Mit einer Incremental-Fazilität können Unternehmen flexibel auf einen akut anstehenden Finanzierungsbedarf reagieren.

scyther5/iStock/Getty Images

06.11.19
Finanzen & Bilanzen

Incremental-Fazilität hält Einzug in Kreditverträge

Mit einer zusätzlichen Incremental-Fazilität sichern sich Treasurer mehr finanzielle Flexibilität für Investitionen oder M&A-Deals.

Seit einiger Zeit halten sogenannte „Incremental Facilities“, auch „Additional Facility“ oder „Akkordeonfazilität“ genannt, Einzug in die Kreditverträge. Darunter ist eine weitere Tranche im Kreditvertrag zu verstehen, die ein Unternehmen ohne erneute Zustimmung des Konsortiums in Anspruch nehmen kann. Man spricht dabei von einer „leeren“ Tranche, denn weder steht die Summe der zusätzlichen Kreditlinie fest, noch handelt es sich dabei um eine Finanzierungszusage. Um welche Summe es geht und wer den Kredit zur Verfügung stellt, wird erst bei Bedarf vereinbart.

„In der Regel sind die Kreditgeber der Incremental-Fazilität eine oder mehrere Banken aus dem Konsortialbankenkreis. Im Extremfall, wenn keine Bestandsbank mitziehen will, kann das Unternehmen die Kreditzusage auch von Drittbanken erhalten, ohne dass es einer weiteren Zustimmung des Konsortiums bedarf“, sagt Thomas Ingenhoven, Rechtsanwalt und Finance-Partner bei der internationalen Kanzlei Milbank. „Durch die Einbindung einer solchen zusätzlichen ,leeren' Linie können Unternehmen viel flexibler auf einen akut anstehenden Finanzierungsbedarf wie beispielsweise einen M&A-Deal reagieren.“

Solider Kreditnehmer Voraussetzung für Incremental

Seiner Schätzung zufolge enthält mittlerweile eine Vielzahl neuer, nach deutschem Recht vereinbarter Kreditverträge solche Incremental Facilities. Voraussetzung hierfür sei lediglich ein finanziell solider Kreditnehmer. „Wenn Unternehmen aber zum ersten Mal einen Konsortialkredit vereinbaren, dürfte es schwer sein, solch eine leere Tranche in den Vertrag hinein zu verhandeln.“

Inzwischen gibt es laut Ingenhoven sogar schon die zweite Generation dieser Incremental Facilities am Markt: „In der ersten Generation konnten CFOs und Treasurer eine weitere Tranche nur bis zu einem vereinbarten Höchstbetrag in Anspruch nehmen“, sagt der Anwalt. „Mittlerweile ist bei Blue-Chip-Unternehmen keine betragliche Begrenzung mehr vorgesehen, oder es wird ein ,Incurrence-Test' angewendet, wonach Incrementals bis zur Erreichung eines maximalen Nettoverschuldungsgrads flexibel aufgenommen werden können.“

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