Otto Group

17.08.18
Finanzen & Bilanzen

Seltene Hybridanleihe von Otto

Boris Jendruschewitz und Fabian Kunick von der Otto Group erklären, warum die neue Hybridanleihe in zweierlei Hinsicht Seltenheitswert besitzt.

Die neue ungeratete Hybridanleihe der Otto Group über 300 Millionen Euro ist eine Transaktion mit Seltenheitswert. Denn es ist erst der zweite Hybrid in der Geschichte des Einzelhandelsunternehmen. 2005 hatten die Hamburger zum ersten Mal eine solche Anleihe emittiert. Damals wie heute hat sich das Familienunternehmen für dieses Instrument entschieden, da es bei einer unendlichen Laufzeit im IFRS-Konzernabschluss als Eigenkapital gewertet wird und damit die Konzernbilanz stärkt.

„Unter den IFRS-Regeln zur Pensionsbewertung , die vor ein paar Jahren in Kraft getreten sind, wirken sich Schwankungen im Zinsniveau unmittelbar in der Bilanz aus“, sagt Boris Jendruschewitz, Direktor Konzern-Finanzen bei der Otto Group. Das führe dazu, dass die Höhe der Pensionsverbindlichkeiten in der IFRS-Bilanzierung und der Bilanzierung nach HGB um mehrere 100 Millionen Euro auseinander liege, was sich auch auf die Eigenkapitalquote auswirke. „Mit dem Hybrid wollten wir den Ausweis des Eigenkapitals in unserer IFRS-Bilanzierung verbessern“, sagt Jendruschewitz weiter.

Und die Auswirkung ist sichtbar: Die Eigenkapitalquote lag dem Geschäftsbericht 2017/2018 zufolge Ende Februar bei knapp über 19 Prozent. „Unter Berücksichtigung der Hybrid-Emission liegt die Zahl pro forma jetzt bei rund 23 Prozent“, sagt Fabian Kunick, der die Transaktion im Team Konzernfinanzen federführend gestaltet hat. Das Aufpolstern der Eigenkapitalquote  ist dem Handelskonzern auch monetär etwas wert. Denn aufgrund der nachrangigen Struktur der Anleihe zahlt Otto seinen Gläubigern mit 4 Prozent einen höheren Kupon als bei ihren klassischen Anleihen.

Kupon der Hybridanleihe von Otto steuerlich anrechenbar

Im Gegensatz zu diesen Senior Bonds läuft die neue Hybridanleihe der Hamburger formal unendlich. Das Familienunternehmen kann sie aber nach sieben Jahren zurückzahlen. Zwar äußert sich Jendruschewitz nicht konkret zu den Plänen, er sagt aber: „Am Kapitalmarkt wird davon ausgegangen, dass wir den Hybrid kündigen.“

Der Grund: Steigen die Zinsen wie erwartet,  würden im Gegenzug die Pensionsverbindlichkeiten sinken. Damit hätte Otto nur temporär einen Bedarf an zusätzlichem Eigenkapital. Außerdem würde sich nach sieben Jahren der Kupon deutlich erhöhen. „Mit dieser Anreizstruktur wollen wir ganz bewusst ein Signal an den Kapitalmarkt senden“, sagt Kunick.

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Neben der Anrechnung als Eigenkapital unter IFRS bietet der Hybrid aber noch einen weiteren Vorteil: Die Zinszahlungen sind steuerlich abzugsfähig. „Bei unserer ersten Hybridanleihe 2005 war dies in Deutschland nicht möglich“, sagt Jendruschewitz. „Aber seit Ende vergangenen Jahres gibt es eine Musteremission der Baywa. Wir begrüßen es, dass es jetzt eine klare Positionierung der Finanzverwaltung gibt.“ Der Agrarhändler Baywa hatte im Oktober 2017 einen ungerateten Hybrid  mit einem Volumen von 300 Millionen Euro und einer unbegrenzten Laufzeit begeben, bei dem der Kupon ebenfalls steuerlich anrechenbar ist.

Erfahrene Privatanleger konnten Ottos Hybrid zeichnen

Doch nicht nur aus Unternehmenssicht, sondern auch im Hinblick auf den gesamten Hybridmarkt hat der neue Bond der Otto Group Seltenheitscharakter. Unternehmensangaben zufolge handelt es sich bei dem Papier um den ersten Hybrid seit Januar dieses Jahres, der in einer 1.000-Stückelung vermarktet worden ist und damit auch von erfahrenen Privatanlegern gezeichnet werden konnte.

Einige Unternehmen haben dagegen von der Vermarktung an Privatinvestoren Abstand genommen , da die beiden seit Anfang dieses Jahres geltenden Regularien, die Finanzmarktregulierung Mifid II  und die Richtlinie für alle verpackten Anlageprodukte Priips, solche Emissionen komplexer gemacht habe.

„In der Vergangenheit haben viele Privatanleger unsere Senior-Anleihen gezeichnet“, sagt Jendruschewitz. „Deshalb haben wir uns entschieden, den zusätzlichen Dokumentationsaufwand auf uns zu nehmen.“

Neu ist dagegen, dass auch viele Investoren aus dem europäischen Ausland zugeschlagen haben. „Bei unseren ersten Emissionen hatten wir fast ausschließlich deutsche Investoren im Orderbuch“, sagt Jendruschewitz. Seitdem ist ihm zufolge der Anteil ausländischer Investoren stetig gestiegen. „Bei unserem aktuellen Hybrid stammen zwei Drittel der Investoren aus Deutschland und Österreich“, sagt der Direktor Konzern-Finanzen. Ein weiteres Drittel kommt aus dem europäischen Ausland. „Das ist ein gesunder Mix für uns.“

Paulus[at]derTreasurer.de

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