Landesbank Baden-Württemberg

28.11.18
Finanzen & Bilanzen

LBBW tritt Blockchain-Plattform Marco Polo bei

Die LBBW geht in Sachen Blockchain den nächsten Schritt. Nach dem Schuldschein will sie nun auch in der Handelsfinanzierung die Technologie nutzen und tritt der Plattform Marco Polo bei.

Eine weitere Bank springt auf den Blockchain-Zug in der Handelsfinanzierung auf. Die LBBW ist der Trade-Finance-Plattform Marco Polo beigetreten, teilte die Landesbank am heutigen Mittwoch mit. „Durch die Mitgliedschaft im Marco-Polo-Netzwerk können wir unser Angebot in der Handelsfinanzierung ausbauen und mit anderen Mitgliedsbanken zusammenarbeiten, so dass wir die Finanzierung des Wachstums der deutschen Wirtschaft weiter unterstützen können“, sagt Christian Ricken, der im Vorstand der LBBW für die Kapitalmarktaktivitäten der Bank sowie das Asset Management und internationale Geschäft verantwortlich ist.

LBBW sieht Beitritt zu Marco Polo als „nächsten Schritt“

Die LBBW ist damit das erste Mitglied aus Sparkassen-Finanzgruppe, die sich der Marco-Polo-Plattform anschließt. BNP Paribas, die Commerzbank und die ING hatten die Initiative, die auf der Blockchain-Technologie Corda des Fintechs R3 basiert, im September 2017 ins Leben gerufen. Seitdem sind weitere Banken dazugekommen: Standard Chartered Bank, Natwest, Natixis, Bangkok Bank, SMBC, DNB, OP Financial Group, SEB und Anglo-Gulf Trade Bank zählen inzwischen beispielsweise dazu.

Für die LBBW sei der Beitritt zum Netzwerk Marco Polo der „nächste Schritt auf dem Weg, Bankdienstleistungen für die Kunden durch technologische Innovation zu verbessern“, teilte die Landesbank mit. Die LBBW zählt selbst zu den Vorreitern beim Einsatz der Blockchain-Technologie: Bereits im Sommer 2017 hatten die Stuttgarter für Furore gesorgt, als sie gemeinsam mit dem Autobauer Daimler einen Schuldschein über die Blockchain platziert hatten. Allerdings musste der regulatorisch erforderliche Emissionsprozess damals noch parallel zum Blockchain-Prozess durchgeführt werden.

Blockchain in der Handelsfinanzierung

Neben dem Schuldschein gilt insbesondere die Handelsfinanzierung als Paradebeispiel für die Anwendung der Blockchain. Der Grund: Durch den Einsatz der Technologie können die Risiken bei internationalen Handelsgeschäften minimiert und die Handelsprozesse vereinfacht und beschleunigt werden. Die derzeit noch recht aufwendige papierbasierte Dokumentation ist mit der Blockchain nicht mehr nötig. Wie erste Testläufe zeigen kann der Abwicklungszeitraum von bislang fünf bis zehn Tagen auf etwa 24 Stunden reduziert werden.

Das birgt auch massives makroökonomisches Potential: Durch die effizientere Abwicklung von Handelstransaktionen könnte laut einer Studie der Beratung Bain & Company und der britischen Großbank HSBC der weltweite Handel bis 2026 um 1,1 Billionen US-Dollar auf 17,1 Billionen US-Dollar ansteigen. Besonders in Regionen wie Südostasien, Afrika und Lateinamerika könnten Handelsfinanzierungen an Bedeutung gewinnen, glauben die Studienautoren.

Dieses Potential wollen die Banken nun heben. Viele von ihnen experimentieren deshalb mit der Blockchain in der Handelsfinanzierung. Mehrere Plattformen existieren bereits. Neben Marco Polo sind in Deutschland insbesondere noch die Plattformen We.trade und Voltron für Unternehmen interessant.

LBBW baut auf Wachstum und Reichweite von Marco Polo

Warum hat sich die LBBW gerade für die Marco-Polo-Plattform entschieden? „Marco Polo ist die am besten passende Lösung für uns – zum einen weil es das am schnellste wachsende Netzwerk ist, zum anderen wegen seiner globalen Abdeckung“, sagte ein Sprecher der Bank auf Anfrage von DerTreasurer. Darüber hinaus handele es sich bei Marco Polo um ein universelles und erweiterbares Netzwerk.

Die LBBW möchte in den kommenden sechs Monaten eigenen Angaben zufolge mit ersten Kunden Pilottransaktionen in den Bereichen Trade Finance und Supply Chain Finance durchführen. In diesem Zeitraum würden noch keine Livetransaktionen durchgeführt, sagte der Pressesprecher weiter. Parallel werde zudem noch die End-to-End-ERP-Integration getestet.

Liegt die Zukunft in der Blockchain?

Diese Test- und Entwicklungsphasen mit der Blockchain laufen derzeit bei vielen Marktteilnehmer. Allerdings ist derzeit noch nicht klar, ob es die Blockchain wirklich für die Handelsfinanzierung braucht. Da scheiden sich die Geister: „Der einfache Zugang zur Handelsfinanzierung ist für das Branchenwachstum unerlässlich. Blockchain ist in dieser Hinsicht bedeutend effizienter als bestehende Systeme“, sagt beispielsweise R3-CEO David E. Rutter. Kürzere Abwicklungszeiträume in der Handelsfinanzierung sind auch mit alternativen digitalen Lösungen – ohne Blockchain – zu erreichen, wie ein Projekt der Commerzbank zeigt.

Die Frage, ob die Zukunft der digitalen Handelsfinanzierung tatsächlich in der Blockchain liegt, ist damit noch nicht abschließend geklärt. Das wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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