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10.02.17 10:58

Porr platziert ungeratete Hybridanleihe

Von Sabine Paulus

Porr ist in diesem Jahr ein Vorreiter am Hybridmarkt. Das österreichische Bauunternehmen hat 2017 die erste Hybridanleihe in der DACH-Region für ungeratete Emittenten begeben.

Das österreichische Bauunternehmen Porr eröffnet 2017 den Markt für Hybridanleihen für ungeratete Unternehmen.

Porr AG

Das österreichische Bauunternehmen Porr eröffnet 2017 den Markt für Hybridanleihen für ungeratete Unternehmen.

Das österreichische Bauunternehmen Porr (Umsatz 2015: 3,1 Milliarden Euro) eröffnet in diesem Jahr den Hybridmarkt in der DACH-Region für ungeratete Emittenten. Die nachrangige Anleihe hat ein Volumen von 125 Millionen Euro und läuft unbegrenzt. Das Wiener Unternehmen kann den Bond, der mit 5,5 Prozent verzinst wird, bereits nach fünf Jahren vorzeitig zurückzahlen. Nach der Emission eines Hybrids im Jahr 2014 über 25 Millionen Euro ist das nun der zweite in der Unternehmensgeschichte von Porr.

Die Emission war Unternehmensangaben zufolge deutlich überzeichnet. „Die Nachfrage nach der Anleihe lag deutlich über dem platzierten Volumen“, sagt Karl-Heinz Strauss, CEO von Porr, in einer Mitteilung. Deshalb konnten die Österreicher auch mehr aufnehmen als ursprünglich anvisiert. Denn Mitte Januar hatte das Bauunternehmen angekündigt, ein „Emissionsvolumen im höheren zweistelligen Millionen-Bereich“ anstreben zu wollen.

Dennoch gehört der Porr-Hybrid zu den kleineren Transaktionen in dieser Asset-Klasse, in der die meisten Emissionen im Benchmark-Bereich liegen. Nach fünf Jahren greift Unternehmensangaben zufolge eine Step-up-Klausel, falls Porr den Hybrid zu diesem Zeitpunkt nicht zurückbezahlen wird. Die HSBC Bank agierte als Sole Structuring Advisor und Sole Bookrunner.

Porr will mit Hybrid Zukäufe finanzieren und Eigenkapital stärken

Mit dem Emissionserlös will Porr Zukäufe finanzieren. Das Unternehmen plant eigenen Angaben zufolge, den anhaltenden Konsolidierungsprozesses der Baubranche für seine „ambitionierten Wachstumspläne“, wie Strauss es nennt, zu nutzen und zusätzliche kleinere und mittlere Unternehmenskäufe zu tätigen. Erst Mitte Januar hatte Porr die Übernahme des niedersächsischen Spezialtiefbauunternehmens Franki Grundbau (Umsatz 2015: 60 Millionen Euro) abgeschlossen.

Neben der Finanzierung von Akquisitionen will Porr sein Eigenkapital mit der Hybridanleihe stärken, ohne die Anteile der Eigentümer zu verwässern. Da die Österreicher nach IFRS bilanzieren, ist das Emissionsvolumen zu 100 Prozent als bilanzielles Eigenkapital ausweisbar. Dies ist in der Regel aber nur möglich, wenn die Anleihe speziell strukturiert wird und unter anderem dem Unternehmen die Möglichkeit bietet, den Kupon im Stressszenario ausfallen zu lassen.

Das Bauunternehmen muss zudem höhere Risikoaufschläge als geratete Emittenten in Kauf nehmen. „Im Augenblick sind die Risikoaufschläge für ungeratete Unternehmen auf Senior-Niveau je nach Laufzeit und Bonität zwischen 70 und 80 Basispunkte (Bps) teurer als bei Emittenten mit Rating und vergleichbarer Bonität“, sagt Ingo Nolden, Co-Head of Debt Capital Markets bei der HSBC. Das sei sehr weit. Üblicherweise habe der Aufschlag in der Vergangenheit zwischen 40 und 50 Bps gelegen. Grund für den höheren Aufschlag ist das Kaufprogramm der EZB, das geratete Investmentgrade-Emittenten bevorzugt.

Paulus[at]derTreasurer.de

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