Erstes Mandat für die Ratingagentur im MDAX

16.06.17 13:00

Uniper erhält Zweitrating von Scope

Von Sabine Paulus

Uniper zieht neben Standard & Poor’s neuerdings Scope als Ratingagentur heran. Die Berliner Ratingagentur soll gegenüber Moody’s den Vorzug erhalten haben.

Uniper hat sich eigenen Angaben zufolge bewusst für Scope als zweite Ratingagentur entschieden, um eine europäische Perspektive zu bekommen.

Uniper

Uniper hat sich eigenen Angaben zufolge bewusst für Scope als zweite Ratingagentur entschieden, um eine europäische Perspektive zu bekommen.

Scope baut seine Präsenz bei den deutschen Großkonzernen aus. Die Berliner Ratingagentur hat mit Uniper ihr erstes MDax-Mandat ergattert. Die Berliner bewerten den Energie- und Gasversorger mit einem Emittenten-Rating von BBB+ und einem Kurzfristrating von S-2, Ausblick stabil. Die Anleihe, die Uniper Ende vergangenen Jahres mit einem Volumen von 500 Millionen Euro im Rahmen seines Debt-Issuance-Programms begeben hat, beurteilen die Ratinganalysten ebenfalls mit BBB+.

Uniper ist im vergangenen Jahr durch die Abspaltung der Eon-Energieerzeugungssparten Wasser, Kohle und Gas entstanden. Im vergangenen September erfolgte der Börsengang, seit Mitte Dezember 2016 notieren die Aktien des Eon-Spin-offs im MDax. Den Finanzbereich leitet Udo Giegerich als Executive of Group Finance & Investor Relations.

Die Ratinganalysten von Scope begründen ihre Einschätzung mit der starken Stellung von Uniper in der europäischen Energie- und Gasversorgung und der großen Diversifizierung des Geschäftsmodells aufgrund von regulierten und unregulierten Versorgungssegmenten. Auch die gut geschützte Marktposition im regulierten russischen Strommarkt sowie das starke Finanzrisikoprofil tragen demnach zu dieser Beurteilung im Investmentgrade bei.

„Darüber hinaus spiegelt Scopes Rating die erwartete Transformation von Unipers Geschäftsrisikoprofil wider“, sagt Sebastian Zank, Director Scope Ratings zu DerTreasurer. „Durch einen wachsenden Anteil von robusten Kapitalströmen aus regulierten und quasi-regulierten Aktivitäten dürfte sich die Volatilität der Kapitalflüsse in der Zukunft deutlich verringern.“

Uniper wollte beim Zweitrating Scopes europäische Perspektive

Mit diesem Mandat hat Scope einen weiteren Schritt bei der Bewertung von deutschen Großunternehmen gemacht: Für die von Scope bewerteten Dax-Konzerne wie Linde, Merck, BASF, Lufthansa und Daimler war die Bonitätseinschätzung der Berliner das Dritt- oder sogar Viert-Rating. Uniper ist nun das erste größere Unternehmen, dass Scope neben Standard & Poor's (S&P) für das Zweitrating heranzieht.

„Wir brauchten kein zweites Rating“, erklärte ein Unternehmenssprecher von Uniper auf Anfrage von DerTreasurer. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, weil wir einen zweiten Blick auf unser Unternehmen einholen wollten.“ Dabei habe sich Uniper bewusst für eine europäische Ratingagentur entschieden. „Scope vertritt eine europäische Perspektive und verwendet teilweise auch andere Bewertungsmaßstäbe als die US-amerikanischen Ratingagenturen.“

Scope bewertet beispielsweise die Pensionsrückstellungen anders als die US-amerikanischen Ratingagenturen. Je nachdem, wie hoch das im Unternehmen angelegte Pensionsvermögen relativ zur jährlichen Pensionszahlung ist, und wie transparent Unternehmen das Pensionskapital offenlegen, rechnen die Berliner nur Teile der nicht über einen Fonds finanzierten Rentenverpflichtungen als Schulden an. Auch hohe Liquiditätsbestände sollen die US-Agenturen indirekt bestrafen, wie Scope-Gründer und Gruppen-CEO Florian Schoeller im vergangenen Jahr gegenüber FINANCE, einer Schwesterpublikation von DerTreasurer, erklärte.

Die etwas anders formulierten Bewertungskriterien dürften sich auch bei Uniper ausgewirkt haben. Denn S&P beurteilt Uniper mit BBB-, also zwei Stufen schlechter als Scope. Im April dieses Jahres haben die S&P-Ratinganalysten jedoch den Ausblick auf positiv erhöht.

Scope sticht Moody’s bei Uniper aus

Bei seinem neuen Mandat hat Scope zudem DerTreasurer-Informationen zufolge den US-Wettbewerber Moody's ausgestochen. Laut Unternehmenskreisen befand sich der Energiekonzern mit der US-amerikanischen Agentur ebenfalls in intensiven Gesprächen. Mit diesem Erfolg kommt die Berliner Agentur ihrem Ziel ein Stück näher, „über alle Asset-Klassen hinweg die europäische Alternative in der bislang angelsächsisch dominierten Rating-Welt zu sein“, wie Scope-Ratings-CEO Torsten Hinrichs es im Sommer vergangenen Jahres bei der Verkündung des Erstratings für Linde formulierte.

Paulus[at]derTreasurer.de

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