Der Möbelkonzern Steinhoff, der 2015 einen Schuldschein platziert hat, befindet sich derzeit in Schwierigkeiten.

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25.07.18
Finanzen & Bilanzen

Sind Schuldscheine die nächsten Mittelstandsanleihen?

Mahnende Stimmen ziehen schon Parallelen zwischen Schuldscheinen und den berüchtigten Mittelstandsanleihen. Kommt bald eine Marktkorrektur?

Im Schuldscheinmarkt sorgen gerade die Digitalisierungsoffensiven diverser Banken und Fintechs für Furore. Daneben sind aber auch mahnende Stimmen zu hören, die Parallelen zur Entwicklung der Mittelstandsanleihen sehen. „Wir beobachten den Schuldscheinmarkt schon länger“, sagt Mark Hoffmann, der als Portfolio Manager bei Robus Capital in diese Anlageklasse investiert.

Besonders kritisch sieht Hoffmann die Emissionen von Kleinstunternehmen, die kein Investmentgrade-Rating vorweisen können – früher war eine erstklassige Bonität eine Grundvoraussetzung für die Platzierung. Auch die häufig genutzten Ratings der Landesbanken seien wegen ihrer Rückwärtsgewandtheit nur bedingt aussagekräftig. Ratingagenturen wie Moody's und Scope weisen deshalb auf die steigenden Risiken hin.

„Der Markt ist komplett verzerrt“, munkeln Beobachter. Nur „dummes Geld“ suche dort noch nach Anlage. Vor allem mangele es bei den Investoren oft an einer hochwertigen Kreditanalyse. Ausfälle sind, anders als bei der Mittelstandsanleihe, im Schuldscheinmarkt kaum transparent. „Krisenfälle gibt es in dem Segment schon. Sie sind aber nicht publik und werden nicht an die große Glocke gehängt“, meint Hoffmann.

Experte: Investoren trennen sich vermehrt von Schuldscheinen

Bisher haben sich Investoren offenbar selten von Schuldscheinen getrennt. Das ändere sich gerade, meint Hoffmann. Die Papiere von börsennotierten Gesellschaften, die wie Gerry Weber, Nordex, Schaltbau oder QSC gerade schlechte Schlagzeilen produzieren, seien auf den Markt gekommen. Robus investiert derzeit nicht in neue Papiere: „Wir warten auf eine Marktkorrektur, dann erst werden wir wieder bei Erstemissionen oder auf dem Sekundärmarkt mitmachen.“

Ausfälle am Schuldscheinmarkt würden deutlich schwerer wiegen als bei den „Mini-Bonds“. Zum einen ist die Zahl der Schuldscheinemittenten mit 500 etwa viermal so hoch wie bei den Mittelstandsanleihen (ca. 120 Emittenten). Zum anderen kann bei Schuldscheinen im Gegensatz zu den Mini-Bonds nicht das Schuldverschreibungsgesetz von 2009 herangezogen werden, um sich mit den Gläubigern zu einigen. „Die Restrukturierung wird sehr heikel sein “, sagt Hoffmann.

Robus sieht in der hohen Anzahl bevorstehender Fälligkeiten einen möglichen Katalysator für Schuldschein-Restrukturierungen. Sogar Mittelständler mit robusteren Geschäftsmodellen und Bilanzen könnten im Umfeld steigender Zinsen und einer nachlassenden wirtschaftlichen Entwicklung teilweise Probleme bekommen.

Dentz[at]derTreasurer.de

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