VW platziert zweitranchigen Hybrid mit Step-up-Klausel und unendlicher Laufzeit

05.09.13 10:57

Volkswagen begibt Hybridanleihen

Von Andreas Knoch

Der Wolfsburger Autobauer Volkswagen sammelt mit einer Hybridanleihe 2 Milliarden Euro ein und stärkt damit seine Eigenkapitalbasis.

Volkswagen

Die neue Hybridanleihe von Volkswagen wird von Moody's und von S&P jeweils hälftig als Eigenkapital klassifiziert.

Europas größter Autobauer Volkswagen reiht sich ein in die Liste der Emittenten von Hybridanleihen und begibt über seinen Finanzierungsarm Volkswagen International Finance einen Bond in zwei Tranchen. Die Laufzeit der eigenkapitalähnlichen und stark nachrangigen Anleihen ist unendlich. Wie von den Wolfsburgern zu hören ist, soll die eine Tranche im Volumen von 1,25 Milliarden Euro erstmals nach fünf Jahren (NC 5), die andere Tranche im Volumen von 0,75 Milliarden Euro erstmals nach zehn Jahren (NC 10) kündbar sein. Gepreist ist die NC-5-Tranche mit 270 Basispunkten, die NC-10-Tranche mit 310 Basispunkten über Midswaps. Investoren gewährt Volkswagen einen Renditeaufschlag von 25 Basispunkten sollten die Anleihen nach fünf bzw. zehn Jahren nicht gekündigt werden. Einen weiteren Rendite-Step-up um zusätzliche 75 Basispunkte gibt es im Jahr 2038 bzw. 2043. Die Transaktion wurde von der Bank of Ameria Merrill Lynch, der Citibank, der Commerzbank und von Goldman Sachs begleitet. Volkswagen wird von Moody’s mit A3 und von S&P mit A- bewertet, bei beiden Agenturen ist der Ratingausblick positiv. Die Hybridanleihe selbst beurteilt Moody’s vorläufig mit Baa2 und S&P mit BBB.

Die Emission von Nachranganleihen war im Zuge der Finanzkrise zusammengebrochen. Seitdem hat sich das Emissionsvolumen aber deutlich erholt. Im laufenden Jahr wurden bereits mehr als 28 Milliarden Euro über Hybrids eingesammelt – mehr als in den Jahren 2011 und 2012 zusammengenommen. Bei deutschen Emittenten sind Hybridanleihen jedoch nicht sonderlich beliebt, was unter anderem an den wechselnden Meinungen der Ratingagenturen zur Eigenkapitalanrechnung dieser Instrumente liegen dürfte. Sowohl Moody‘s als auch S&P klassifizieren den VW-Hybrid zur Hälfte als Eigenkapital, was die Liquiditätsposition und die Kapitalbasis der Wolfsburger stärkt. Allerdings ist nicht für jedes Unternehmen die Einschätzung der Ratingagenturen entscheidend, sondern eher die Anrechnung als bilanzielles Eigenkapital durch den Wirtschaftsprüfer. Durch die aktuell guten Finanzierungsbedingungen und die steuerliche Absetzbarkeit der Zinszahlungen können Hybridanleihen die Kosten des bilanziellen Eigenkapitals deutlich drücken.

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