Die geplante Umstellung von Libor und Co. trifft auch Treasurer. Sie sollten sich bereits jetzt darauf vorbereiten.

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28.03.18
Finanzen & Bilanzen

LMA veröffentlicht Papier zur Libor-Umstellung

Der Libor soll weg, das steht fest. Mit den Konsequenzen dieses Mammutprojekts befassen sich Treasurer bisher selten. LMA und der Treasurer-Verband ACT versuchen, das zu ändern.

Die Loan Market Association (LMA) und der britische Treasury-Verband ACT haben ein Papier herausgebracht, dass die wichtigsten Informationen zur Libor-Reform zusammenfasst. Neben den Hintergründen zur Umstellung stellt das Papier die unterschiedlichen Vorschläge für neue Referenzzinssätze vor und geht auf die Herausforderungen ein, die durch die neuen Zinssätze auf Treasurer zukommen werden.

Speziell listet das Dokument die möglichen Schwierigkeiten bei syndizierten Krediten, variabel verzinsten Anleihen und Derivaten auf. Bis Ende 2021 soll es einen neuen Referenzzinssatz geben, auch für den Euribor sind die Reformbemühungen im Gange. Bei Treasurern ist die Libor-Ablösung allerdings bislang nur ein  Randthema: Zu unklar sind bisher die Pläne für die neuen Zinssätze, die Libor & Co. ersetzen sollen.

Neue Referenzzinssätze dürften aber starke Änderungen mit sich bringen. Caroline Stockmann, Chief Executive von ACT, betont, die angedachten „Risk-free-Rates“ würden sich in vielerlei Hinsicht vom Libor unterscheiden, mit umfassenden Auswirkungen für Treasurer.

Alternative Zinssätze unterscheiden sich stark vom Libor

Für den Sterling ist zum Beispiel der Sonia (Sterling Overnight  Index Average) und für den US-Dollar  die SOFR (Secured Overnight Financing Rate) geplant. Dies sind Alternativen für den Libor Overnight, Ersatz für  längere Laufzeiten gibt es noch nicht. Die Zinssätze unterscheiden sich nicht  nur vom Libor, sondern auch untereinander – zum Beispiel mit Blick auf die Besicherung. Das kann deutliche  Auswirkungen auf die Anwendung der Referenzzinssätze in der Praxis haben.

Finanzverantwortliche sollten  sich deshalb im Detail mit den geplanten Reformen auseinandersetzen und auch die eigenen Interessen wahren. „Wir möchten Treasurer aktiv darin  bestärken, sich an der Diskussion zu beteiligen und ihren Stimmen Gehör zu verschaffen“, betont Stockmann.

Das Ausmaß der bevorstehenden Umstellungen ist gewaltig: Die Managementberatung Oliver Wyman beziffert das Volumen der Verträge, denen der Libor zugrunde liegt, auf 240 Billionen US-Dollar. Die Beratung analysiert in einem aktuellen Bericht die wichtigsten Auswirkungen vor allem für Finanzinstitute. Auch nach der Beobachtung der Beratung verläuft die Diskussion um die Änderungen in der deutschen Realwirtschaft noch sehr zurückhaltend, während sich in England bereits mit Shell ein Großkonzern aktiv in die Planung einbringt.

Koegler[at]derTreasurer.de

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