Ultimofactoring ist insbesondere zum Jahresende beliebt.

kefkenadasi/iStock/Getty Images

09.12.19
Finanzen & Bilanzen

Mit Ultimofactoring die Bilanz aufhübschen

Besonders zum Jahresende ist das sogenannte Ultimofactoring beliebt. Aber Stichtagsbezogenes Factoring ist nicht zur dauerhaften Liquiditätssteuerung geeignet.

Der Forderungsverkauf via Factoring ist inzwischen bei deutschen Unternehmen als alternative Finanzierungsform fest etabliert. Aber dieses Instrument können Unternehmen nicht nur revolvierend, sondern auch stichtagsbezogen einmalig nutzen. Besonders zum Jahresende ist solch ein Verfahren beliebt.

„Bei dem sogenannten Ultimofactoring kauft die Factoringgesellschaft beispielsweise vor dem Bilanzstichtag 31. Dezember einmalig die Forderungen an“, sagt Andreas Dehlzeit, Deutschlandchef des Finanzierungsdienstleisters Bibby Financial Services. Dabei sei es wichtig, darauf zu achten, dass die Laufzeit des Vertrags dem tatsächlichen Zahlungsverhalten des Debitoren entspricht. Das heißt, so lange wie der Debitor Zeit hat zu bezahlen, muss auch mindestens der Ultimofactoringvertrag laufen.

Verkürzung der Bilanzsumme durch Ultimofactoring

Wie beim Factoring ist der wesentliche Vorteil des Ultimofactorings die Verkürzung der Bilanzsumme beim Jahresabschluss. „Der Factoringnehmer kann dadurch seine Eigenkapital- und Working-Capital-Quote verbessern“, sagt Dehlzeit. Aber im Gegensatz zum revolvierenden Factoring dient das Ultimofactoring weniger einer dauerhaft besseren Liquidität, sondern primär besseren Kennzahlen. Die Motivlage der Unternehmen ist also eine andere als beim revolvierenden Verfahren.

Der einmalige Forderungsverkauf kann im Vergleich zum revolvierenden Factoring mit weniger Aufwand und schneller abgeschlossen werden, sagt Dehlzeit. „Wir können das Ultimofactoring innerhalb einer Woche aufsetzen, da der Factoringnehmer beispielsweise keine Konten an uns abtreten muss.“ Zum Vergleich: Wenn ein Unternehmen Factoring regelmäßig, zum Beispiel mehrmals im Monat, nutzen möchte, dauert der Vertragsabschluss in der Regel vier bis sechs Wochen.

Kosten des Ultimofactorings

Das einmalige Verfahren hat aber auch seinen Preis: Genaue Konditionen will Dehlzeit zwar nicht nennen, nur so viel: Die Factoringgebühr hänge – wie beim „normalen Factoring“ – von der Bonität des Factoringnehmers und des Debitors sowie von der Laufzeit der Forderungen ab. „Hochgerechnet auf zwölf Monate ist Ultimofactoring zwar teurer als das revolvierende Modell, absolut gesehen kostet die einmalige Transaktion aber nur einen Bruchteil des normalen Verfahrens.“

Dennoch sollten Treasurer Ultimolösungen nicht langfristig nutzen, um die Kennzahlen zu verbessern. Denn sonst könnte es passieren, dass die auf Basis der optimierten Kennzahlen vereinbarten Covenants zu eng sind.

Paulus[at]derTreasurer.de

Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos unser E-Magazin und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen im Treasury auf dem Laufenden.