Green Finance ist in aller Munde: DerTreasurer hat für Sie die vier wichtigsten grünen Finanzierungen zusammengefasst.

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14.01.20
Finanzen & Bilanzen

Green Finance: Das sind die 4 wichtigsten Instrumente

Zunehmend erobern grüne Finanzierungen deutsche Finanzabteilungen. Diese vier Green-Finance-Instrumente sollten Treasurer unbedingt kennen.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Auch das bisherige Nischenthema Green Finance entwickelt sich immer weiter. Auslöser sind Investoren und Banken, die bei der Geldanlage verstärkt auf das Thema Nachhaltigkeit achten. Daneben steigt der regulatorische Druck, beispielsweise durch die Entwicklung der EU-Taxonomie. Viele Finanzverantwortliche interessieren sich deshalb für Green Finance, die praktische Erfahrung fehlt allerdings oft noch. Das sind die vier derzeit populärsten Instrumente in Deutschland.

Grüne Projekte finanzieren

1. Green Bonds

Green Bonds sind vermutlich das bekannteste Instrument von grüne Finanzierungen. Diese Anleihen, deren Erlöse ausschließlich für nachhaltige Projekte eingesetzt werden können, haben in den vergangenen Jahren einen rasanten Wachstumskurs hingelegt. Während das Emissionsvolumen 2013 gerade mal bei 13 Milliarden US-Dollar stand, waren es 2019 bereits 215 Milliarden Dollar (Stand: Mitte November 2019), wie aus einer Analyse der Unicredit hervorgeht. Der Boom wird laut der Bank auch weiterhin anhalten, sie rechnet 2020 mit Emissionen über 250 Milliarden Dollar.

2019 wurden Green Bonds über 215 Milliarden Dollar platziert.

Auch in Deutschland haben Corporates diese grüne Finanzierungsform für sich entdeckt. 2019 wagten sich eine ganze Reihe von Unternehmen an den Markt. E.on platzierte Green Bonds, zum Teil sogar mit negativer Rendite. Ebenfalls aus dem Energiesektor kam der Emittent EnBW, der erstmals eine grüne Hybridanleihe platzierte. Darüber hinaus zapften mit der Otto Group und Baywa auch zwei Unternehmen den Markt an, die über kein externes Rating verfügen.

Ein gesetzliches Regelwerk für grüne Anleihen gibt es nicht, allerdings haben sich inzwischen Marktstandards herausgebildet, die sogenannten Green Bond Principles. Darunter fällt, dass die Mittel ausschließlich für nachhaltige Projekte verwendet werden dürfen. Emittenten informieren ihre Investoren entsprechend über die Mittelverwendung. Um den grünen Verwendungszweck nachzuweisen, lassen die meisten Green-Bond-Emittenten zudem eine sogenannte Second Party Opinion (SPO) erstellen. Dafür prüft meist eine spezialisierte Nachhaltigkeitsagentur, ob Emittenten die Green Bond Principles bei einer Emission einhalten, und fasst die Ergebnisse in einem Gutachten zusammen.

2. Green Schuldschein

In Deutschland sieht man zudem seit einigen Jahren ein Instrument, das dem Green Bond sehr ähnlich ist: der Green Schuldschein. Auch bei dieser Finanzierungsform ist es so, dass der Erlös aus der Transaktion nur für nachhaltige Projekte eingesetzt werden kann. Bei grünen Schuldscheinen setzen Unternehmen wie bei Green Bonds ebenfalls oft auf eine externe Zweitmeinung, um Investoren die Einschätzung des Instruments zu erleichtern. Wie bei einem Green Bond gibt es keine festgeschriebenen Regeln, wie ein grüner Schuldschein genau ausgestaltet sein muss. Auch hier halten sich die Unternehmen an den an Green Bonds angelehnten Marktstandard.

Den ersten Green Schuldschein überhaupt platzierte 2016 der Hamburger Windkraftanlagenbauer Nordex. Auch 2019 stand der Markt nicht still. Der Automobilzulieferer Mann + Hummel platzierte beispielsweise ein solches Papier. Zudem stieg der Automobilkonzern Porsche erstmals in den Markt für grüne Finanzierungen ein, gleich mit einem Rekordvolumen: Das Papier über 1 Milliarde Euro ist der bisher größte grüne Schuldschein überhaupt. Der Autobauer will mit dem Erlös die Entwicklung des ersten vollelektrischen Porsches Taycan finanzieren.

Den ersten Green Schuldschein überhaupt platzierte 2016 Nordex.

Weltweit betrachtet, machen Green Schuldscheine allerdings nur einen sehr kleinen Teil des grünen Finanzierungsuniversums aus, da es ein spezifisch deutsches Instrument ist. International spielen sogenannte Green Loans eine deutlich größere Rolle. Diese Kredite werden zur Finanzierung bestimmter nachhaltiger Projekte abgeschlossen und funktionieren nach demselben Prinzip wie Green Bonds und Green Schuldscheine.

