Die KfW steht im Zentrum der geplanten Hilfen für Corona-geplagte Unternehmen. Die wichtigsten Punkte für Treasurer im Überblick.

KfW-Bildarchiv/Ruediger Nehmzow

26.03.20
Finanzen & Bilanzen

KfW-Coronahilfen: Die 4 wichtigsten Punkte für Treasurer

Hilfe in unbegrenztem Umfang – das verspricht die Bundesregierung den Unternehmen in der Coronakrise. Das Geld soll vor allem über Kredite der KfW fließen. Die Details über die Notkredite im Überblick.

Die Folgen der Corona-Pandemie bringen viele Unternehmen in Schwierigkeiten – Umsätze bleiben aus, Fixkosten weiterhin bestehen. Um den Unternehmen zu helfen, die durch die Coronakrise in eine Liquiditätsklemme geraten, hat die Bundesregierung umfassende Unterstützung zugesichert.

Diese soll vor allem über die staatliche Förderbank KfW erfolgen. Zwei Programme der Staatsbank wurden deshalb ausgeweitet, der KfW-Unternehmerkredit und der ERP-Gründerkredit. Zudem hat die Regierung ein  neues Programm geschaffen – die Direktbeteiligung bei Konsortialfinanzierungen. DerTreasurer fasst die 4 wichtigsten Punkte über die neuen Hilfen für Sie zusammen.

Punkt 1: Voraussetzungen für KfW-Hilfen

Erstens kann nicht jeder die Hilfen der KfW in Anspruch nehmen, Unternehmen müssen dafür einige Voraussetzungen erfüllen. „Die Unternehmen müssen zeigen können, dass sie sich zum 31. Dezember 2019 nicht in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben“, erklärt Andreas Wagner, der bei der HypoVereinsbank für das Fördergeschäft zuständig ist.

Darüber hinaus muss der zusätzliche Bedarf an Cash durch die Coronakrise ausgelöst worden sein. „Keine Rolle spielt allerdings, wie drängend der Bedarf ist“, so Wagner. „Ob ein Unternehmen nun sofort oder erst in ein oder zwei Monaten frisches Geld benötige, spiele für die Erfolgschance des Antrags keine Rolle. „Die KfW-Hilfen werden allerdings nur genehmigt, wenn durch den Liquiditätszuschuss sichergestellt ist, dass das Unternehmen bis zum Jahresende durchfinanziert ist“, betont der Banker. Vorausgesetzt, die wirtschaftliche Lage normalisiert sich wieder.

Punkt 2: So sehen die erweiterten Förderprogramme aus

Bei den beiden KfW-Programmen, die für die Corona-Hilfen erweitert wurden, handelt es sich um den ERP-Gründerkredit für Unternehmen, die jünger als fünf Jahren sind, sowie den KfW-Unternehmerkredit für die länger bestehenden Betriebe. Jedes Unternehmen kann maximal 1 Milliarde Euro beantragen, doch je nach Firmengröße ist die Kreditsumme deutlich darunter gedeckelt.

Unternehmen können nicht mehr als die folgenden Summen beantragen, wie die KfW auf ihrer Website schreibt:

•    25 Prozent des Jahresumsatzes 2019 oder
•    das doppelte der Lohnkosten von 2019 oder
•    den aktuellen Finanzierungsbedarf für die nächsten achtzehn Monate bei kleinen und
     mittleren Unternehmen beziehungsweise zwölf Monate bei großen Unternehmen oder
•    50 Prozent der Gesamtverschuldung des Unternehmens bei Krediten über 25 Millionen
     Euro

Punkt 3: Risikoprüfung kann zum Flaschenhals werden

Die Zahl der Unternehmen, die sich bereits jetzt für die Kredite interessieren, ist extrem hoch. Seit vergangenem Montag können die Anträge gestellt werden. „Von kleinen Gewerbetreibenden bis hin zu Großkonzernen kommen die Anfragen – und das quer durch alle Branchen“, berichtet Hypovereinsbank-Experte Wagner. Bei kleinen und mittleren Unternehmen (in der Regel bis zu 250 Mitarbeitern und bis zu 50 Millionen Euro Umsatz) bietet die KfW an, die Banken zu 90 Prozent von der Haftung freizustellen. Bei den größeren Unternehmen sind es maximal 80 Prozent.

Die Risikoprüfung dürfte bei der Flut der Anträge schnell zum Flaschenhals werden. Die Befürchtung vieler: Das Geld könnte zu spät bei den betroffenen Unternehmen ankommen. „Wir haben uns aber seit einiger Zeit auf ein hohes Antragsvolumen vorbereitet und verfügen über viele Förderkreditspezialisten“, hält Wagner entgegen. „In dringenden Fällen können die Hausbanken dank der Vorab-Zusagen der KfW über eine bankeigene Zwischenfinanzierung auch sehr kurzfristig auszahlen“, ergänzt er. Die Gelder der KfW werden laut Wagner aber nicht vor Mitte April fließen.

Auch die KfW hat beschleunigende Maßnahmen beschlossen. Dazu zählt etwa, dass die Förderbank bei Krediten unter 3 Millionen Euro keine eigene Risikoprüfung mehr vornimmt. „Bei Krediten bis zu 10 Millionen Euro soll es ein beschleunigtes Verfahren geben“, so Wagner.

Punkt 4: KfW-Direktbeteiligung hilft Konzernen

Neu aufgelegt hat die Förderbank das Programm zur Beteiligung an Konsortialkrediten, was gerade größeren Konzernen zugutekommen soll. Der KfW-Risikoanteil muss im Rahmen einer solchen Finanzierung mindestens 25 Millionen Euro betragen, und folgende Parameter nicht übersteigt, wie die KfW mitteilt:

•    25 Prozent des Jahresumsatzes 2019 oder
•    das doppelte der Lohnkosten von 2019 oder
•    den aktuellen Finanzierungsbedarf für die nächsten 12 Monate.

„Die KfW übernimmt bei diesen Beteiligungen 80 Prozent des Risikos von den Hausbanken, aber nur maximal 50 Prozent der Gesamtverschuldung der Unternehmen“, ergänzt Wagner.

Mammutaufgabe für Bankensektor und KfW

Die Herausforderung, die die schnelle Umsetzung der Coronahilfen für Banken und die KfW bedeutet, will Andreas Wagner nicht kleinreden. „Alle Beteiligten müssen nun extrem flexibel sein, damit das Geld schnell dort ankommt, wo es dringend benötigt ist“, so der Experte. „In der jetzigen Lage ist es ein gutes Programm, mit dem wir viel erreichen können“. Für interessierte Unternehmen steht neben den Detailinformationen auf der Website der KfW zudem die Firmenkundenberater und Förderexperten ihrer jeweiligen Bankpartner zur Verfügung.

Koegler[at]derTreasurer.de

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