Entsteht am Schuldscheinmarkt eine gefährliche Blase? Experten warnen vor den nachlassenden Standards.

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18.01.18
Finanzen & Bilanzen

Ist der Schuldscheine-Boom noch gesund?

Neue Analyse zeigen, dass 2017 erneut ein starkes Jahr für den Schuldschein war. Zahlreiche neue Emittenten nutzten den Markt, um neues Kapital aufzunehmen. Mit zwei kriselnden Großemittenten erschüttern aber auch Warnschüsse den Markt.

2017 hat der Schuldscheinmarkt erneut einen Rekordwert erzielt. Das Volumen erreichte laut einer LBBW-Analyse 27 Milliarden Euro und liegt damit etwa auf Vorjahresniveau. Allerdings wurden laut der Stuttgarter Landesbank insgesamt deutlich mehr Papiere platziert – mit 155 rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. „Wir haben eine Explosion der Transaktionen gesehen“, berichtet Klaus Pahle, Head of Schuldschein Desk der ING Wholesale Banking. Der Spezialist geht sogar von mehr als 170 Transaktionen im abgelaufenen Jahr aus.

Überraschend kommt die starke Entwicklung nicht, hatten doch Analysten der DZ Bank bereits zur Jahresmitte 2017 mit einem neuen Rekord gerechnet. Über das Marktvolumen und die Anzahl der Transaktionen kursieren allerdings immer wieder unterschiedliche Angaben, was einfach daran liegt, das zahlreiche Papiere ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit platziert werden – und dann in überhaupt keiner Statistik auftauchen. Selbst die LBBW, die nach eigenen Angaben immerhin ein Volumen von 13 Milliarden Euro in 60 Transaktionen platziert hat, kann keinen Überblick über den Gesamtmarkt haben.

Mehr Schuldschein-Emissionen, dafür aber kleinere

Im Schnitt fielen die Emissionen allerdings kleiner als im Vorjahr aus, Jumbo-Emissionen waren seltener. Der Gabelstaplerhersteller Kion war einer der wenigen Emittenten, der mit 1,01 Milliarden Euro gerade so die Milliarden-Euro-Marke knackte. „Rund die Hälfte der Transaktionen kam von Erstemittenten“, sagt ING-Spezialist Pahle. Das zeige die Aufmerksamkeit, die der Schuldschein inzwischen genieße. Mehr als 500 Emittenten hätten nach ING-Informationen in den vergangenen zehn Jahren schon mal einen Schuldschein platziert.

Die Bedingungen für Emittenten waren im vergangenen Jahr ausgesprochen freundlich. Die Unternehmen „sicherten sich mit dem Schuldscheindarlehen auch langfristig die nach wie vor niedrigen Zinsen“, erklärt LBBW-Analyst Hans-Peter Kuhlmann. Insgesamt hätten sich daher die durchschnittlichen Laufzeiten verlängert. Der Anteil kurzfristiger Schuldscheindarlehen mit einer Laufzeit unter vier Jahren sei von 14 Prozent auf 9 Prozent gesunken. Gleichzeitig haben Schuldscheindarlehen mit Laufzeiten von über acht Jahren ihren Anteil von 17 Prozent auf 27 Prozent erhöht.

Welche Bedenken Marktteilnehmer inzwischen haben, und wie sich 2018 entwickeln könnte, erfahren Sie im E-Magazin 1/2018.

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