Von der Kabelsparte will sich Leoni trennen.

Leoni

13.03.20
Finanzen & Bilanzen

Leoni steht unter Refinanzierungsdruck

Bei Leoni wird in den kommenden Tagen ein Schuldschein über 170 Millionen Euro fällig. Damit ist die Refinanzierungsthematik des kriselnden Automobilzulieferers gelöst – aber nur vorerst. Weitere Fälligkeiten kommen auf Leoni zu.

In den kommenden Tagen steht bei Leoni eine wichtige Fälligkeit ins Haus. Am 16. März muss der Kabel- und Bordnetzehersteller nach Informationen von DerTreasurer eine Schuldschein-Tranche über 170 Millionen Euro zurückzahlen. Ein Sprecher des Unternehmens wollte zwar den konkreten Termin gegenüber DerTreasurer nicht bestätigen. Klar ist aber, dass die Fälligkeit im Laufe des März ist, eine weitere über 25 Millionen Euro im November. Unter normalen Umständen wäre die Rückführung der Schuldscheine kein besonderes Thema, doch der Automobilzulieferer ist schon im vergangenen Jahr in eine tiefe Krise gerutscht.

Das Finanzressort hat im Sommer 2019 Ingrid Jägering übernommen, nachdem der ehemalige CFO Karl Gadesmann den Konzern vor einem Jahr nach mehreren Gewinnwarnungen verlassen musste. Im vergangenen Sommer stieg beinahe zeitgleich mit Jägering auch der bekannte Sanierungsspezialist Hans-Joachim Ziems als Berater ein, der zuvor bei schwierigen Krisenfällen wie A.T.U, Pfleiderer und Kathrein engagiert war. Im Treasury agiert seit Juli 2017 Georg Leykauf als Vice President Corporate Finance.

Tilgt Leoni den Schuldschein aus dem RCF?

Anscheinend will Leoni die anstehende Schuldscheinfälligkeit aus Mitteln der Betriebsmittellinie (RCF) tilgen, wie DerTreasurer aus Finanzkreisen erfahren hat. Das sei eine „Option“, wenn auch nicht die „bevorzugte“, erklärte ein Leoni-Sprecher auf Nachfrage. Das wäre rein rechnerisch möglich: Ende 2019 summierten sich der RCF, weitere freie Kreditlinien und liquide Mittel auf insgesamt 624 Millionen Euro. Mittelfristig sollen dann Factoring und ein geplanter Sale and Leaseback die Banklinien wieder frei machen, ist zu hören.

„Die geplante Trennung von Wire & Cable Solutions ist nicht auf die kurzfristige Verbesserung der Liquidität ausgerichtet.“

Unternehmenssprecher, Leoni

Zudem dürfte auch der Verkauf der Kabelsparte Wire & Cable Solutions (WCS) Geld in Leonis Kasse spülen. Leoni versucht aber den Eindruck eines Firesales zu vermeiden: Die geplante Trennung von WCS sei „eine strategische Entscheidung mittelfristiger Natur und damit keine, die auf die kurzfristige Verbesserung der Liquidität ausgerichtet ist“, erklärte ein Sprecher auf Anfrage.

Investoren kaufe Leoni-Schuldscheine „mit Abschlag“

Auch wenn die jetzt anstehende Schuldscheintilgung problemlos über die Bühne gehen dürfte, wächst die Unruhe unter den Gläubigern. Offenbar haben Banken schon mit Investoren über einen möglichen Kreditverkauf gesprochen, bisher kam es aber zu keiner Transaktion. Bei den Schuldscheinen gab es laut Bloomberg dagegen bereits Verkäufe: „Eine Reihe von Investoren“ habe demnach offenbar „erhebliche Anteile an den 590 Millionen Euro in Schuldscheinen“ von Leoni „mit einem Abschlag verkauft“, meldete die Nachrichtenagentur.

Klar ist: Die Misere von Leoni ist noch nicht gelöst und die nächsten Fälligkeiten werden kommen: Ende 2018 hatte Leoni Schuldscheine über 331 Millionen Euro platziert – eine Tranche läuft fünf Jahre, also bis Ende 2023. Auch der Konsortialkredit, den Leoni 2018 erstmals aufgelegt hatte, wird ebenfalls im Jahr 2023 zur Rückzahlung fällig.

Dentz[at]derTreasurer.de

Update am 16. März:

Leoni teilte heute mit, dass die „Durchfinanzierung und Sanierungsfähigkeit durch ein Sanierungsgutachten in Anlehnung an IDW S6“ bestätigt sei. Mit seinen Gläubigern habe sich das Unternehmen über „Maßnahmen zur Erhöhung der Liquidität um mindestens 200 Millionen Euro verständigt“. Zu den wichtigsten Maßnahmen zur Absicherung der Durchfinanzierung zählen laut Unternehmen „die erhebliche Ausweitung der bereits eingeleiteten Factoring-Programme, Sale-and-
Leaseback-Transaktionen von Vermögenswerten in Deutschland und China
sowie die Umstrukturierung bestehender bilateraler Kreditlinien in eine weitere
Konsortialkreditlinie“.

Dadurch verbessere sich die Fälligkeitsstruktur, „da das entsprechende Finanzierungsvolumen bis Ende 2022 fest verfügbar ist und keine Auswirkung auf die bestehende Konsortialkreditlinie aus dem Jahr 2018“ hat. Zur Absicherung der Durchfinanzierung hat sich Leoni dazu verpflichtet, bis zur
Rückzahlung der umstrukturierten Kreditlinien keine Dividende auszuschütten. Gleichzeitig wurde Hans-Joachim Ziems als Chief Restructuring Offiver (CRO) in den Vorstand bestellt. Er soll die Umsetzung des Restrukturierungskonzepts verantworten.

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