Banken, Kanzleien, LMA und VDT an Arbeitsgruppe beteiligt

16.04.18 09:03

Musterdokumentation für Schuldschein in Planung

Von Sabine Paulus

Eine Arbeitsgruppe rund um die Loan Market Association möchte eine standardisierte Schuldscheindokumentation auf den Markt bringen. Insbesondere internationale Schuldscheinemittenten und -investoren sollen davon profitieren.

Treasurer müssen für die Emission eines Schuldscheins keine Papierstapel durcharbeiten. Denn die Dokumentation ist schon jetzt sehr schlank.

Casanowe/iStock/Thinkstock/Getty Images

Treasurer müssen für die Emission eines Schuldscheins keine Papierstapel durcharbeiten. Denn die Dokumentation ist schon jetzt sehr schlank.

Die europäische Loan Market Association (LMA) hat zusammen mit Kanzleien wie Linklaters, Banken wie der BayernLB und dem Verband Deutscher Treasurer (VDT) eine Arbeitsgruppe gegründet, um die Schuldscheindokumentation zu standardisieren.

„Wir haben einige Bestandteile der Dokumentation wie die Increased-Costs- und die Cross-Accelaration-Klausel (Drittfälligkeitsklausel) sowie steuerliche Aspekte wie die Quellensteuer betreffende Gross-up-Klausel aufgegriffen und eine Art Musterdokumentation formuliert“, erklärt Paul Kuhn, Head of DCM Origination Corporates bei der BayernLB und Mitglied der Arbeitsgruppe. Diese Vorlage basiert auf deutschem Recht und ist in deutscher Sprache formuliert. Hinzu kommt ein Nutzerhandbuch.

Musterdokumentation und Nutzerhandbuch liegen Kuhn zufolge schon im Entwurf vor und sind gerade an weitere Banken und Kanzleien zur Kommentierung verschickt worden. Eine finale Version von beidem soll bis zum Frühsommer vorliegen.

Schuldschein: Immer mehr internationale Emittenten aktiv

Mit den neuen Standards will die Arbeitsgruppe vor allem internationalen Schuldscheinemittenten und -investoren den Marktzugang erleichtern. „Die Internationalisierung des Schuldscheins ist unaufhaltsam“, ist Kuhn überzeugt. Verpflichtend sei die Musterdokumentation aber nicht. „Der Schuldschein lebt davon, dass er flexibel gestaltbar ist“, sagt der Banker.

Im vergangenen Jahr haben dem Nachrichtendienstleister Bloomberg zufolge 56 ausländische Emittenten den traditionell deutschen Schuldscheinmarkt angezapft. Ihr Anteil am gesamten Emissionsvolumen lag der DZ Bank zufolge bei rund einem Drittel.

„Insbesondere Gesellschaften aus Österreich sowie der Schweiz sind wie bereits in den Vorjahren weiterhin spürbar am Schuldscheindarlehensmarkt aktiv“, schreibt das genossenschaftliche Kreditinstitut in einer Research-Publikation. Insbesondere Emittenten aus den deutschen Nachbarländern wissen die Charakteristika eines Schuldscheins zu schätzen. Im vergangenen Jahr waren demnach erstmals auch Schuldscheinemittenten aus der Tschechischen Republik und Ungarn am Markt aktiv.

Paulus[at]derTreasurer.de

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