Internationale Emittenten und Investoren nutzen das Instrument verstärkt

04.10.12 13:55

Schuldschein goes international

Von Markus Dentz

Für viele Mittelständler gilt der Schuldschein immer noch als beste Eintrittskarte in den erweiterten Kapitalmarkt. Besonders dann, wenn neue Gläubigergruppen erschlossen werden sollen.

Lonza hat einen Schuldschein über 170 Millionen Euro platziert.

Lonza Ltd.

Lonza hat einen Schuldschein über 170 Millionen Euro platziert.

Inzwischen ist das typisch deutsche Produkt auch international immer angesagter – sowohl für Emittenten als auch für Investoren. Konzerne wie Strabag und Voestalpine (beide Österreich) sowie Heineken (Belgien) und Lafarge (Frankreich) haben bereits zugegriffen. Ein weiteres Beispiel ist Lonza. Der Schweizer Life-Science- Konzern hat jetzt einen Schuldschein über 170 Millionen Euro platziert. Nach Angaben der HSBC, die neben der Helaba Joint Lead Arranger war, wurde er in zwei Währungen mit Laufzeiten von drei, fünf und sieben Jahren begeben. Der Dollar-Anteil lag bei 60 Prozent, der Rest in Euro. Das spannende: Lediglich ein Viertel der Summe zeichneten deutsche Anleger, drei Viertel entfielen auf ausländische Investoren. Besonders stark war der Anteil asiatischer Anleger mit 41 Prozent, 15 Prozent kamen aus der Schweiz, 11 Prozent aus Australien und 7 Prozent aus Luxemburg. „Investoren suchen nach Adressen mit guter Kreditqualität, vor allem aus dem deutsch-sprachigen Raum“, erläutert Claudia Hopstein, Leiterin Debt Financing bei der HSBC.

 

Für Lonza ist der Schuldschein Teil der Refinanzierung eines Brückenkredits, der für die Übernahme des US-Unternehmens Arch Chemicals aufgenommen wurde. Parallel zum Schuldschein platzierte der Konzern aus Basel einen Schweizer- Franken-Bond über 305 Millionen. „Für uns gaben das günstige Pricing und die schlanke Dokumentation ohne Financial Covenants den Auslöser für den Schuldschein“, sagt Günther Jakob, der seit Anfang 2008 Head of Group Treasury bei Lonza ist. In dem Kreditprüfungsprozess, der nahezu vier Wochen dauerte, spürte man die Nähe zum Kredit, so Jakob. Die Vermarktung über einen Investorentag in Frankfurt sei deutlich weniger aufwendig als eine Euro-Anleihe gewesen. „Einige Investoren sind reine Asset-Taker ohne weitergehendes Interesse an Zusatzgeschäft“, erklärt Jakob. „Wir konnten damit unsere Investorenbasis verbreitern.“ Diesem Ansatz dürften bald auch andere folgen.

Dentz[at]derTreasurer.de