Kohlenstoffspezialist sammelt 167 Millionen Euro ein

18.09.15 10:00

SGL Carbon platziert eine Wandelanleihe

SGL Carbon treibt die Refinanzierung weiter voran. Jetzt hat das Unternehmen eine neue Wandelanleihe begeben.

SGL Carbon

Der SGL-Carbon-Standort in Banting, Malaysia

SGL Carbon hat eine neue Wandelanleihe platziert. Damit hat sich der Wiesbadener S-Dax-Konzern, der sich mitten in einer tiefgreifenden Restrukturierung befindet, Luft verschafft. Das Unternehmen hatte 2009 eine Wandelanleihe begeben, die im Juli 2016 fällig wird. Bisher war zu erwarten, dass SGL Carbon diesen Bond aus den liquiden Mitteln zurückzahlt, die dadurch deutlich gesunken wären. Sie lagen Ende des ersten Halbjahres 2015 bei 239 Millionen Euro. Das ausstehende Volumen der Anleihe beläuft sich auf 134,7 Millionen Euro.

Mit der neuen Wandelanleihe können die Wiesbadener das ausstehende Volumen locker refinanzieren. Der Bond hat ein Volumen von 167 Millionen Euro und läuft bis 2020. Der Kupon liegt bei 3,5 Prozent, der Wandlungspreis liegt mit rund 18,65 Euro etwa 30 Prozent über dem Referenzpreis. Anleger können den Bond in bis zu 9 Millionen Aktien wandeln, was etwa 10 Prozent des ausstehenden Volumens entspricht. Allerdings behält sich SGL Carbon auch das Recht vor, die Anleihen nach Ende September 2018 zurückzuzahlen, falls der Aktienkurs 130 Prozent des Nennwerts der Wandelanleihen in einer bestimmten Periode übersteigt.

Ankeraktionäre zeichnen Wandelanleihe von SGL Carbon

Die Ankeraktionäre stützen SGL und verhindern gleichzeitig, dass die eigenen Anteile bei einer möglichen Wandlung stark verwässert werden. Susanne Klatten, der BMW-Konzern und VW haben bis zu 55 Prozent der Anleihe gezeichnet, was in etwa ihrer Beteiligung am Unternehmen entspricht. Damit stärken die Ankerinvestoren dem Management nicht nur finanziell den Rücken, sondern sie setzen auch ein positives Zeichen für die Restrukturierung des Wiesbadener Unternehmens.

Dem Konzern stehen einige Veränderungen bevor: SGL Carbon will zum Beispiel das Graphitelektrodengeschäft, die sogenannte Performance-Products-Sparte, bis Ende 2016 verselbständigen. Der Bereich hatte in letzter Zeit rückläufige Umsätze zu verzeichnen. Außerdem will der Finanzchef Michael Majerus die Verschuldung deutlich senken und die Eigenkapitalquote steigern.

Das Unternehmen will sich stärker auf die Zukunftsfelder Graphit-Spezialanwendungen und Carbonfasern fokussieren. Die Autokonzerne sind besonders an den Entwicklungen der Carbonfaser interessiert – der Bereich ist allerdings noch nicht sehr profitabel. Einen Zinsvorteil kann das Unternehmen durch die Refinanzierung allerdings nicht verbuchen: Auch der alte Bond wurde mit 3,5 Prozent verzinst.  

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