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25.10.18
Finanzen & Bilanzen

Trade Finance: Blockchain-Plattform Voltron steigt ins Rennen ein

Mit Voltron startet die nächste Blockchain-Plattform für Handelsfinanzierungen. Einige der Gründungsbanken wie HSBC und ING setzen daneben auf verschiedene andere digitale Plattformen. Eine Fragmentierung des neu entstehenden Marktes droht.

Eine weitere Trade-Finance-Plattform auf Blockchain-Basis geht an den Start. Acht Banken haben nun damit begonnen, gemeinsam mit dem Softwareunternehmen R3 die Blockchain-Plattform Voltron zu vermarkten. Die Plattform stünde nun allen Firmenkunden der beteiligten Banken zur Verfügung, teilte die HSBC als eine der acht Gründungsbanken von Voltron mit. Neben der britischen Großbank gehören noch die Bangkok Bank, die BNP Paribas, CTBC Holding, die ING, NatWest, SEB und Standard Chartered zu den Gründungsbanken der neuen Blockchain-Plattform.

Voltron soll „alle Aspekte der Handelsfinanzierung“ digitalisieren, heißt es weiter. Das bedeutet, Akkreditive können ausgestellt und Dokumente in einer offenen Netzwerkumgebung ausgetauscht werden – alles auf Basis der dezentralen Blockchain-Datenbank. Auch Handelsdokumente, die in externen Netzwerken von den Lieferkettenpartnern eines Unternehmens erstellt wurden, könnten in Voltron digital gesendet, verifiziert und verarbeitet werden, heißt es weiter.

Cargill Pilotkunde der Blockchain-Plattform Voltron

Dass Voltron funktionsfähig ist, hat bereits eine erste Testtransaktion im Mai dieses Jahres gezeigt: Der US-amerikanische Lebensmittelkonzern Cargill hatte damals gemeinsam mit der HSBC und der ING ein Handelsgeschäft abgewickelt. Dabei wurden Sojabohnen von Argentinien nach Malaysia verschifft.

„Nach der ersten Blockchain-Transaktion war die Resonanz enorm, deshalb arbeiten wir bereits für weitere Kunden an der Digitalisierung ihrer Handelstransaktionen“, sagt Vinay Mendonca, Global Head of Product and Propositions, Trade and Receivables Finance bei HSBC. Auch das Softwareunternehmen R3 bestätigt in einer separaten Pressemitteilung, man sei mit mehreren Unternehmen im Gespräch und kündigt weitere Transaktionen mit Firmenkunden für das kommenden Jahr an.

Digitale Lösungen beschleunigen Handelsabwicklung

Welchen Mehrwert mit solch einer Plattform zu erzielen ist, hat die Pilottransaktion von Cargill bereits gezeigt. Durch die Abwicklung der Transaktion auf Basis der Blockchain-Plattform konnten die beteiligten Parteien den Abwicklungszeitraum von den üblichen fünf bis zehn Tagen auf 24 Stunden reduzieren.

Allerdings sind diese kürzeren Abwicklungszeiträume auch mit anderen digitalen Lösungen zu erreichen – auch ohne Blockchain-Basis. So geht beispielsweise die Commerzbank, die ausgewählte Compliance-Vorabprüfungen bei der Abwicklung von Handelsfinanzierungsgeschäften bis 2020 automatisieren  möchte, ebenfalls davon aus, dass nach Abschluss aller Stufen des Projekts die Prüfung der bislang papierhaften Akkreditiv-Dokumente durch die Automatisierung auf wenige Stunden reduziert werden kann. Dafür kooperiert sie seit kurzem mit dem Fintech Conpend.

Fragmentierung des Trade-Finance-Marktes droht

Die verschiedenen Initiativen zeigen, welches Potential in den digitalen Lösungen für Handelsfinanzierungen steckt. Eine Studie der Beratung Bain & Company und HSBC untermauert das noch mit konkreten Zahlen: Durch die effizientere Abwicklung von Handelstransaktionen könnte der weltweite Handel bis 2026 um 1,1 Billionen US-Dollar auf 17,1 Billionen US-Dollar ansteigen, ist ein Ergebnis der Studie.

Die Studie geht davon aus, dass Handelsfinanzierungen durch Blockchain besonders in Regionen wie Süd-Ostasien, Afrika und Lateinamerika schnell an Bedeutung gewinnen werden. Dabei wird laut Bain & Company allerdings die Herausforderung darin bestehen, die Bildung von „digitalen Inseln“ durch Plattformen zu vermeiden, die zu einer Fragmentierung des Marktes führen könnten.

Diese Gefahr besteht tatsächlich. Es gibt mehrere Blockchain-Plattformen für die Handelsfinanzierung, beispielsweise Marco Polo, Batavia und We.Trade. Die Studie von Bain und HSBC erwähnt noch drei weitere Blockchain-Plattformen, die entweder auf bestimmte Regionen oder Branchen fokussiert sind: die auf Indien konzentrierte Plattform Financle Trade Connect (u.a. Axis Bank, ICICI Bank, IndusInd Bank, Kotak Mahindra), die auf den Agrarhandel spezialisierte Plattform Easy Trade Connect (Société Générale, ING, ABN-Amro) und die Hong Kong Trade Finance Platform (u.a. mit ANZ, Bank of East Asia, Bank of China, HSBC, Standard Chartered), die wie der Name schon vermuten lässt, auf Hongkong fokussiert ist.

Eine erste Konsolidierung unter den Blockchain-Plattformen scheint sich bereits anzudeuten: Vor wenigen Wochen waren mit der spanischen Caixa Bank, der österreichischen Erste Group und der Schweizer Großbank UBS gleich drei Banken von der Trade-Finance-Plattform Batavia zu We.trade übergelaufen. Auch die Commerzbank, die bislang bei Batavia und Marco Polo engagiert war, will eigenen Angaben zufolge ihre Aktivitäten auf ihre Arbeit im Marco-Polo-Konsortium konzentrieren.

Einige Banken setzen auf mehr als eine Plattform

Noch nicht sehr viele Banken fokussieren sich ausschließlich auf eine einzige Plattform. So ist beispielsweise die HSBC neben Voltron auch bei den beiden Blockchain-Plattformen We.Trade und Hong Kong Trade Finance Platform mit an Bord. Einer der Gründe, warum die britische Großbank bei mehreren Blockchain-Plattformen engagiert ist, mag sein, dass die Plattformen unterschiedliche Distributed-Ledger-Technologien benutzen.

Voltron basiert auf der Distributed-Ledger-Technologie Corda von R3. We.Trade und die Hong Kong Trade Finance Platform fußen hingegen auf der Blockchain-Technologie Hyperledger Fabric 1.0. unter anderem von IBM. Auch bei der neue Initiative zur digitalen Handelsfinanzierung, dem sogenannten Trade Information Network, ist die HSBC mit dabei.

Neben der HSBC wollen auch andere Banken in Sachen digitaler Handelsfinanzierung nicht nur auf ein „Pferd“ setzen. So sind beispielsweise die vier Banken BNP Paribas, ING, SEB und Standard Chartered neben der jetzt gestarteten Plattform Voltron auch bei Marco Polo engagiert. Marco Polo basiert wie Voltron auf der Distributed-Ledger-Technologie Corda von R3. Bisher ist noch nicht absehbar, welche digitale Plattform – egal ob mit oder ohne Blockchain – sich durchsetzen wird. Das Rennen dürfte spannend bleiben.

Paulus[at]derTreasurer.de

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