Die Öl- und Gasindustrie in den USA leidet. Das lässt sich an den vielen Zahlungsausfällen in diesem Jahr ablesen, die Standard & Poor's ausgewertet hat.

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27.07.16
Finanzen & Bilanzen

S&P: Zahlungsausfälle nehmen zu

Weltweit nehmen die Zahlungsausfälle deutlich zu. Besonders die USA sind davon betroffen. In Europa zeigt sich ein anderes Bild, doch der steigenden Volatilität kann sich auch dieser Markt nicht entziehen.

Die Zahl der Unternehmen und Banken, die ihre Zahlungen nicht mehr leisten können, hat im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich zugenommen. Die Ratingagentur Standard & Poor‘s hat im Rahmen einer weltweiten Analyse bei 96 Unternehmen in diesem Jahr einen Default oder Selective Default festgestellt.

Die Hauptgründe dafür waren verpasste Tilgungs- und Zinszahlungen sowie Distressed Exchanges, bei denen die finanzielle Verpflichtung der Schuldner gegenüber ihren Gläubigern verringert wurde. Die Zahl der Ausfälle liegt damit mehr als 50 Prozent über dem Wert des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Übertroffen wird diese Ausfallrate nur noch vom Höchstwert während der Finanzkrise. In der ersten Hälfte des Jahres 2009 lag die Zahl bei 174.

S&P: Mehrheit der Zahlungsausfälle im Öl- und Gassektor

Die USA sind besonders betroffen: 64 der insgesamt 96 ausgefallenen Unternehmen stammen von dort. Ein großer Teil davon entfällt auf Schuldner aus dem Öl- und Gassektor, aus dem allein vergangene Woche vier US-Unternehmen in den Default rutschten. S&P sieht weiterhin wenig Entspannung in dem Marktsegment und rechnet damit, dass die Ausfallrate unter den Unternehmen mit spekulativem Rating, also ohne Investmentgrade, in den USA von 3,8 Prozent im März 2016 im Laufe eines Jahres auf 5,3 Prozent steigen wird. Noch habe es wenig Ansteckung von anderen Sektoren gegeben, aber auch das schließt S&P zukünftig nicht aus.

In Europa sieht die Lage deutlich entspannter aus. In diesem Jahr gab es laut S&P nur in sechs Fällen Zahlungsausfälle. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es sogar zwölf. Dennoch erwartet S&P einen leichten Anstieg der Ausfallrate von Unternehmen und Finanzinstituten von 2,1 Prozent im Vorjahr auf 2,4 Prozent zum Ende 2016. Doch die Default-Rate läge damit immer noch unter dem Durchschnitt seit 2003 von 3,4 Prozent.

Lage in Europa trübt sich ein

Ein Grund für die geringen Ausfallraten ist die extrem expansive Geldpolitik der EZB, die Finanzierungskosten durch ihr QE-Programm weiterhin günstig hält. Europäische Unternehmen werden sich der steigenden Volatilität, den sinkenden Rohstoffpreisen und dem sich abschwächenden globalen Wirtschaftswachstum dennoch nicht entziehen können. Deshalb erwartet S&P, dass die Zeiten sehr niedriger Ausfallraten nicht mehr allzu lange anhalten könnten.

koegler[at]derTreasurer.de

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