Wettbewerb im Trade Finance steigt

22.02.18 10:01

Trade Finance: Großbanken testen neue Blockchain-Plattform

Von Sabine Paulus

Eine weitere Trade-Finance-Lösung auf Basis der Blockchain-Technologie: Großbanken wie BNP Paribas, Commerzbank und ING haben gemeinsam mit Technologiespezialisten eine Plattform namens Marco Polo erprobt. Dabei handelt es sich schon um die dritte Blockchain-Plattform dieser Art.

Mit Marco Polo soll bald eine weitere Trade-Finance-Lösung auf Basis einer Blockchain an den Start gehen.

Hamburg Süd

Mit Marco Polo soll bald eine weitere Trade-Finance-Lösung auf Basis einer Blockchain an den Start gehen.

Die beiden Blockchain-Plattform für Handelsfinanzierungen we.trade und Batavia bekommen neue Konkurrenz. Eine Gruppe von Banken hat zusammen mit dem Technologiespezialisten TradeIX und dem Fintech R3 eine Trade-Finance-Lösung auf Basis der Blockchain getestet.

Unter dem Namen „Marco Polo“ haben die verschiedenen Parteien eine Lösung für Post-Shipment-Handelsfinanzierungen entwickelt, die eine „durchgehende, nahtlose Echtzeit-Konnektivität zwischen den Handelsteilnehmern ermöglicht“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von TradeIX und R3. Die neue Lösung fokussiere sich zunächst auf drei Bereiche der Handelsfinanzierung: die Risikoabsicherung durch die Bereitstellung von Zahlungsverpflichtungen auf Grundlage des Abgleichs von Handelsdaten sowie die Finanzierung von Verbindlichkeiten und Forderungen.

BNP Paribas, die Commerzbank und die ING hatten die Initiative Marco Polo im vergangenen September ins Leben gerufen. Mit Standard Chartered, DNB, SEB und der OP Financial Group haben sich im vergangenen halben Jahr weitere Banken und Finanzdienstleister der Initiative angeschlossen. In den kommenden Monaten sollen neue Partner zu den derzeit 21 Banken stoßen. „Ziel ist es, die Initiative dieses Jahr auf weitere Banken und externe Serviceanbieter wie Kreditversicherer und ERP- und Logistikanbieter auszuweiten“, heißt es seitens TradeIX und R3.

Banken forcieren Trade-Finance-Lösungen via Blockchain

Mit Marco Polo formiert sich eine dritte Blockchain-Plattform für Handelsfinanzierungen. Vor rund einem Jahr hatten mit der Deutschen Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit sieben Banken mit we.trade eine weitere Blockchain-Trade-Finance-Lösung initiiert, um inländische und grenzüberschreitende Handelsfinanzierungen für europäische Unternehmen zu erleichtern. Mit Santander und Nordea gehören inzwischen zwei weitere Banken der Plattform we.trade an.

Einige Monate zuvor hatten bereits die Schweizer Bank UBS und IBM die Blockchain-Trade-Finance-Lösung Batavia ins Leben gerufen. Im Herbst vergangenen Jahres schlossen sich vier Banken  – Commerzbank, die österreichische Erste Group, die spanische Caixa Bank sowie die kanadische Bank of Montreal – dieser Initiative an, die der Finanzierung von Handelsaktivitäten aller Art dienen soll.

Auf Anfrage von DerTreasurer erklärte die Commerzbank, dass man sich der Konkurrenz durchaus bewusst sei. Aber: „Der Wettbewerb ist für alle Beteiligten sehr förderlich“, sagt Nikolaus Giesbert, Divisional Board Member, Fixed Income, Currencies & Commodities sowie Trade Finance & Cash Management bei der Commerzbank zu DerTreasurer. „Wir sind bei der Blockchain-Technologie aktuell in einer Entwicklungsphase, in der ganz unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten getestet werden. Wir sind davon überzeugt, dass mehrere Lösungen nebeneinander bestehen können.“

Commerzbank: „Zwei Blockchain-Technologien, ein Ziel“

Die Commerzbank kannibalisiert sich mit Batavia und Marco Polo, denen sie beiden angehört, eigenen Angaben zufolge aber nicht selbst: „Mit den Plattformen haben wir die Möglichkeit, unterschiedliche Distributed-Ledger-Technologien aufzugreifen und zu testen“, sagt Michael Spitz, CEO von Main Incubator, dem Start-up-Investor der Commerzbank.

Marco Polo basiert auf der Distributed-Ledger-Technologie Corda von R3, bei der der Trade-Finance-Spezialist TradeIX der Technologieanbieter ist. Batavia fußt hingegen auf der Blockchain-Technologie Hyperledger Fabric 1.0. unter anderem von IBM. „Wir verfolgen mit beiden Technologien das gleiche Ziel, die Handelsfinanzierung effizienter und schneller zu machen“, sagt Spitz.

Die Initiative Marco Polo will im vierten Quartal dieses Jahres die ersten Firmenkunden angebunden haben. Erste Gespräche mit deutschen Firmenkunden laufen bereits. „Wir werden mit den Multinationals anfangen und anschließend auch mittelständische und kleinere Unternehmen ansprechen“, sagt Giesbert. „Dazu binden wir die komplette Wertschöpfungskette inklusive Logistiker und Frachtunternehmen ein.“ Marco Polo sei für Unternehmen jeglicher Größe offen, heißt es weiter.

Handelsfinanzierung für Blockchain-Technolgie prädestiniert

Der Trade-Finance-Bereich ist laut Experten neben dem Schuldschein und der Wertpapierabwicklung eine Paradebeispiel für die Anwendung der Blockchain. Durch den Einsatz der Technologie können die Risiken bei internationalen Handelsgeschäften minimiert und die Handelsprozesse vereinfacht und beschleunigt werden.

Dies liegt an der Struktur der Blockchain: Alle am Handel beteiligte Parteien – Importeur, Exporteur, Banken, Transporteure, Zoll- und Steuerbehörden, Regulatoren und Versicherer – sind über die dezentrale Datenbank direkt miteinander verbunden. Die Interaktion erfolgt im Prinzip in Echtzeit. Zudem werden alle Vertragsbestandteile wie die Bestellung, die Rechnungsstellung und die Zollunterlagen über die Blockchain abgebildet, eine papierbasierte Dokumentation ist nicht mehr nötig.

Bislang weiß allerdings noch niemand, in welche Richtung sich das Thema Blockchain entwickeln wird. So verwundert es nicht, dass viele mit dieser neuen Technologien experimentieren. Doch bis die Blockchain im Alltag genutzt werden kann, müssen noch einige Aspekte, insbesondere auch regulatorische, geklärt werden. Und das wird dauern.

Paulus[at]derTreasurer.de

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