Der Bondmarkt muss noch warten. Noch hat sich die EZB nicht festgelegt, wie es mit ihrem Kaufprogramm weitergehen wird.

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08.09.17
Finanzen & Bilanzen

Keine Entscheidung zum Bondkaufprogramm

EZB nennt keine neuen Details über den weiteren Verlauf der milliardenschweren Käufe. Experten rechnen jedoch damit, dass die Zentralbank auch 2018 weiter kaufen wird.

Die EZB hat bei ihrer heutigen Sitzung keine neuen Details darüber  bekanntgegeben, wann oder wie ihr Anleihekaufprogramm enden soll. Offiziell läuft es noch bis Ende Dezember. Bis dahin pumpt die Zentralbank im  Rahmen all ihrer Kaufprogramme 60 Milliarden Euro pro Monat in den Anleihemarkt. Die EZB hat aber in der Vergangenheit und heute wieder betont,  dass sie das Programm so lange fortführen werde, bis sie eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkenne.

Der Einstieg der EZB in den  Bondmarkt, kombiniert mit sinkenden  Leitzinsen, hatte eine Rally ausgelöst und für extrem niedrige Spreads gesorgt. Wie niedrig das Preisniveau am  Investmentgrade-Bondmarkt mittlerweile ist, geht aus einer Statistik der  EZB aus dem Juni hervor: 12 Prozent  der Corporate Bonds, die die EZB damals hielt, hatte sie mit einer negativen Rendite gekauft.

Corporate-Bondmarkt hofft auf Verlängerung des Kaufprogramms

Der Markt erwartet, dass die EZB ihr Kaufprogramm über Dezember hinaus verlängern wird. Ewig wird sie es aber nicht in derselben Geschwindigkeit fortsetzen können, es sei denn, sie ändert die Parameter des Programms wie etwa die Kapitalschlüssel. Die Ökonomen von BNP Paribas halten diesen Schritt jedoch für unwahrscheinlich. „Wenn die EZB weiterhin versucht, Anleihen im Gegenwert von 60 Milliarden zu kaufen, wird sie ab  August 2018 nicht mehr genug Bonds  finden“, prognostiziert Luigi Speranza, leitender Europa-Volkswirt der Großbank.

Er rechnet damit, dass die Zentralbank ihr Kaufvolumen ab Januar  auf 30 Milliarden Euro reduzieren wird. Wie der Markt darauf reagieren würde, ist fraglich. Als die EZB ab April  das monatliche Ankaufvolumen von 80 auf 60 Milliarden Euro reduzierte, hatte das kaum Folgen. „Allerdings hat der Markt die damalige Aktion eher als eine Feinjustierung des Programms verstanden“, meint Speranza.

Eine weitere Reduktion könnte dagegen als beginnender Ausstieg  aus dem Programm gewertet werden. Dann könnten die Reaktionen durchaus deutlicher ausfallen. „Ab einem  bestimmten Punkt wird die EZB das  Programm aber wohl auslaufen lassen“, so der Ökonom der BNP Paribas. „Denn die Wirtschaft entwickelt sich – wenn auch langsam – in eine positive Richtung.
 
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