Nach wochenlangen Verhandlungen meldet Senvion Insolvenz an.

Senvion

10.04.19
Finanzen & Bilanzen

Nach gescheiterter Kapitalsuche: Senvion beantragt Insolvenz

Bei wochenlangen Verhandlungen mit den Gläubigern des angeschlagenen Hamburger Windkonzerns kam es zu keinem Ergebnis. BayernLB, Commerzbank und Deutsche Bank müssen nun um ihre Kredite fürchten.

Die beiden deutschen Hauptgesellschaften Senvion GmbH und Senvion Deutschland GmbH sind insolvent. Das gab der Windturbinenhersteller über eine Ad-hoc-Mitteilung am Dienstagnachmittag bekannt. Der Hamburger Konzern beantragte ein Verfahren in Eigenverwaltung, nachdem wochenlange Verhandlungen mit Geldgebern kein Ergebnis brachten.

Dass es so weit kommen könnte, deutete sich in den vergangenen Wochen an, wie auch DerTreasurer in seinem E-Magazin berichtet. Ein schwieriges Branchenumfeld, Managementfehler und eine zu starke Konzentration auf den deutschen Markt haben die Hamburger in die Bredouille gebracht. Berater haben bis zuletzt mit Hochdruck an einem Sanierungskonzept für Senvion gearbeitet. Geschäftszahlen für 2018 liegen bislang noch nicht vor (Umsatz 2017: 1,89 Milliarden Euro).

Anleihegläubiger fürchten um ihr Geld

Insbesondere die Gläubiger der nachrangigen Anleihe über 400 Millionen Euro fürchten um ihr Geld. Der Anleihekurs notiert derzeit bei 24 Prozent. Im Falle einer Insolvenz würden die Bondholder nichts mehr von ihrem Geld sehen, vermuten Beobachter. Nach einem Bericht der FAZ sollen sich die Hedgefonds Anchorage und Davidson Kempner in die Anleihe eingekauft haben, die auf krisenfälle spezialisiert sind.

Aber auch für die Banken steht viel auf dem Spiel.  Noch 2017 hatte Treasury-Chefin Susanne Ochernal eine damals bereits bestehende revolvierende Kredit- und Avalkreditlinie über insgesamt 950 Millionen Euro neu verhandelt und angepasst. Insbesondere die Avallinien würden zum Problem für die Geldhäuser, heißt es in Finanzkreisen. Denn aus den Eventualverbindlichkeiten könnten reale Verluste entstehen. Ein Verkauf von Senvion-Krediten an NPL-Investoren hat dem Vernehmen nach aber noch nicht stattgefunden. Betroffen sind unter anderem die BayernLB, die Commerzbank, die Deutsche Bank, BNP Paribas und die Royal Royal Bank of Canada.

Kapitalerhöhung von Senvion durch Centerbridge verpuffte

Die Situation war bis zuletzt deshalb so ungewiss, weil der Windanlagenbauer so viel Geld verbrennt. Noch im August 2018 platzierte Senvion eine Kapitalerhöhung über 62,5 Millionen Euro, die vom Hauptaktionär Centerbridge (71 Prozent) und weiteren Investoren gezeichnet wurde. Offenbar ist dieses Kapital wieder aufgebraucht. Kenner des Unternehmens glaubten, weitere 100 Millionen Euro an „Fresh Money“ seien nötig gewesen.


Erfahrene Manager kümmern sich inzwischen um den schwierigen Fall. Seit Januar ist Finanzvorstand Jürgen Wiecha, zuvor Schmolz + Bickenbach und Gerresheimer, an Bord. Außerdem fungiert seit kurzem Neil Robson als Chief Restructuring Officer (CRO). Der ehemalige EY- und Arthur-Andersen-Manager war unter anderem bei den bekannten deutschen Sanierungsfällen Scholz und Apcoa als CRO aktiv.