Die LBBW experimentiert weiter mit der Blockchain und hat sich diesmal auf ABCP konzentriert.

Landesbank Baden-Württemberg

19.02.19
Finanzen & Bilanzen

LBBW verkauft ABCP-Papier erstmals via Blockchain an MEAG

ABCP goes Blockchain: LBBW und MEAG haben erstmals eine rechtswirksame digitale Wertpapiertransaktion ohne papierhaften Parallelprozess auf Blockchain-Basis durchgeführt. Die Transaktion konnte unter einer Stunde abgeschlossen werden, das Potential scheint enorm.

Die LBBW führt ihre Experimente mit der Blockchain-Technologie fort. Nach den Blockchain-Schuldscheinen mit Daimler und Telefónica Deutschland hat die Landesbank nun mit dem Vermögensverwalter der Münchener Rück und Ergo, MEAG, als Investor erstmals eine rechtswirksame digitale Wertpapiertransaktion auf Blockchain-Basis durchgeführt – ohne papierhaften Parallelprozess. Das teilte die LBBW heute mit. Die Landesbank hatte die Transaktion als Plattformbetreiber der ABCP-Emissionsgesellschaft „Weinberg Capital DAC“ ermöglicht.

Dabei wurde der Kauf und die Rückzahlung eines Geldmarktpapiers mit einem Volumen von 1 Million Euro und einer Laufzeit von fünf Tagen vollständig über die Blockchain-Technologie Corda des Fintechs R3  abgewickelt. Bei dem Wertpapier handelt es sich um ein Asset-Backed Commercial Paper (ABCP), also um eine mit Handelsforderungen mittelständischer Unternehmen und Leasingforderungen unterlegte kurzfristige Schuldverschreibung der Emissionsgesellschaft „Weinberg Capital DAC“.

Ein paralleler papierhafter Prozess – wie bei den beiden Blockchain-Schuldscheinen – war nicht nötig, da die ABCP-Transaktion nach irischem Recht erfolgte, erklärte die LBBW auf Anfrage von DerTreasurer.

Hinter solchen Geldmarktpapieren stehen vorwiegend größere mittelständische und börsennotierte Unternehmen, die die ABCP als Finanzierungsinstrument für ihre Kundenforderungen nutzen. Die Einstiegsgrößen liegen im Gegensatz zum klassischen Factoring eher bei 15 Millionen bis 50 Millionen Euro.

ABCP-Blockchain-Transaktion ohne Intermediäre

Auf dem herkömmlichen Weg ist eine ABCP-Wertpapiertransaktion komplex, abstimmungsintensiv und dauert laut der LBBW von der Order bis zur Buchung in der Regel zwei Tage. Der Grund: Verschiedene Intermediäre wie ein Händler für die Zeichnung, ein Zahlungsabwickler, eine Clearingstelle und eine Depotbank für das Settlement sind zwischen Emittent und Investor dazwischen geschaltet.

„Wir generieren einen Zinsvorteil durch die sofortige Lieferung des Wertpapiers.“

Frank Wellhöfer, Geschäftsführer der MEAG

Durch eine Abwicklung über die Blockchain sind laut LBBW diese Intermediäre nicht mehr nötig, da sämtliche Buchungen in verketteten Datensätzen festgehalten und verschlüsselt auf mehreren Servern gespeichert werden. Diese Technik stelle Transparenz her, wirke Manipulation entgegen und erlaube dadurch „schlanke, unmittelbare und sichere Transaktionen annähernd in Echtzeit“, heißt es seitens der LBBW. Der Transaktionsprozess verkürze sich demnach von zwei Tagen auf unter eine Stunde.

„Wir haben durch die verkürzte Abwicklungszeit einen hohen Zugewinn an Flexibilität in unserem Cash-Management und generieren gleichzeitig einen Zinsvorteil durch die sofortige Lieferung des Wertpapiers“, sagt Frank Wellhöfer, Geschäftsführer der MEAG. Die beschleunigte Abwicklung minimiere „Kontrahenten- und Abwicklungsrisiken“.

Die aktuelle Transaktion ist nicht die erste Blockchain-Erfahrung für die MEAG: Der Vermögensmanager von Munich Re und Ergo hatte bereits im Herbst 2017 gemeinsam mit der Commerzbank und der KfW ein Euro Commercial Paper über 100.000 Euro mit Hilfe der Blockchain platziert.

LBBW: „ABCP idealtypischer Fall für Blockchain“

Die jetzige ABCP-Blockchain-Transaktion läuft der LBBW zufolge wie folgt ab: Auf der neuen digitalen ABCP-Plattform Weinberg DLT Plattform – laut der Landesbank die erste dieser Art – können angeschlossene Investoren Commercial Paper direkt beim Emittenten zeichnen. Die Zuordnung des Wertpapiers zum Käufer wird als Token auf der Blockchain abgelegt und bei Zahlung sofort Zug-um-Zug zwischen den Parteien ausgetauscht („Delivery versus Payment“).

Die Ausführung erfolgt automatisiert über Smart Contracts. Das sind intelligente Verträge in einer programmierbaren Computerform, die sich selbst überwachen und die automatisch ein gewisses Ereignis auslösen – beispielsweise eine Zahlung –, wenn vorher definierte Bedingungen erfüllt sind.

„Asset Backed Commercial Paper sind wegen des langen und komplexen Emissionsprozesses mit zahlreichen Beteiligten ein idealtypischer Anwendungsfall für die Blockchain“, sagt Joachim Erdle, Head of Corporate Finance der LBBW. „Hier können wir mit dieser innovativen Technik einen besonders hohen Kundennutzen stiften.“

Die Ratingagenturen Fitch und Moody’s waren bei dieser  ABCP-Blockchain-Transaktion der LBBW mit MEAG ebenfalls eingebunden und bestätigten das existierende Rating der Asset-Backed Commercial Paper für den digitalen Emissionsprozess.

Die weiteren Schritte der LBBW

Und wie soll es nun weitergehen? „Im nächsten Schritt wollen wir mit befreundeten Investoren weitere Transaktionen durchführen“, sagt Erdle weiter. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, möglichst schnell skalierbar zu sein.“ Aus technischer Sicht sei die digitale Plattform aber schon heute marktreif.

Für Treasurer von größeren mittelständischen und börsennotierten Unternehmen dürfte zudem noch folgender Punkt interessant sein: Die LBBW denkt darüber nach, – wie beim Schuldschein – den kompletten ABCP-Prozess zu digitalisieren. Das heißt, in einer etwas ferneren Zukunft ist es vorstellbar, dass nicht nur wie in der aktuellen Transaktion der Verkauf von Forderungen an Investoren digital abgebildet wird, sondern auch der Ankauf der Forderungen beim Unternehmen.

„Ideal wäre es letztlich, den kompletten Prozess der Verbriefung zu digitalisieren“, sagt Erdle. Das würde den Prozess weiter vereinfachen, und dann könnte es auch möglich sein, kleinere Forderungen anzukaufen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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