Kaum Unterschied zu herkömmlichen Anleihen

08.11.16 12:54

Mogelpackung Green Bonds?

Von Sabine Paulus

Mehr Schein als Sein: Vielen Green Bonds wird nur aus Image-Gründen ein grüner Anstrich gegeben. Das behauptet zumindest die Beratung Capmarcon in einer aktuellen Studie.

Die Verzinsung und das Rendite-Risiko-Profil von Green Bonds sind mit denen von herkömmlichen Anleihen vergleichbar.

violetkaipa/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Verzinsung und das Rendite-Risiko-Profil von Green Bonds sind mit denen von herkömmlichen Anleihen vergleichbar.

Die meisten begebenen Green Bonds sind ebenso „grün“ wie traditionelle Anleihen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Beratung Capmarcon, die harsche Kritik an dem Finanzierungsinstrument übt. Die Green Bonds hätten „sich zu einem Marketinginstrument entwickelt, das den Emittenten zu einem sympathischeren Auftritt verhelfen soll und Investoren bei der Etablierung einer vermeintlich neuen Anlageklasse“, heißt es dort.

Die meisten bei Green-Bond-Emissionen genannten Finanzierungszwecke unterscheiden sich demnach bei näherem Hinsehen nicht oder wenig von denjenigen traditioneller Anleihen. Verzinsung und Rendite-Risiko-Profil sei bei Green Bonds und herkömmlichen Anleihen ohnehin vergleichbar. Auch die Anleihebedingungen der „grünen Anleihen“ könnten unnachhaltig sein.

Das größte Manko sei jedoch die geringe Kontrolle über die tatsächliche Verwendung der eingesetzten Mittel: Ob damit tatsächlich grüne Projekte finanziert werden, sei allerdings fraglich. Der Studie zufolge fehlten einheitliche Standards, um Green Bonds objektiv bewerten und einstufen zu können. Das bestätigte auch Ralph Neher, Senior Banker bei der Société Générale vor einigen Monaten gegenüber DerTreasurer. „Green Bonds sind seit zwei oder drei Jahren am Markt präsent, aber es gibt noch keine einheitlichen Kriterien.“ Es gebe lediglich gewisse Parameter, die Emittenten für die Emission einhalten müssen.

Aus diesen Gründen ist der Beratung zufolge durch die Bezeichnung „Green Bond“ auch kein Rückschluss auf den Nachhaltigkeitscharakter und auf die Bonität des Emittenten beziehungsweise des Wertpapiers möglich. Denn der Titel „Green“ beziehe sich ausschließlich auf das geplante Vorhaben – unabhängig von den tatsächlichen Finanzierungsströmen.

Der noch junge Green-Bond-Markt

Der Green-Bond-Markt ist ein noch recht junger Markt: Im Jahr 2007 hatte eine supranationale Institution den ersten Green Bond begeben. Drei Jahre später folgten größere Einzelvolumina von ebenfalls supranationalen Institutionen und Entwicklungsbanken wie Weltbank, Europäische Investitionsbank (EIB) oder Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Weitere drei Jahre später gingen die erste Unternehmen mit „grünen“ Anleihen an den Markt. Mit einem kumulierten Anleihevolumen von rund 12,9 Milliarden Euro (weltweit) stellen die Firmen inzwischen die zweitgrößte Gruppe an Emittenten. Zu ihnen gehören vornehmlich Energieerzeuger, Versorgungs- und Entsorgungsunternehmen. Absolut gesehen sind die Unternehmen als Emittenten aber eher noch die Ausnahme. Im Frühsommer waren einige Marktbeobachter noch davon ausgegangen, dass chinesische Corporate-Emittenten das Volumen nach oben treiben würden.

Das gesamte weltweite Marktvolumen an Green Bonds beträgt Capmarcon zufolge – je nach Abgrenzung – zwischen 80 und 100 Milliarden Euro. Das Gesamtvolumen des auf Euro lautenden Green-Bond-Marktes lag demnach zur Mitte dieses Jahres bei rund 36 Milliarden Euro und ist damit nahezu gleich groß wie der auf US-Dollar lautende Green-Bond-Markt.

Paulus[at]derTreasurer.de

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