Der Logistikdienstleister Logwin hat als unabhängige Drittpartei ein Handelsgeschäft über das Blockchain-Netzwerk Marco Polo begleitet.

Logwin

14.08.19
Finanzen & Bilanzen

Logistiker Logwin nutzt Blockchain-Plattform Marco Polo

Mit dem Logistikanbieter Logwin war zum ersten Mal eine unabhängige dritte Partei bei einem Handelsgeschäft über das Blockchain-Netzwerk Marco Polo eingebunden. Dennoch ist es bis zur endgültigen Marktreife noch ein weiter Weg.

Die Blockchain-Plattform Marco Polo hat einen weiteren Meilenstein erreicht: Nach ersten Pilottransaktionen zwischen Im- und Exporteur sowie deren Banken hat jetzt eine Transaktion in einem erweiterten Kreis stattgefunden. Erstmals war mit dem Logistiker Logwin eine unabhängige dritte Partei involviert, die das Zahlungsversprechen zugunsten des Verkäufers ausgelöst hat. Das teilten die beteiligten Parteien am heutigen Mittwoch mit.

Konkret handelt es sich bei der aktuellen Pilottransaktion um ein Handelsgeschäft, dass der Technologiekonzern Voith und der Pumpen- und Armaturenhersteller KSB zusammen mit der LBBW und der Commerzbank digital abgewickelt haben. „Wir haben erstmals den Kauf und die Auslieferung einer hydraulischen Spezialkupplung von Deutschland nach Taiwan zwischen dem Technologiekonzern Voith und dem führenden Pumpen- und Armaturenhersteller KSB über das Marco-Polo-Netzwerk auf Blockchain-Basis abgebildet“, sagt Gerald Böhm, Leiter Guarantees & Trade Finance bei Voith. Bereits Ende März dieses Jahres hatten die beiden Industrieunternehmen die Blockchain-Plattform getestet.

Logwin löst Zahlungsversprechen auf Blockchain aus

Der Logistiker Logwin ist nun auch eingebunden gewesen. Der Aschaffenburger Logistiker hat die Transportdaten zur Verschiffung direkt in das Netzwerk gestellt. Das Zahlungsversprechen wurde dabei durch einen automatisierten Abgleich der Handelsdaten ausgelöst.

„Es ist nun möglich, dass eine unabhängige dritte Partei – in unserem Fall der Logistikdienstleister – das Zahlungsversprechen zugunsten des Verkäufers auslösen kann. Das bedeutet für das Payment Commitment eine deutliche Erhöhung der Werthaltigkeit“, sagt Matthias Heuser, Leiter International Trade and Payment Solutions bei der LBBW.

Ralf van Velzen, Leiter Exportfinanzierung der KSB ergänzt: „Damit können wir als Käufer zusammen mit unserer Bank sicherstellen, dass das Zahlungsversprechen nur wirksam wird, wenn die Ware tatsächlich in Obhut des Logistikers und final auf dem Weg zum Lieferzielpunkt ist.“

Marco Polo will Netzwerk kurzfristig weiter ausbauen

Allerdings musste der Datentransfer Unternehmensangaben zufolge immer noch parallel zur herkömmlichen Abwicklung des Handelsgeschäfts auf der Blockchain-Plattform durchgeführt werden. Aus regulatorischen Gründen ist es noch nicht möglich, Live-Transaktionen über das Netzwerk abzuwickeln.

Das dürfte auch noch etwas dauern. Denn zuvor muss weltweit ein einheitlicher regulatorischer Standard für die Nutzung der Blockchain im Trade-Finance-Bereich etabliert werden – und das ist noch ein weiter Weg. „Ziel der künftigen Weiterentwicklung ist es, das Marco-Polo-Netzwerk um weitere relevante Beteiligte an einer Handelstransaktion zu erweitern – also vor allem Versicherungen, Inspektionsbehörden oder lokale Handelskammern –, um rasch die gesamte Wertschöpfungskette im Außenhandelsgeschäft digital abbilden zu können“, sagt Enno-Burghard Weitzel, Global Head of Trade Finance Products bei der Commerzbank.

Marco Polo nicht für Mittelständler Ebawe geeignet

Doch auch wenn das geschafft ist, dürfte das digitale Trade-Finance-Netzwerk nicht automatisch für alle Unternehmen interessant sein. Das glaubt zumindest Werner Eckert, Geschäftsführer des Mittelständlers Ebawe Anlagentechnik. Das Unternehmen aus Eilenburg bei Leipzig setzte mit der Entwicklung und Realisierung von schlüsselfertigen Betonfertigteilen 2018 knapp 72 Millionen Euro um und strebt für dieses Jahr einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro an.

„Bei uns ist nahezu jedes Werk maßgeschneidert“, sagte Eckert bei einem Pressegespräch der Commerzbank am heutigen Mittwoch in Frankfurt am Main. Deshalb benötige die Ebawe Anlagentechnik bei jedem Geschäft auch ein sehr individuell ausgestaltetes Akkreditiv. „Ein Netzwerk wie Marco Polo ist aus diesem Grund für uns nicht interessant“, sagt Eckert. Es werde sich am ehesten bei Handelsunternehmen und bei Unternehmen mit einem einzelnen standardisierten Produkt, bei denen es einen wiederkehrenden Rhythmus von Dokumenten gebe, durchsetzen.

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