FINANCE. Hier geht es zu den Ergebnissen.