Florian Schoeller, CEO der Scope-Gruppe, im Interview

29.11.16 10:22

Rating: Scope will bis zu 100 Millionen Euro einwerben

Von Desiree Backhaus

Die Berliner Ratingagentur Scope attackiert S&P, Moody’s und Fitch. Dafür will Gründer und Gruppen-CEO Florian Schoeller bis zu 100 Millionen Euro frisches Kapital einwerben.

Klaus Lange, Berlin

Florian Schoeller, Gründer und CEO der Scope-Gruppe, im Interview mit FINANCE.

Vier Dax-Ratings kann Scope inzwischen vorweisen: Nach Linde, BASF und Merck hat sich jetzt auch die Lufthansa von der Berliner Agentur raten lassen. Dabei wurde zum ersten Mal sichtbar, wie sich die Scope-Methodik von der Herangehensweise der US-Agenturen unterscheidet: Die milliardenschweren Pensionsverpflichtungen der Fluggesellschaft schätzen die Berliner auf Jahre hinaus nicht als Gefahr für die Zahlungsfähigkeit ein, was sich in einer leicht besseren Bewertung niederschlägt. Scope erteilt ein BBB- Rating mit stabilem Ausblick. Bei S&P steht zwar dieselbe Note zu Buche, allerdings mit negativen Ausblick. Moody's sieht die Airline mit Ba1 (positiver Ausblick) knapp unterhalb des Investmentgrades.

„Wir glauben, dass ein europäischer Ratingansatz notwendig ist, der Meinungsvielfalt schafft und kulturelle Unterschiede reflektiert“, sagt Scope-Gründer und Gruppen-CEO Florian Schoeller im Interview mit FINANCE, einer Schwesterpublikation von DerTreasurer. Neben den in Europa gängigen Pensionsrückstellungen gilt dies auch für hohe Liquiditätsbestände, die die US-Agenturen laut Schoeller indirekt bestrafen. Viele CFOs und Treasurer begrüßen diese neue Sichtweise auf das Kreditrisiko. Ein MDax-Unternehmen erwägt nach Informationen von DerTreasurer deshalb sogar, sein zweites externes Rating von Scope einzuholen. Bei den vier Dax-Mandaten liefert Scope jeweils nur die dritte beziehungsweise vierte Bonitätseinschätzung.

CEO Schoeller will neue Investoren für Scope gewinnen

Zudem entsteht Preisdruck auf die Wall-Street-Oligopolisten. Laut Schoeller agiert Scope „ein Stück weit“ unter den Konditionen von S&P, Moody’s und Fitch. Den Vorwurf, dass sich die Berliner mit Dumpingpreisen in den Markt einkaufen, weist der Hauptaktionär aber vehement zurück: „Wir denken, dass Scope faire Preise anbietet.“ Diese könne man auch dauerhaft durchhalten.

Größtes Manko von Scope ist jedoch die mangelnde Investorenakzeptanz. Die EZB akzeptiert die Ratings der Berliner für ihre eigenen Anleihekäufe bislang nicht. „Als junge Agentur muss Scope Geduld aufbringen, um die Voraussetzungen der EZB zu erfüllen“, sagt Schoeller. In ein bis drei Jahren dürfte es soweit sein, glaubt der CEO.

Bei institutionellen Anlegern will Scope mit einem Ausbau seiner Research-Kapazitäten punkten. Bis zu 100 Millionen Euro Eigenkapital können die Berliner dafür einwerben, verrät Schoeller gegenüber FINANCE. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlungen haben die Aktionären um Haupteigentümer Schoeller und den Ankeraktionär BMW-Erben Stefan Quandt den Weg für Kapitalerhöhungen frei gemacht.   

Backhaus[at]derTreasurer.de

Wie Schoeller das Geld einsetzen will und welche Rolle der US-Markt für Scope spielt, das lesen Sie im ausführlichen Interview mit dem Scope-Chef in der aktuellen Printausgabe von FINANCE.