Vor rund einem Jahr haben sich die Banken ANZ, Banco Santander, BNP Paribas, Citibank, Deutsche Bank, HSBC und Standard Chartered und eine namentlich nicht genannte Bank zum Ziel gesetzt, die Geschwindigkeit der Handelsfinanzierung per Plattform zu steigern. Jetzt geht es in die Pilotphase.

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08.10.19
Finanzen & Bilanzen

Handelsfinanzierungsnetzwerk TIN startet Pilotphase

Sechs Banken haben sich vergangenes Jahr zum Ziel gesetzt einen neuen Industriestandard für die Handelsfinanzierung zu etablieren und dafür das Trade Information Network gegründet. Zum Start der Pilotphase kommen drei neue dazu. Nächster Schritt: die Unternehmensansprache.

Vor rund einem Jahr haben sich sechs Banken zusammengeschlossen und das Trade Information Network (TIN) ins Leben gerufen. Das Ziel: einen neuen Industriestandard für die digitale und multibankfähige Handelsfinanzierung zu etablieren. Ursprünglich waren ANZ, Banco Santander, BNP Paribas, Citibank, Deutsche Bank, HSBC und Standard Chartered dabei. Nun haben auch noch die Lloyds Bank und die Standard Bank of South Africa sowie eine weitere nicht namentlich benannte Bank mitgeteilt, an der anstehenden Pilotphase teilzunehmen.

Handelsfinanzierung soll effizienter werden

Und diese beginnt in den kommenden Wochen. Derzeit sprechen die Gründungsbanken ausgewählte Unternehmen und Banken an, um an dieser Testphase teilzunehmen. „Es wird zunächst sehr kontrollierte Transaktionen in einem begrenzten Rahmen während des Piloten geben, bevor die Plattform danach weiter ausgerollt wird“, kommentiert Alexander Malaket, Interims-CEO von Trade Information Network Limited. Er hatte die Gründungsbanken seit Beginn der Projektentwicklung beraten.

Durch die Nutzung der Plattform soll es Unternehmen ermöglicht werden, Aufträge und Rechnungen zu einem früheren Zeitpunkt als bisher an die teilnehmenden Banken zu kommunizieren und deshalb auch früher Handelsfinanzierungen abschließen zu können. „In der Pilotphase werden wir uns auf den Austausch der Daten fokussieren, die für solche Pre-Shipment-Finanzierungen nötig sind“, erklärt Malaket, und merkt an, dass die Plattform es Unternehmen ermöglichen wird, sich Finanzierungsmöglichkeiten aus neuen Quellen zu erschießen.

Später können aber auch Handelsinformationen ausgetauscht werden, die andere Finanzierungsformen ermöglichen. Die Plattform dient dabei als Vermittler zwischen Unternehmen und Bank und soll den Austausch von Handelsinformationen erleichtern. Die tatsächliche Finanzierung findet nicht auf der Plattform statt, sondern läuft über die bestehenden Wege bei den Banken.

Pilotprojekte mit ausgewählten Firmenkunden

„Durch die offene Architektur der Plattform werden wir, künftig noch weitere Banken und später auch alternative Kreditgeber anbinden können, um so den Zugang zu weltweiter Handelsfinanzierung, und das tiefer in den globalen Lieferketten, zu unterstützen“, erklärt der CEO. Es sei ein erklärtes Ziel, kleineren Banken aus Entwicklungs- und Schwellenländern den Zugang zu der Plattform möglich zu machen. Auf die Gründungsbanken entfalle laut Malaket derzeit etwa 35 bis 40 Prozent des globalen Marktanteils im Trade-Finance-Bereich.

Für Unternehmen dagegen gilt: Eine Bank muss sie auf die Plattform einladen. „Das führt dazu, dass wir ein hohes Maß an Vertrauen auf der Plattform haben, da die Banken ihre Kunden kennen“, betont Malaket. Nach einer einmaligen Registrierung können die Unternehmen ihre Handelsinformationen über die Plattform zur Verfügung stellen und Finanzierungsanfragen jeweils an von ihnen ausgewählte Banken schicken. Die Plattform wird nachverfolgen können, ob ein Auftrag oder eine Rechnung bereits finanziert wurde. Dadurch wird das Risiko für Doppelfinanzierungen gesenkt werden.

koegler[at]DerTreasurer.de

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