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01.06.18 10:03

Innogy sammelt 1 Milliarde Euro am Anleihemarkt ein

Von Sabine Paulus und Markus Dentz

Trotz der geplanten Zerschlagung von Innogy geht das Leben bei dem Energiekonzern weiter: Die Essener haben eine zweitranchige Anleihe über insgesamt 1 Milliarde Euro platziert – obwohl das Marktumfeld derzeit sehr volatil ist.

Der Energiekonzern Innogy hat eine zweitranchige Anleihe begeben.

innogy SE

Der Energiekonzern Innogy hat eine zweitranchige Anleihe begeben.

Die Nachricht im März war ein Schock für Innogy: Eon und RWE wollen den Ökostromkonzern bis Ende 2019 zerschlagen. Derzeit läuft ein öffentliches Übernahmeangebot von Eon über die Innogy-Aktien, die nicht in RWE-Besitz sind.

Bei Innogy geht das Leben trotz des Trubels um die Übernahme weiter. Die Essener haben jetzt eine zweitranchige Anleihe über insgesamt 1 Milliarde Euro platziert. Die niederländische Tochter Innogy Finance hat beide Bonds über jeweils 500 Millionen Euro unter Garantie der Innogy SE begeben. Es handelt sich hierbei um die erste zweitranchige Anleihe von Innogy seit der Ausgliederung aus dem RWE-Konzern im Jahr 2016.

Die kürzere der beiden Tranchen läuft 4,5 Jahre und wird mit 0,75 Prozent verzinst. Die zweite Tranche hat eine Laufzeit bis 2026 und ist mit einem Kupon von 1,625 Prozent ausgestattet. „Trotz eines insgesamt schwierigen Marktumfeldes stieß die Emission auf reges Interesse am Markt und war deutlich überzeichnet“, heißt es in der Mitteilung. Die Platzierung fiel unter anderem in die immer noch andauernde politisch schwierige Phase in Italien.

Banker: Vorgeschmack auf eine „normalisierte Welt“

„Der Kapitalmarkt ist im Moment sehr volatil. Am Tag der Innogy-Transaktion musste das US-Unternehmen Whirlpool sogar seine Anleiheplatzierungen verschieben“, sagt Matthias Minor, Head of Corporate Financing & Risk Solutions in der DACH-Region bei NatWest Markets. Die britische Bank war neben BayernLB, Commerzbank, Deutsche Bank, Goldman Sachs, ING, JP Morgan und Unicredit eine der begleitenden Kreditinstitute der Transaktion.

„Das anvisierte Ende des EZB-Anleiheankaufprogramms wirkt sich schon jetzt aus. Unternehmen müssen sich wieder auf eine normalisierte Welt vorbereiten, in der sich die Investoren erneut auf die Creditstory der Emittenten fokussieren“, sagt der Banker. Dass Innogy trotz dieser volatilen Marktsituation wie geplant seine Anleihe platzieren konnte und das Orderbuch sogar bei 1,8 Milliarden Euro lag, spreche für die „stabile Creditstory“ von Innogy, sagt Minor weiter. Zudem habe es geholfen, dass der Energiekonzern sich zwei Tage für die Ausführung der Emission Zeit gelassen habe.

Anzahl an weiteren Innogy-Anleihen scheint gezählt

Innogy ist kein Newcomer mehr am Bondmarkt. Seit dem Börsengang im Oktober 2016 war dies bereits die vierte Anleiheemission des Energiekonzern. Im vergangenen Herbst platzierte das Team um Treasury-Chef Volker Heischkamp schon eine grüne Anleihe über 850 Millionen Euro.

Sollte es zu der angekündigten Übernahme durch Eon kommen, wofür viel spricht, dürften allerdings nicht mehr allzu viele Anleihen in eigener Regie folgen. Denn RWE und Eon haben Mitte März angekündigt, dass RWE im Rahmen eines Tauschs von Vermögenswerten und Geschäftsbereichen den gesamten durch RWE gehaltenen Anteil an Innogy in Höhe von 76,8 Prozent an Eon übertragen wird. Im Gegenzug dafür bekommt RWE das Erneuerbare-Energien-Geschäft von Innogy und alle wesentlichen Erneuerbaren-Energienaktivitäten von Eon. Der Deal soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein – wobei manche Beobachter glauben, dass sich die Transaktion bis 2020 hinziehen könnte.

Die finanzielle Stabilität von Innogy sieht Moody’s nach Bekanntgabe der Übernahme indes nicht beeinträchtigt. Die Bonitätswächter bewerten das Unternehmen weiterhin mit Baa2. Die Ratings von RWE und Eon standen zuletzt ebenfalls unter Beobachtung für eine Herabstufung. Hier kam jetzt auch Entwarnung von Moody’s: Eon bleibt bei Baa2, was den Innogy-Anleihegläubigern Komfort geben sollte. Auch RWE behält sein knappes Investmentgrade-Rating mit Baa3, was involvierte Banker zuvor schon vermutet hatten.

Paulus[at]derTreasurer.de

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