Negative Zinsfloors erreichen jetzt auch Schuldscheine.

8vFanl/iStock

17.12.19
Finanzen & Bilanzen

Schuldscheine jetzt mit negativem Zins-Floor

Das negative Zinsumfeld erreicht auch die Schuldscheine: Investoren müssen Top-Emittenten entgegenkommen und einen negativen Zinsfloor einräumen. Die Entwicklung macht auch vor Krediten nicht halt.

Bewegung im Schuldscheinmarkt: Bei einigen Transaktionen konnten Emittenten erfolgreich den Euribor-Floor von null wegverhandeln. So haben die variablen Tranchen der Schuldscheine der Berliner Immobiliengesellschaft Gewobag laut Bloomberg einen negativen Floor von minus 15 Basispunkten. Das Volumen des Gewobag-Papiers liegt bei 650 Millionen Euro, für den Schuldschein lagen Zeichnungen von 705 Millionen Euro vor. Auch bei dem neuen Schuldscheindarlehen von Puma soll ein negativer Floor eingezogen worden sein.

„Die Investoren haben gemerkt, dass sie sich bewegen müssen.“

Paul Kuhn, BayernLB

„Die Investoren haben gemerkt, dass sie sich bewegen müssen, sonst verlieren sie am Schuldscheinmarkt interessante Adressen“, sagt Paul Kuhn, Leiter DCM Origination Corporates bei der BayernLB. Gute Karten, einen negativen (im Bankerjargon „limitierten“) Floor einzuziehen, haben Paul Kuhn zufolge insbesondere Emittenten mit sehr guter Bonität, die alternativ auch eine Anleihe begeben könnten.

Selbst bei fixen Tranchen profitieren diese Unternehmen inzwischen von den Negativzinsen: „Der negative Einstand, zum Beispiel auf Basis von Midswaps, wird bei der Berechnung von der Marge abgezogen“, sagt Kuhn.

Noch kein einheitlicher Trend bei Schuldscheinen

Einen einheitlichen Trend am Schuldscheinmarkt sehen Banker aber noch nicht: Das Spektrum reiche von Schuldscheindarlehen mit Floor – sie stellen derzeit die Mehrheit – über solche mit limitiertem Floor bis hin zu wenigen Transaktionen, bei denen auf den Floor ganz verzichtet wird. „Unternehmen machen die Entscheidung zum Zinsfloor davon abhängig, wie wichtig ihnen die Transaktionssicherheit ist“, sagt ein anderer Landesbanker.

Unternehmen, die bei variablen Tranchen auf einen Euribor-Floor ganz verzichtet haben, mussten in der Vergangenheit negative Erfahrungen sammeln: Die Nachfrage lag bei nahezu null. Ein derartiges Scheitern wäre besonders dann dramatisch, wenn das Geld fest eingeplant ist, etwa für eine Unternehmensübernahme.

Die von DerTreasurer befragten Banker gehen davon aus, dass die Frage nach dem Euribor-Floor 2020 „an Brisanz gewinnen wird“ – auch bei Konsortialkrediten. Anscheinend existieren bereits Transaktionen mit negativem Zinsfloor. Allerdings seien dies „wenige Einzelfälle“, heißt es aus Bankkreisen. Einen Vorstoß in diese Richtung hatte vor kurzem auch die Staatsbank KfW bei Förderdarlehen gemacht.

Dentz[at]derTreasurer.de

Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos unser E-Magazin und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen im Treasury auf dem Laufenden.