Die KfW geht einen Schritt weiter: Die Staatsbank will Förderkredite mit negativer Verzinsung an Banken weitergeben.

KfW-Bildarchiv/Ruediger-Nehmzow

15.11.19
Finanzen & Bilanzen

KfW will Negativzinsen weitergeben

Die KfW plant, Förderkredite mit negativer Verzinsung an Banken weiterzugeben. Damit soll der Vorteil der extrem niedrigen Zinsen bei Förderkrediten stärker bei den Kunden ankommen. Dafür sind allerdings erhebliche IT-Umstellungen auf Seiten der Banken notwendig.

Negative Zinsen plagen Anleger im kurzfristigen Bereich schon seit längerem. Bei der Aufnahme von Krediten konnten Darlehensnehmer bislang allerdings so gut wie nicht von ihnen profitieren wegen des „Euribor-Floors“. Nun macht die KfW einen Vorstoß in diese Richtung. Wie Günther Bräunig, Vorstandsvorsitzender der staatlichen Förderbank, auf einer Konferenz am gestrigen Mittwoch in Frankfurt mitteilte, will die Bank Förderkredite zu negativen Zinssätzen an Banken weiterreichen.

Für Endkunden bedeutet das zwar nicht, dass ein Zinssatz unter der Nulllinie ankommt – die durchleitenden Hausbanken schlagen noch eine Marge auf. „Den negativen Endnehmerkredit wollen wir heute nicht einführen“, betonte daher KfW-Vorständin Ingrid Hengster. Die KfW versperre sich dagegen aber nicht, wenn die Zinslandschaft das fordere.

Hintergrund der Entscheidung: Im Niedrigzinsumfeld sind klassische Kredite sehr günstig. Das setzt das Fördergeschäft unter Druck, denn die Vorteile verschwanden in den vergangenen Jahren zusehends. Deshalb will die KfW ihre extrem günstigen Refinanzierungskosten, die sie als Staatsbank mit erstklassigem Rating hat, an die Kunden weitergeben. Förderkredite dürften so wieder attraktiver werden.

Weitergabe von Negativzinsen technisch noch unmöglich

Bislang ist die Weitergabe von Krediten zu negativen Zinsen zwischen den Banken rein technisch nicht möglich. Deshalb arbeitet die KfW nun an ihren Systemen und fordert andere Geldhäuser dazu auf, mitzuziehen. „Bis zum 1. Oktober 2020 wollen wir startklar sein“, sagte Ingrid Hengster. Bis es so weit sei, wolle die Staatsbank eine Übergangslösung nutzen und in einigen Bereichen mit Tilgungszuschüssen arbeiten.

Der Vorstoß der Staatsbank findet nicht nur uneingeschränkte Zustimmung. Kritisch äußerte sich dazu etwa Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands: „Die Gleichung ‚Zinssenkungen führen zu mehr Nachfrage nach Krediten‘ funktioniert irgendwann nicht mehr.“ Unterschiedliche Ansichten gab es auch zur Frage der Rechtslage, insbesondere für den Fall, dass Endkunden negativ verzinste Darlehen erhalten.

Koegler[at]derTreasurer.de

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