Hertha BSC

16.11.18
Finanzen & Bilanzen

Hertha platziert Nordic Bond über 40 Millionen Euro

Der Fußballbundesligist Hertha BSC Berlin zapft den Kapitalmarkt an und begibt erstmals in der Vereinsgeschichte einen Nordic Bond. Das Finanzierungsformat hat gleich mehrere Vorteile.

Der Fußballbundesligist Hertha BSC hat seine Premiere am Nordic-Bond-Market gefeiert. Erstmals in der Vereinsgeschichte haben die Berliner eine Anleihe bei institutionellen Investoren platziert, die vornehmlich aus Deutschland und dem restlichen Europa stammen. Die Anleihe, die auch in Frankfurt gehandelt wird, hat ein Volumen von 40 Millionen Euro, eine Laufzeit von fünf Jahren und wird mit 6,5 Prozent verzinst.

Laut Vereinsangaben konnte die Anleihe „vollständig und deutlich vor Ablauf der Zeichnungsfrist“ emittiert werden. Ein Beispiel, das Schule unter Fußballclubs machen könnte, meint Christoph Demuth, General Manager bei der arrangierenden Bank Equinet mit ihrem künftigen, norwegischen Eigentümer Pareto: „Die neue Asset-Klasse Fußball soll international vermarktet werden.“

Nordic Trustee überwacht Emittenten

Mit dieser Transaktion zählt der Berliner Klub zu den wenigen deutschen Emittenten des aufstrebenden Nordic-Bond-Market, der seinen Ursprung als Refinanzierungsinstrument in Skandinavien hat. Die sogenannten Nordic Bonds zeichnen sich durch einen schnellen und direkten Zugang zu Investoren und eine überschaubare Standarddokumentation aus.

Im Vergleich zu den in Deutschland zeitweise gängigen Mittelstandsanleihen handelt es sich bei den  Anleihen im Nordic Format nicht um einen temporären Hype, sondern um eine Struktur, die seit über 20 Jahren erfolgreich Bestand hat. „Bei Anleihen dieser Art gilt das Prinzip eines Nordic Trustees“, erklärt Demuth. „Ein Treuhänder steht von Anfang an zwischen dem Emittenten und den Gläubigern und überwacht unter anderem die Pflichten des Emittenten während der Laufzeit der Anleihe.

Währenddessen haben die Gläubiger keinen unmittelbaren Zugriff auf den Emittenten“, sagt Demuth zu den Vorteilen der Struktur. Damit könne Ausfällen von Anleihen, wie in Deutschland, frühzeitig entgegengewirkt werden. Bisher existiere diese Vorgehensweise, die den Kern des Nordic Bond Formats ausmacht, bisher noch nicht  im deutschen Markt.

Hertha BSC will KKR-Anteile zurückkaufen

Mit dem Emissionserlös wollen die Berliner die rund 13-prozentige Beteiligung, die der Finanzinvestor KKR an dem Fußballverein hält, zurückkaufen. Das US-amerikanische Private-Equity-Haus war 2014 bei Hertha BSC zunächst mit 7,9 Prozent eingestiegen und hatte seinen Anteil in den Vergangenen Jahren weiter aufgestockt.

Für den Rückkauf des KKR-Anteils muss die Vereinsführung rund 71 Millionen Euro aufbringen. Der Großteil des Kaufpreises soll mit dem Erlös des Nordic Bonds bedient werden. Daneben sollen zusätzlich Bankkredite und Vorauszahlungen von Sponsoren das notwendige Kapital beisteuern.

Mehring[at]derTreasurer.de

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