Der wachsende Schuldscheinmarkt bietet auch Chancen für schwächere Emittenten.

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26.10.17
Finanzen & Bilanzen

Schuldscheindarlehen für spezielle Fälle

Auch Unternehmen mit weniger guter Bonität nutzen den Schuldscheinmarkt. Sie nutzen Schuldscheine, die etwas anders aufgebaut sind als die der klassischen Emittenten. Gerade Auslandsbanken sind an diesen Transaktionen interessiert.

Der Schuldscheinmarkt steuert in diesem Jahr auf ein neues Rekordvolumen zu. Auch wenn die große Mehrheit der Emittenten nach wie vor eine gute Bonität vorweisen kann, bietet der wachsende Markt auch Chancen für schwächere Emittenten. „Es hat sich ein Nischenmarkt für komplexere Finanzierungen entwickelt“, beobachtet Maximilian Moser, Schuldscheinexperte der Mittelstandsbank IKB. In Zeiten, in denen bei klassischen Schuldscheinen nur wenig Rendite zu holen ist, interessieren sich einige Investoren für Produkte mit mehr Risiko. „Gerade Auslandsbanken wollen über diesen Weg in den deutschen Mittelstand investieren“, erklärt Moser.

Die Rendite ergibt sich bei solchen Nischentransaktionen zum einen aus der schwächeren Bonität der Emittenten, zum anderen durch die Struktur der Darlehen. Das kann zum Beispiel so aussehen: Ein Unternehmen finanziert sich auf Holding-Ebene über einen Schuldschein, die Töchter der Gesellschaft finanzieren sich wiederum besichert. „In so einem Fall wird der Schuldschein zwar nicht nachrangig verbucht, es entsteht aber ein struktureller Nachrang, da der Schuldschein im Falle einer Insolvenz erst nach den Tochter-Finanzierungen bedient werden kann“, sagt Moser.

Höheres Risiko bei geringerer Konkurrenz

Den Investoren  sei das erhöhte Risiko bei solchen Transaktionen durchaus bewusst, betont der IKB-Experte. „Sie werden durch höhere Renditen, aber auch durch eine häufig bessere Allokation belohnt.“ Denn die Konkurrenz unter den Investoren um solche Papiere ist weitaus geringer. Nach Einschätzung Mosers sind etwa 10 Prozent aller Schuldscheininvestoren an derartigen Transaktionen interessiert. „Es ist nur für diejenigen interessant, die solche Strukturen genau durchleuchten wollen“, sagt Moser. Die IKB selbst begleitet häufig vergleichsweise kleine Schuldschein-Transaktionen. „Meist haben sie Volumina zwischen 30 und 50 Millionen Euro“, so Moser.

Neben der Struktur werde in einigen Fällen auch die Dokumentation angepasst, um der geringeren Bonität zu entsprechen. „Während am breiten Schuldscheinmarkt fast keine Financial Covenants mehr verbindlich festgelegt werden, ist das bei diesen kleineren Transaktionen meist noch der Fall“, sagt Moser.

Allerdings ist das Reißen der Kreditklauseln auch in diesen Fällen nicht immer mit einem Kündigungsrecht der Geldgeber verbunden. „Stattdessen ist heute häufig ein Margen-Step-up anzutreffen“, erklärt der IKB-Experte. In Einzelfällen könne auch im Schuldschein eine Besicherung vorgesehen sein.

Koegler[at]derTreasurer.de

Mehr über die Entwicklungen an dem Markt erfahren Sie auf unserer Themenseite zum Schuldschein.