Leasingwirtschaft erwartet schwaches Jahr 2015

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20.11.14
Finanzen & Bilanzen

Leasingwirtschaft erwartet schwaches Jahr 2015

Die deutsche Leasingbranche wächst in diesem Jahr. Doch das dürfte sich im kommenden Jahr ändern: Geopolitische Krisen bleiben nicht ohne Folge.

Die Leasingbranche wächst in diesem Jahr moderat. Insgesamt wird sie 2014 Investitionen in Höhe von 50,2 Milliarden Euro realisieren. Der Großteil stammt mit 48,65 Milliarden Euro aus dem Mobilienleasing, 1,55 Milliarden Euro aus dem Bereich Immobilien. Damit überschreitet die Leasingwirtschaft erstmals seit dem Krisenjahr 2008 wieder die 50-Milliarden-Euro-Marke. Im Vergleich zu 2013 konnten die Leasinggesellschaften damit ihr Neugeschäft um 6,1 Prozent steigern.

„Das Leasingneugeschäft steigt deutlich dynamischer als die Ausrüstungsinvestitionen, die voraussichtlich nur um 4 Prozent zunehmen werden und im Gesamtjahr 2014 bei 214,6 Milliarden Euro liegen dürften“, sagte Martin Mudersbach, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL), in Frankfurt am Main. Ein Grund für diesen neuen Erfolg des Leasings sei unter anderem, dass die Leasinggesellschaften Service und Wartung übernehmen, was die Unternehmen entlasten würde.

Die Leasingquote, d.h. der Leasinganteil an den gesamtwirtschaftlichen Investitionen bzw. an den Ausrüstungsinvestitionen, wird dem Leasingverband zufolge in diesem Jahr bei rund 15 Prozent liegen (Vorjahr: 14,8 Prozent). Die Mobilienleasingquote wird in diesem Jahr sogar bei 22,7 Prozent liegen – das ist der höchste Wert seit Jahren. Lediglich 2005 war sie höher, damals betrug sie 23,5 Prozent.

Leasing: immer weniger Gesellschaften

Dabei teilen sich immer weniger Leasinggesellschaften das Geschäft in Deutschland untereinander auf. „Rund 400 Leasinggesellschaften sind derzeit bei der BaFin gemeldet“, sagte Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des BDL bei der Pressekonferenz. Einige der Gesellschaften hätten aber mehrere Tochtergesellschaften, weshalb letztlich noch rund 250 operativ tätig sind.

„Die Konsolidierung der Leasingbranche wird sich fortsetzten“, sagte Fittler. Allerdings deutlich langsamer als noch in den Jahren 2011 und 2012, in denen viele ihr Geschäft eingestellt haben – auch wegen der erhöhten aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Auch bei der Mitgliederzahl des Leasingverbands ist die Konsolidierung zu spüren. Sie ist inzwischen auf 175 gesunken. 2011 lag sie noch bei knapp 200, im vergangenen Jahr bei 182.

Die Gründe für die Konsolidierung der deutschen Leasingbranche sind vielfältig. Zum einen kämpfen die Leasinganbieter wie die Familienunternehmen aus der Industrie mit Nachfolgeproblemen. Die Eigentümer gehen aus Altersgründen in den Ruhestand und finden niemanden, der ihr Lebenswerk fortführt. Zum anderen sind Refinanzierungsmöglichkeiten, die die Banken früher gerne zur Verfügung gestellt haben, weggebrochen. Das trifft besonders kleinere Leasinggesellschaften, die sich zudem schwerer tun als große Organisationen, die Anforderungen des Regulierers zu erfüllen.

Für das kommende Jahr ist die deutsche Leasingbranche skeptisch. „Das Jahr 2015 wird mehr oder weniger ein Jahr des Stillstands sein“, glaubt Mudersbach. „Die Investitionsstimmung ist im Keller.“ Die geopolitischen Krisen sorgten weiterhin für Unsicherheit und wirkten sich nun auf die bislang stabile Binnenwirtschaft aus. Dennoch glauben Branchenvertreter, dass im kommenden Jahr ein kleines Wachstum möglich ist. „Wir werden uns im Fahrwasser der Ausrüstungsinvestitionen bewegen“, sagte Mudersbach. Er geht von einem Wachstum der Leasingbranche von 3 bis 4 Prozent aus.

Paulus[at]derTreasurer.de

Anteil der Leasinggüterarten am Neugeschäft nach Anschaffungswert (Angaben in Prozent)

Fahrzeuge: 72
Produktionsmaschinen: 11
Büromaschinen, EDV: 7
Nachrichten- und Signaltechnik, inkl. Sonstige: 6
Produktionsgebäude, Lagerhallen: 2
Handels- und Bürogebäude: 1
Luft-, Wasser- und Schienenfahrzeuge: 1

Quelle: BDL, ifo Investionstest