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15.02.19
Finanzen & Bilanzen

Unerlaubte Vorfälligkeitsentschädigungen bei Floater-Schuldscheinen

Der Schuldscheinmarkt verzeichnet ein stabiles Jahr 2018. Aber bei der Kündigung eines Floater-Schuldscheins sollten Emittenten aufpassen.

Der Schuldschein liegt weiter im Trend. Auch 2018 war für das Instrument ein erfolgreiches Jahr. Laut der LBBW und der Beratung Capmarcon lag das Neuemissionsvolumen bei gut 23 Milliarden Euro und damit etwas unter den Rekordvolumina der vergangenen beiden Jahre 2017 und 2016.

Dabei wurden in der zweiten Jahreshälfte so viele Schuldscheine platziert wie noch nie, allerdings eher kleinere. Jumbo-Schuldscheine, wie der des Handels- und Touristikkonzerns Rewe Group, blieben die Ausnahme. Auch für 2019 rechnen die Experten mit einem ähnlichen Neuemissionsvolumen wie im vergangenen Jahr. Allerdings sollten Emittenten mit leicht ansteigenden Preisen rechnen, heißt es seitens der LBBW.

Der Umgang mit Schuldscheinen ist im Regelfall einfach. Bei der Kündigung eines Floater-Schuldscheins sollten Emittenten jedoch aufpassen, rät Johannes Schmittat: „Bei variabel verzinsten Schuldscheinen verlangen manche Banken eine Vorfälligkeitsentschädigung. Das verstößt gegen geltendes Recht“, hat der Managing Director bei der Finanzierungsberatung GCA Altium beobachtet. „Man hofft darauf, dass der Darlehensnehmer sich über seine Rechte nicht im Klaren ist und zahlt.“ Man kann nur hoffen, dass es sich dabei nicht um eine verbreitete Praxis handelt.

Restrukturierung bei Schuldscheinen recht schwierig

Doch auch andere schlechte Nachrichten sind aus dem Schuldscheinmarkt zu hören: Der Modekonzern und Emittent Gerry Weber musste Ende Januar Insolvenz anmelden. Und das österreichische Pharmaunternehmen Sanochemia, das Ende 2016 einen Schuldschein platziert hatte, musste zu Jahresbeginn eine Gewinnwarnung für das Geschäftsjahr 2017/2018 absetzen. Gläubiger bangen um ihr Geld.

Gerade eine Restrukturierung gestaltet sich bei Schuldscheinen recht schwierig, da beispielsweise nicht das Schuldverschreibungsgesetz von 2009 herangezogen werden kann, um sich mit den Gläubigern zu einigen. Das bestätigt auch Restrukturierungsexperte Schmittat: „Schuldscheine sind in Krisensituationen recht sperrig, da in der Regel ein Zustimmungsrecht eines jeden Schuldscheingläubigers notwendig ist.“ In Konsortialkreditverträgen übliche Mehrheitsklauseln seien überwiegend unbekannt. Verhandlungen zu Anpassungen seien daher sehr umfangreich und kleinteilig.

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