Der Automobilzulieferer Progress-Werk Oberkirch hat den ersten Konsortialkredit in seiner Unternehmensgeschichte abgeschlossen.

Progress-Werk Oberkirch

15.08.16
Finanzen & Bilanzen

PWO schließt ersten Konsortialkredit ab

Der Automobilzulieferer Progress-Werk Oberkirch diversifiziert mit einem Konsortialkredit seine Finanzierungsstruktur. Damit sieht sich der Konzern für seinen Wachstumskurs gerüstet. Künftige Projekte könnten nun im hauseigenen Treasury liegen.

Es ist eine Premiere für den Automobilzulieferer Progress-Werk Oberkirch (PWO). Das im Prime Standard notierte Unternehmen hat erstmals einen Konsortialkredit über 100 Millionen Euro abgeschlossen. Der neue Kredit läuft fünf Jahre und hat noch zwei Verlängerungsoptionen. „Mit dem Konsortialkredit haben wir uns eine Finanzierung gesichert, die Planungssicherheit für die nächsten Jahre bietet“, sagt PWO-CFO Bernd Bartmann. „Damit können wir künftig neue Projekte konzernweit und flexibel zu attraktiven Fremdkapitalkosten umsetzen.“ Zu den Konditionen wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Der Finanzchef hat mit dem neuen Konsortialkredit die Finanzierungsstruktur des Unternehmen, das im vergangenen Jahr 405 Millionen Euro umsetzte, weiterentwickelt. Der Konsortialkredit fasst bestehende bilaterale Kredite zusammen. Dies hatte PWO bereits seit längerem geprüft, ist im Geschäftsbericht 2015 zu lesen. Nun war es soweit. Der Automobilzulieferer hat dabei auch die Gelegenheit genutzt, das Kreditvolumen im Vergleich zu den bilateralen Linien insgesamt zu erhöhen.

PWO: „Konsortialkredit deutlich praktischer als bilaterale Kredite“

Die Vorteile des Konsortialkredits gegenüber den bilateralen Krediten liegen auf der Hand: „Durch den Konsortialkredit konnten wir die Verträge mit unseren Banken vereinheitlichen und müssen diese nun nicht mehr mit jedem Kreditinstitut einzeln neu besprechen“, sagt eine Unternehmenssprecherin zu DerTreasurer. „Ein Konsortium ist bei unserer Unternehmensgröße deutlich praktischer.“

Hinzukommt, dass der Kreditnehmer bei einem Konsortialkredit auch noch von längeren Laufzeiten und mehr Stabilität profitiert. Das kostet aber auch. Denn im Gegensatz zu einem bilateralen Kredit fallen bei einem Konsortialkredit auch Einmalkosten an. Die Banken verlangen ein Beteiligungsentgelt, Kosten für die Dokumentationserstellung fallen ebenfalls an.

Mittelständische Unternehmen müssen zudem oft bestimmte Kreditvereinbarungsklauseln einhalten. Der Unternehmenssprecherin zufolge sind das bei PWO die „üblichen Covenants bezüglich der Bilanzqualität“. Näheres verrät sie nicht. In der Regel finden sich aber ein bis drei Financial Covenants in einem Kreditvertrag: eine Verschuldungs-, eine Schuldendienst- oder eine Eigenkapital-Kennziffer, die durch rund ein Dutzend weitere Non-Financial Covenants ergänzt werden.

Neben dem Konsortialkredit nutzt das Unternehmen noch Leasing und Factoring. 2014 hat PWO zudem erstmals einen Schuldschein über 60 Millionen Euro platziert. Das Darlehen gliedert sich in vier Tranchen mit Laufzeiten von fünf und sieben Jahre. Ein weiterer Schuldschein kam für PWO derzeit nicht in Frage: „Um uns auf der Finanzierungsseite weiter zu diversifizieren, haben wir uns gegen einen zweiten Schuldschein entschieden“, sagt die Unternehmenssprecherin.

PWO baute wegen Internationalisierung ein Treasury auf

Vier Banken stellen PWO den Debüt-Konsortialkredit zur Verfügung, zwei internationale und zwei lokale Banken. Welche Banken zu diesem Kernbankenkreis gehören, ist allerdings nicht bekannt. Mit dem neuen Konsortialkredit hat der Automobilzulieferer nun einen Rahmen für seinen Wachstumskurs. „In den nächsten drei Jahren wollen wir 100 Millionen Euro investieren, insbesondere auch in unsere Auslandsgesellschaften“, sagt die PWO-Sprecherin.

Der Konzern hat vier Auslandsgesellschaften in Kanada, Mexiko, China und der Tschechischen Republik. Sie sind Unternehmensangaben zufolge die Wachstumstreiber des Konzerns und auch der Grund, warum PWO vor zehn Jahren ein Treasury aufgebaut hat. Zwei Mitarbeiter kümmern sich insbesondere um die Konzernfinanzierung sowie das Zins- und Währungsmanagement. Einen Cash Pool mit den Auslandsgesellschaften gibt es aber noch nicht.

Nach Abschluss der neuen Finanzierungsstruktur kann sich CFO Bartmann nun auf andere Projekte konzentrieren – eines davon könnte im Treasury sein. Im Zuge der Internationalisierung wird es dort noch einiges zu tun geben.

Paulus[at]derTreasurer.de

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