Basel IV in Planung?

09.06.16 08:19

Regulierer haben ungezogene Kreditlinien im Visier

Von Desiree Backhaus

Banken sollen nicht gezogene Kreditlinien mit mehr Eigenkapital hinterlegen, fordert der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht. Banken warnen bereits vor Basel IV, auch Treasury-Chefs sollten hinschauen.

SeanPavonePhoto/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Banken warnen bereits vor Basel IV.

Basel III ist noch nicht vollständig umgesetzt, da geistert schon das nächste Regulierungsgespenst durch die Finanzwelt: In Bankerkreisen wird jetzt vor Basel IV gewarnt. Die Regulierungsbehörden verwenden diesen Terminus nicht, sie sprechen vielmehr von Anpassungen am Basel-III-Regelwerk. Aber auch diese könnten es in sich haben, für Banken und Firmenkunden. „Es ist absehbar, dass die Eigenkapitalanforderungen wohl steigen werden“, sagt Ralf Winckler, Experte für Bankenregulierung bei Roland Berger.

Worum geht es? Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht will unter anderem die Berechnung der Kreditrisiken überarbeiten. Von ihrer Höhe hängt ab, wie viel Eigenkapital die Bank bei Ausleihungen hinterlegen muss. Zum einen wollen die Regulierer den Standardansatz für die Berechnung der sogenannten risikogewichteten Aktiva (RWA) verändern. Zum anderen werden Großbanken, die bislang vor allem eigene Modelle nutzen, in bestimmten Fällen gezwungen, auf den Standardansatz auszuweichen.

Baseler Ausschuss will RWA-Modelle verändern

Eine geplante Verschärfung sollte auch Treasury-Chefs aufhorchen lassen. Sie bezieht sich auf nicht gezogene Kreditlinien, die besonders kapitalmarktorientierte Unternehmen in großem Umfang nutzen. Sie dienen als Notfallversicherung, die höchstens in absoluten Ausnahmefällen gezogen wird. Banken, die ihre RWAs im Standardansatz berechnen, müssen künftig nach den Plänen mehr Eigenkapital für Kreditzusagen hinterlegen. Der Grund: Der Kreditumrechnungsfaktor (CCF) soll steigen. Dieser gibt an, wie viel Prozent einer Zusage in der Regel vor dem Ausfall gezogen werden, und hat damit Einfluss auf die Eigenkapitalhinterlegung. Der Baseler Ausschuss schlägt Faktoren vor, die zwischen 50 bis 75 Prozent liegen. Bislang müssen Banken den CCF bei Kreditlaufzeiten unter einem Jahr mit 20 Prozent ansetzen, bei längeren Laufzeiten sind es 50 Prozent. Können sie die Linie jederzeit kündigen, sind es derzeit sogar 0 Prozent.

Warum dieser Standardansatz auch Großkonzerne interessieren sollte, deren Banken bislang eigene Risikomodelle nutzen, das lesen Sie im Aufmacher des aktuellen E-Magazins.

Backhaus[at]derTreasurer.de