Non-Investmentgrade-Adressen entern Schuldscheinmarkt

05.10.16 10:30

Neues Rekordjahr am Schuldscheinmarkt

Von Sabine Paulus

Die Dynamik am Schuldscheinmarkt hält an. Insbesondere Unternehmen mit schwächerer Bonität entdecken dieses Segment für sich. Doch der „Spielraum nach unten“ ist limitiert, glaubt die Unternehmensberatung Capmarcon.

Norma gehört zu den Emittenten, die schon häufiger den Schuldscheinmarkt angezapft haben. Vor einigen Wochen sammelte der Verbindungstechnikanbieter mit seinem dritten Schuldschein 150 Millionen Euro ein.

Norma Group

Norma gehört zu den Emittenten, die schon häufiger den Schuldscheinmarkt angezapft haben. Vor einigen Wochen sammelte der Verbindungstechnikanbieter mit seinem dritten Schuldschein 150 Millionen Euro ein.

Der Hype am Schuldscheinmarkt ist ungebrochen. Das bestätigt eine Auswertung der auf Unternehmensfinanzierung spezialisierten Beratungsgesellschaft Capmarcon. Demnach wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres 85 Schuldscheine mit einem Gesamtvolumen von 21,23 Milliarden Euro platziert. Das seien etwa 70 Prozent mehr als die Emissionen des entsprechenden Vorjahreszeitraums mit 12,51 Milliarden Euro. 

Damit knackt der Markt nach drei Quartalen bereits den Rekordwert von 2015, der im Gesamtjahr bei 18,65 Milliarden Euro lag. Auch das Durchschnittsvolumen je Emission habe sich von 155 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro erhöht. Emissionsgrößen zwischen 200 Millionen Euro und 500 Millionen Euro seien am häufigsten gewesen, so die Beratung.

Das Marktumfeld ist derzeit günstig. Dazu kommt, dass bei vielen Unternehmen der Finanzierungsbedarf für M&A-Aktivitäten steigt. Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat beispielsweise zu Beginn dieses Jahres einen sechsjährigen Schuldschein über 625 Millionen Euro platziert, um damit einen Teil der Brückenfinanzierung für die Übernahme des italienischen Konkurrenten Italcementi abzulösen.

Steigende Zahl an Debütemittenten am Schuldscheinmarkt

Viele der Emittenten sind dabei schon früher am Schuldscheinmarkt aktiv gewesen. Die Norma Group aus Maintal hat beispielsweise vor einigen Wochen ihren dritten Schulschein platziert. Aber auch die Zahl an Debütemittenten steigt. Nicht nur namhafte Unternehmen wie der Kasseler Kali- und Salzproduzent K+S, der Anfang Mai mit seinem ersten Schuldschein 600 Millionen Euro einsammelte, feiern ihre Premiere. Zunehmend wagen sich auch kleinere Unternehmen mit Debütemissionen vor.

Insgesamt 49 der 85 Emissionen (58%) in den ersten neun Monaten dieses Jahres waren Debütemissionen. Ihr Gesamtvolumen belief sich auf 10,4 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es deutlich weniger: Lediglich 39 der 80 Emissionen (49%) waren damals Erstemissionen. Das Gesamtvolumen betrug 4,71 Milliarden Euro.

Dabei ist auffallend, dass sich besonders bei den Erstemittenten „eine Tendenz zu schwächerer Bonität zeigt“, schreibt Capmarcon. Das Rating der 49 Debütemittenten „erreichte im Durchschnitt BB+.“

Non-Investmentgrade-Adressen platzieren verstärkt Schuldschein

Betrachtet man den Schuldscheinmarkt insgesamt, so „sank die durchschnittliche Bonität der Emittenten im Jahresverlauf 2016 bis zum Ende des dritten Quartals auf das Rating BB+“, berichtet Capmarcon. Auf Emittenten mit einem Non-Investmentgrade-Rating entfielen demnach etwa 62 Prozent der Emissionen. Dabei sei zu beachten, dass die Beurteilung dieser Bonitäten nach den strengen Kriterien der Ratingagenturen Fitch, Moody's und Standard & Poor's erfolgt sei, betont die Unternehmensberatung. Bankeninterne Ratings können anders ausfallen. Zudem haben die Unternehmen mit Investmentgrade deutlich mehr Volumen platziert als die Unternehmen mit schlechterer Bonität. 

Früher galt der Schuldschein als ein Instrument für Investmentgrade-Unternehmen. Einige Marktexperten betrachten die aktuelle Entwicklung deshalb mit Sorge. So warnte beispielsweise die Ratingagentur Scope schon zu Beginn dieses Jahres vor einem Qualitätsverlust des Segments, da sich immer mehr kleine, bonitätsschwache Unternehmen über einen Schuldschein finanzieren. Das Risiko von Zahlungsausfällen könnte steigen, vor allem wenn sich die Konjunktur eintrübt. Auch Gerald Christoph Dorsch, Leiter Credit Rating bei Feri Eurorating, hegt Zweifel: „Einige der Debütemittenten sind nicht kapitalmarktfähig“, sagte er kürzlich in einem Interview mit FINANCE-TV.

Schuldschein: Marktwachstum schwächt sich 2017 ab

Capmarcon geht davon aus, dass auch im kommenden Jahr weitere Unternehmen aus dem Non-Investmentgrade-Bereich an den Schuldscheinmarkt kommen werden. Dabei sei der „Spielraum nach unten“ aber limitiert. Zwar habe es bereits in diesem Jahr sehr vereinzelt Unternehmen mit einem Rating von B+ gegeben, die erfolgreich einen Titel bei Investoren untergebracht hätten. Doch das würden Ausnahmen bleiben.

Bezogen auf den gesamten Schuldscheinmarkt geht die Beratung bis zum Jahresende 2016 von einem voraussichtlichen Volumen von deutlich mehr als 25 Milliarden Euro aus. Allerdings dürfte sich das Marktwachstum im kommenden Jahr auch wieder abschwächen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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