Die digitale Plattform VC Trade und die Ratingagentur Scope kooperieren künftig.

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26.03.19
Finanzen & Bilanzen

VC Trade holt Scope Ratings an Bord

Die digitale Schuldscheinplattform VC Trade arbeitet ab sofort mit Scope Ratings zusammen. Für Unternehmen, die ihre Emission raten lassen wollen, soll das erhebliche Kostenvorteile bringen.

Der digitalen Emissionsplattform VC Trade ist es gelungen, einen weiteren Kooperationspartner an Bord zu holen. Doch diesmal ist es keine Bank, sondern eine Ratingagentur. Ab sofort haben Emittenten von Schuldscheinen und sonstigen Private-Placement-Transaktionen die Möglichkeit, für eine über VC Trade platzierte Transaktion Ratings zu „vorteilhaften Partnerkonditionen“ bei der Ratingagentur Scope in Auftrag zu geben, teilten das Fintech und die Berliner Ratingagentur jetzt mit.

VC Trade verspricht Kostenvorteil bei Ratingerstellung

Ein Vorteil des Produkt Schuldscheins ist zwar gerade, dass Emittenten kein Rating benötigen. Aber manche Unternehmen überlegen dennoch im Vorfeld einer Schuldscheinemission, ob sie ein externes Rating als Gütesiegel und Signal für die Investoren einholen sollen. Diese Überlegung dürfte insbesondere bei digitalen Plattformen eine Rolle spielen, in denen die Gatekeeper-Funktion der arrangierenden Bank entfällt – auch wenn VC Trade nicht zu diesen Plattformen zählt, da sich das Fintech zum Arranger-Modell bekennt.

Allerdings: „Es sind oft die Aufwände und Kosten, die die Emittenten davon abhalten, ein externes Rating für eine Schuldscheinplatzierung einzuholen“, beobachtet Stefan Fromme, Mitgründer und Geschäftsführer von VC Trade. „Durch unsere Kooperation mit Scope Ratings können Unternehmen nun Ratings für eine über VC Trade platzierte Transaktion deutlich effizienter abschließen als dies auf dem klassischen Weg der Fall ist.“ Die Kosten lägen bei etwa einem Drittel im Vergleich zu Kosten sonstiger Ratingagenturen. 

Diese Einsparungen sind unter anderem deshalb möglich, weil der Ratingprozess über eine neue digitale Plattform von Scope erfolgt: „Wir haben so eine technische Möglichkeit gefunden, den Ratingprozess deutlich schneller zu realisieren“, sagt Fromme. Über die digitale Plattform sei es möglich, den Prozess innerhalb deutlich kürzerer Zeit abzuschließen. Normalerweise dauert ein Ratingprozess von dem Punkt an, ab dem eine Ratingagentur formell eingebunden ist, bis zur Veröffentlichung des Ratings vier Wochen, sofern das Unternehmen gut vorbereitet ist.

Rating nach wie vor nicht für Schuldschein notwendig

Allerdings sei das neue Angebot, ein Rating durch Scope über VC Trade in Auftrag zu geben, für Emittenten und Darlehensnehmer freiwillig, betont Fromme. „Wir werden niemanden zwingen, ein Rating erstellen zu lassen. Der Emittent entscheidet am Ende des Tages immer selbst.“

Neben den Emittenten sollen aber auch die Investoren von dem neuen Angebot profitieren können. Denn sie könnten die Ratings regulatorisch für ihre Risiko- und Kapitalunterlegung verwenden. „Das ist insbesondere aktuell, wo 18 bis 20 Deals im Markt sind, für Investoren eine gute Entscheidungsbasis“, sagt Fromme weiter.

Digitalisierung des Schuldscheins wird kommen

Die Ratingagentur Scope sieht selbst offenbar großes Potential in der Digitalisierung des Schuldscheins. Erst vor einigen Tagen hatte Scope-Analyst Sebastian Zank die Vorteile gelobt: Es sei nicht nur der direkte Kosten- und Zeitvorteil. Digitalisierung biete zudem einige „versteckte“ Kostenvorteile, schrieb Zank in einer Analyse: „Dadurch das kleinere Transaktionen in höherer Frequenz erleichtert werden, könnten die Plattformen Unternehmen dabei helfen, ihre Liquidität besser zu  kontrollieren und längere Zeitfenster mit negativem Carry zu vermeiden, wenn sie Mittel aufgenommen haben, das Geld aber noch nicht einsetzen können.“

Angesichts der Vorteile, die der digitale Emissionsweg im Vergleich zum klassischen Verfahren bietet, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der digitale Schuldschein zum Standard wird. Denn die Vorteile liegen auf der Hand: Zeit- und Kostenersparnis, mehr Transparenz und keine Medienbrüche in der Kommunikation.

VC Trade hat derzeit die größte Reichweite

Ein Vergleich der sechs für Treasurer relevanten digitalen Schuldscheinplattformen zeigt, dass VC Trade im Moment die Nase vorn hat. Bis Anfang März konnte das Fintech 40 Transaktionen vorweisen. Über 320 Investoren waren zu diesem Zeitpunkt bereits angeschlossen. Bald sollen es 350 sein.

Mit diesen Zahlen liegt das banknahe, aber unabhängige Fintech, das sich im Gegensatz zu den anderen fünf für Treasurern relevanten Plattformen zum Arranger-Modell bekennt, derzeit klar vor seinen Wettbewerbern. Neben VC Trade versuchen noch die drei bankgetriebenen Plattformen Debtvision (LBBW und Börse Stuttgart), Synd-X (HSBC) und Finpair (NordLB) sowie die unabhängigen Fintech-Plattformen Credx und Firstwire sich zu etablieren.

Paulus[at]derTreasurer.de

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