Merck

12.07.19
Finanzen & Bilanzen

Merck finanziert M&A-Deal über den Bondmarkt

Zwei milliardenschwere Bond-Transaktionen innerhalb weniger Wochen: Merck hat die Übernahme des US-Spezialchemieherstellers Versum finanziert.

Für die Übernahme des US-Spezialchemieherstellers Versum musste Merck tiefer in die Tasche greifen als ursprünglich geplant und das Angebot von 48 auf 53 Dollar je Aktie aufstocken. Im Juni stimmten die Aktionäre des US-Konzerns zu, im zweiten Halbjahr soll der Deal, der inklusive Finanzschulden 5,8 Milliarden Euro schwer ist, abgeschlossen werden.

Jetzt hat der Dax-Konzern um Treasury-Chef Rando Bruns den Zukauf innerhalb weniger Wochen ausfinanziert: Merck zapfte in der vergangenen Woche den Euro-Bondmarkt an und platzierte Anleihen über insgesamt 2 Milliarden Euro. Die Emission teilte sich in drei Tranchen auf. Ein Papier über 600 Millionen Euro hat eine Laufzeit von viereinhalb Jahren und wird mit 0,005 Prozent verzinst. Eine achtjährige Tranche über ebenfalls 600 Millionen Euro ist mit einem Kupon über 0,375 Prozent versehen. Die dritte und größte Tranche über 800 Millionen Euro wird mit 0,875 Prozent verzinst und läuft zwölf Jahre lang.

Merck nutzt Bonds und Hybrids

Den ersten Finanzierungsbaustein platzierte Merck bereits einen Tag, nachdem die Versum-Aktionäre dem Deal zugestimmt hatten. Der Konzern begab zwei Hybridanleihen über insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Mit den Bonds, die von den Ratingagenturen teilweise als Eigenkapital angesehen werden, kann der Konzern sein Kredit-Rating stützen.

Die Emission teilt sich in zwei Tranchen. Die erste hat ein Volumen von 500 Millionen Euro und läuft über 60 Jahre. Merck kann das Papier nach fünfeinhalb Jahren erstmals zurückzahlen. Der Bond ist mit einem Kupon von 1,625 Prozent ausgestattet. Die zweite Tranche läuft ebenfalls 60 Jahre, kann aber erst nach zehn Jahren vorzeitig zurückgezahlt werden. Die Anleihe über 1 Milliarde Euro wird mit 2,875 Prozent verzinst. Nach Angaben des Unternehmens war die Transaktion deutlich überzeichnet.

Deutlich günstigere Konditionen erzielt

Damit setzt Merck, wie bereits bei der Übernahme des US-amerikanischen Laborausrüsters Sigma Aldrich im Jahr 2014, vollständig auf den Anleihemarkt und platzierte sowohl Hybrid- als auch Euro-Bonds. Nur den US-Bondmarkt haben die Darmstädter anders als damals diesmal nicht angezapft.

Im Vergleich zu den Bondtransaktionen zur Finanzierung des Sigma-Aldrich-Deals konnte der Pharmakonzern diesmal deutlich günstigere Konditionen erzielen als damals - was vor allem am aktuell sehr guten Marktumfeld für Unternehmensanleihen liegen dürfte. Ein Beispiel: Für eine Hybridanleihe mit erstem Call-Date nach fünfeinhalb Jahren zahlte Merck damals noch 2,625 Prozent - heute fällt für ein solches Papier 1 Prozentpunkt weniger an.

Koegler[at]derTreasurer.de