Green Finance für alle Branchen

3. ESG-linked Loans

Ein weiteres grünes Finanzierungsinstrument, das 2019 verstärkt Einzug am deutschen Markt gehalten hat, ist der sogenannte ESG-linked Loan. Diese Kreditart ist auch als Positive Incentive Loan oder Sustainability-linked Loan bekannt. „Das Besondere an dieser Art der Kredite ist, dass die Konditionen an das Erreichen von ganz bestimmten Nachhaltigkeitszielen gekoppelt sind“, erklärt Frank Sibert, der bei BNP Paribas für den Bereich Sustainable Business in Deutschland verantwortlich ist.

Anders als bei Green Bonds, Loans und Schuldscheinen ist der Verwendungszweck der Mittel nicht genau festgelegt. Das Geld kann für allgemeine Unternehmenszwecke eingesetzt werden. Verbessert sich die Nachhaltigkeitsperformance, sinken die Finanzierungskosten. Werden die Ziele verfehlt, steigen die Kosten hingegen. Meist setzen Unternehmen eine solche ESG-Komponente bei syndizierten revolvierenden Kreditlinien ein. Aber auch bilaterale Linien sind denkbar, wie das Beispiel des Technologiekonzerns Voith zeigt.

Was für Nachhaltigkeitsziele das sind, müssen die Unternehmen gemeinsam mit den Banken entscheiden. Der Konsumgüterkonzern Henkel, der Ende 2018 den ersten deutschen Kredit dieser Art abgeschlossen hat, setzte auf drei ESG-Ratings von Nachhaltigkeitsagenturen. Andere, wie Ende 2019 etwa Lanxess oder Continental, entschieden sich für eigens definierte Kennzahlen. Als KPIs sind etwa der CO2-Ausstoß, der Anteil recycelten Abfalls oder ähnliches denkbar.

Während Green Bonds & Co. häufig von Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien genutzt werden, eignen sich ESG-linked Loans auch für Unternehmen, die keine konkreten nachhaltigen Projekte zu finanzieren haben.

4. ESG-linked Schuldschein

Nach den ersten ESG-linked Loans ließ der Einzug der ESG-Logik in den Schuldscheinmarkt nicht lange auf sich warten. Der Maschinenbauer Dürr platzierte im Sommer 2019 einen Schuldschein, dessen Marge ebenfalls an die Nachhaltigkeitsperformance des Unternehmens gekoppelt ist. „Dürr ist weltweit das erste Unternehmen, das diese Form der nachhaltigkeitsorientierten Finanzierung bei einem Schuldscheindarlehen einsetzt“, betonte damals die ING, die das Papier gemeinsam mit der LBBW arrangiert hat. Das Bietigheimer Unternehmen setzte das Rating der spezialisierten Nachhaltigkeitsagentur Ecovadis als Maßstab ein. Kurze Zeit später schloss der Maschinen- und Anlagenbauer einen Loan nach derselben Logik ab.

Der Einzug der ESG-Logik in den Schuldscheinmarkt ließ nicht lange auf sich warten.

Doch das war nicht die einzige ESG-linked Premiere im Jahr 2019. Der italienische Stromkonzern Enel platzierte einen Bond, dessen Zinsmarge an die Erreichung eines Nachhaltigkeitsziel gekoppelt ist. Enel hat dafür das Versprechen, den Anteil an erneuerbaren Energien zu erhöhen, ausgewählt. Verfehlt der Konzern das Ziel, so steigt der Kupon um 25 Basispunkte. Ob sich dieses neue Instrument am Bondmarkt durchsetzen wird, ist noch offen.

Trend zu ESG-linked Finanzierungen dürfte sich verstärken

Während die Zukunft von ESG-linked Bonds noch ungewiss ist, scheinen sich ESG-linked Loans und Schuldscheine im deutschen Markt zu etablieren. „Wir sehen derzeit, dass viele Großkonzerne sich bei anstehenden Refinanzierungen von Krediten für eine solche Nachhaltigkeitskomponente entscheiden“, kommentiert etwa Tanja Engelbrecht, Leiterin Akquisitionsfinanzierung und Loan Origination bei der Deutschen Bank für die DACH-Region, gegenüber DerTreasurer die Entwicklung.

Allerdings halten Kritiker die Auswirkungen auf die Finanzierungskosten bislang noch für zu gering. Ein wirklicher Anreiz, die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, sei damit nicht gegeben. Dennoch gehen die Unternehmen mit dem Abschluss solcher Finanzierungen auch ein Reputationsrisiko ein. Sollten sie die Ziele nicht erreichen, oder sich in Bezug auf KPIs oder Nachhaltigkeitsrating keine Veränderung über die Laufzeit ergeben, könnte der Vorwurf des Greenwashings aufkommen. Das ist der Verdacht, dass sich Unternehmen in der Öffentlichkeit aus Marketingzwecken umweltfreundlicher oder verantwortungsbewusster darstellen, als sie es eigentlich sind.

Koegler[at]derTreasurer.de

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