Comeback am Anleihemarkt geplant: Jörg Boche, Leiter des Konzern-Treasury bei VW, will zum traditionellen Finanzierungsmodell des Autobauers zurückkehren.

Klaus Lange, Berlin

23.03.17
Finanzen & Bilanzen

Treasurer Jörg Boche bringt VW an Anleihemarkt zurück

VW will sein Comeback am Kapitalmarkt feiern und damit zu seinem traditionellen Finanzierungsmodell zurückkehren. Trotz Abgasskandal konnte Treasurer Jörg Boche die Kapitalmarktabstinenz mit einem Milliardenkredit gut überbrücken.

Zum ersten Mal nach Bekanntwerden des Dieselskandals will der Autobauer Volkswagen eine Anleihe platzieren. Damit kehren die Wolfsburger nach einer 18-monatigen Pause wieder an den Kapitalmarkt zurück. Die Emission der Euro-Anleihe in Milliardenhöhe sei ein Zeichen dafür, dass der Konzern zu seinem traditionellen Finanzierungsmodell zurückkehre, sagte Jörg Boche, Leiter Konzern-Treasury von VW, der Nachrichtenagentur Dow Jones.

Es wird erwartet, dass VW eine Euro-Anleihe in mehreren Tranchen begeben wird. Laut Angaben von Bond Radar wird das Volumen mehr als 7,5 Milliarden Euro betragen, was deutlich mehr ist als die rund 4 Milliarden Euro, über die der Markt in den vergangenen Tagen spekuliert hatte. Das Angebot wird laut Bond Radar aus zweijährigen, variabel verzinslichen Anleihen und festverzinsliche Anleihen mit Laufzeiten von vier, sechseinhalb und zehn Jahren bestehen. Bei dem zweijährigen, variabel verzinsten Bond dürfte die Rendite bei 30 Basispunkten über dem Drei-Monats-Euribor liegen, der derzeit bei minus 0,329 Prozent liegt. Die vier-, sechseinhalb und zehnjährigen Titel würden wohl mit etwa 45, 80 und 115 Basispunkten über Swapmitte gepreist, heißt es weiter.

Milliardenschwere Anleihe von VW dürfte erst der Auftakt sein

Nach der erfolgreichen Rückkehr auf den Euro-Anleihemarkt könnte Volkswagen in diesem Jahr auch eine Hybrid- und eine Anleihe in US-Dollar begeben, wird der VW-Treasury-Chef weiter zitiert. Den Erlös der Comeback-Anleihe will VW Boche zufolge für allgemeine Unternehmenszwecke verwenden.

Unter normalen Umständen gehört VW zu den aktivsten deutschen Emittenten am Kapitalmarkt. „Wir versuchen die Finanzierungen so kapitalmarktnah wie möglich zu gestalten“, hatte Jörg Boche, Leiter des Konzern Treasury Ende 2014 zu DerTreasurer gesagt (Titelthema der DerTreasurer-Printausgabe 04/2014 ). Dabei spielt der Autobauer auf der gesamten Klaviatur von Finanzierungsinstrumenten: Bonds, Hybrids und ABS gehören zum Instrumentarium. Im Dim-Sum-Markt gehörte VW zu den Pionieren unter den deutschen Emittenten.

In den vergangenen Monaten hatten immer wieder VW-Sparten und Töchter Papiere platziert. VW Financial Services hatte zuletzt vor einigen Tagen erstmals nach langer Zeit Schuldscheine platziert – und dabei gleich einen neuen Rekord aufgestellt. Insgesamt sammelte die VW-Finanzsparte mit den drei-, fünf- und siebenjährigen Schuldscheinen 900 Millionen Euro ein. Ein Teil davon hatte VW Financial Services allerdings in US-Dollar platziert und damit laut Unternehmensangaben die größte Schuldscheintransaktion in US-Dollar begeben, die bislang bekannt ist. Auch die VW-Tochter Porsche hatte einen großvolumigen Schuldschein begeben, wie Christoph Kulik, Leiter Corporate Finance und Treasury, gegenüber DerTreasurer berichtete.

VW hat nach Abgasskandal Brückenkredit abgeschlossen

Nach Bekanntwerden des Abgasskandals hatte VW den unbesicherten Anleihemarkt gemieden. Um sich dennoch finanzieren zu können, hatten die Wolfsburger forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) platziert und Anfang Dezember 2015 einen Brückenkredit als Sicherheitsmaßnahme mit 13 Banken abgeschlossen. Dieser wurde Ende vergangenen Jahres bis Sommer 2017 verlängert. Experten hatten das VW-Kapitalmarkt-Comeback schon seit längerem erwartet.

Der Abgasskandal beschäftigt die Wolfsburger allerdings immer noch. Am gestrigen Mittwoch erklärten der Autobauer, die Klärung des Dieselskandals sei „noch nicht ganz abgeschlossen“. Zwar hat sich der Autobauer in den USA schon in verschiedenen Fällen einigen können, aber Experten rechnen damit, dass auf VW zusätzliche Kosten von bis zu 10 Milliarden Euro durch Aktionärsklagen zukommen könnten. Am vergangenen Donnerstag wurde beispielsweise beim Landgericht Berlin die Klage eines Audi-Kunden eingereicht, die im Erfolgsfalle eine Welle von bis zu 25.000 weiteren Klagen nach sich ziehen könnte. VW rechnet in diesem Jahr selbst mit zweistelligen Milliardenabflüssen aufgrund von Auszahlungen, die zur Abwicklung des Emissionsskandals erforderlich sind.

Paulus[at]derTreasurer.de

Auf unserer Themenseite Anleihe erfahren Sie aus erster Hand, was derzeit am Bondmarkt möglich ist.