Bei dem Blockchain-Plattform Marco Polo sind drei neue Mitglieder an Bord.

Maersk

26.04.19
Finanzen & Bilanzen

Helaba und BayernLB schließen sich Blockchain-Plattform Marco Polo an

Nach der LBBW sind nun auch die BayernLB, die Helaba und S-Servicepartner dem Blockchain-Netzwerk Marco Polo beigetreten. Dadurch könnte die Trade-Finance-Plattform auch für kleine und mittelständische Unternehmen interessant werden.

Die Blockchain-Plattform Maro Polo wächst. Die Landesbanken BayernLB und Helaba sowie der Marktfolge-Dienstleister S-Servicepartner sind dem Trade-Finance-Netzwerk beigetreten. Sie würden nun mit der Evaluierungs- und Pilotierungsphase beginnen, teilten die Institute in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

„Die Teilnahme am Marco Polo-Netzwerk ist eine maßgebliche Erweiterung unseres digitalen Lösungsangebotes, von dem unsere Kunden profitieren“, sagte Florian Seitz, Leiter der Abteilung Trade & Export Finance der BayernLB. Er glaubt: „Handelsfinanzierungen können auf diesem Weg sicher und transparent abgewickelt werden.“

Zudem erhöhe Marco Polo die Effizienz: So können Unternehmen die Blockchain-Plattform künftig auch via offener Schnittstelle (Application Programming Interfaces, API) an ihre ERP-Systeme anbinden. Dadurch reduzierten sich die Nutzungskosten und die Risiken, die durch Medienbrüche entstehen können, heißt es seitens der neuen Marco-Polo-Mitglieder.

Marco Polo will Dokumente durch Daten ersetzen

Das Trade-Finance-Netzwerk wurde im September 2017 von der Commerzbank, der BNP Paribas und der ING ins Leben gerufen. Im vergangenen März hatte Marco Polo 16 offizielle Mitglieder: Neben den drei Gründungsbanken zählen die LBBW, die im vergangenen Herbst dem Netzwerk beigetreten ist, die Anglo-Gulf Trade Bank, SMBC, Natwest, Natixis, die Bangkok Bank, die Standard Chartered Bank, DNB, die OP Group, die Danske Bank und die Alfa Bank dazu. Die von TradeIX entwickelte Plattform nutzt die Blockchain-Technologie Corda des Fintechs R3.

Ziel von Marco Polo ist es, die physischen Dokumente langfristig durch Daten zu ersetzen. Dabei sollen die Daten eines Handelsgeschäfts auf die Blockchain gehoben und für die Firmenkunden der Banken nutzbar gemacht werden. Das soll die Risikoabsicherung und Finanzierung verbessern.

Der Vorteil: Die bisher papier- und dokumentenbasierten Transaktionen werden durch die Blockchain-Technologie digital, einheitlich und für alle transparent nachvollziehbar dargestellt. Dadurch sollen sich die Transaktionszeiten und der Bearbeitungsaufwand deutlich reduzieren. Wie erste Testläufe zeigen kann der Abwicklungszeitraum von bislang fünf bis zehn Tagen durch die Nutzung der Blockchain auf etwa 24 Stunden gesenkt werden.

Erste Pilottransaktionen haben bereits über Marco Polo stattgefunden: Die beiden deutschen Industrieunternehmen Voith und KSB haben zusammen mit der Commerzbank und der LBBW zwei voneinander unabhängige Handelsgeschäfte über die Trade-Finance-Plattform abgewickelt. Allerdings handelte es sich dabei nicht um Live-Transaktionen. Vielmehr wurden historische Transaktionen, die auf dem klassischen Weg zwischen den beiden Unternehmen bereits stattgefunden hatten, realistisch auf Marco Polo nachgebildet.

S-Servicepartner macht Marco Polo für KMU zugänglich

Neben Marco Polo gibt es noch andere Plattformen für die Handelsfinanzierung, die auf der Blockchain basieren. Zu ihnen zählen beispielsweise die beiden Plattformen Voltron und We.trade. Mit dem Beitritt des Marktfolge-Dienstleister S-Servicepartner dürfte insbesondere We.trade Konkurrenz bekommen. Denn die Plattform hat sich zum Ziel gesetzt, inländische und grenzüberschreitende Handelsfinanzierungen gerade für kleine und mittelständische Unternehmen zu vereinfachen.

Auf diese Firmenkundengruppe konzentriert sich aber auch S-Servicepartner: „Im Rahmen unserer Mitgliedschaft im Marco Polo-Netzwerk sehen wir unsere Aufgabe primär darin, allen Sparkassen in Deutschland sowie ihren Firmenkunden – egal welcher Größe – mit der Etablierung dieser Trade Finance-Plattform den Zugang zu neuen Technologien und damit ganz neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen“, sagte Robert Seelen, Leiter Internationales Geschäft im S-Servicepartner. Über 270 Sparkassen lassen ihre Prozesse aus unterschiedlichen Marktfolge-Bereichen bei dem Dienstleister bearbeiten.

Die Plattform Marco Polo fokussiert sich nun darauf, das Netzwerk um weitere Banken und Teilnehmer aus der Transport- und Versicherungsbranche zu erweitern, um die gesamte Lieferkette im Außenhandelsgeschäft digital abbilden zu können. Externe Service- und Logistikanbieter, Versicherungen und Kreditversicherer sollen folgen. Unternehmen können dabei von einem digitalen Zugang zu diesen ergänzenden Marktteilnehmern profitieren, heißt es seitens der Marco-Polo-Mitglieder weiter.

Paulus[at]derTreasurer.de

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