ZF Friedrichshafen

16.01.15
Finanzen & Bilanzen

ZF platziert Rekord-Schuldschein

Mit 2,2 Milliarden Euro hat ZF den bisher größten Schuldschein eines Industrieunternehmens platziert. Im Interview mit DerTreasurer spricht Ulrich Rüger, Executive Vice President Corporate Finance, IT und M&A bei ZF Friedrichshafen, über die Hintergründe des neuen Schuldscheins.

ZF Friedrichshafen hat Anfang dieser Woche den bisher größten Schuldschein eines Industrieunternehmens platziert. 2,2 Milliarden Euro schwer ist das Papier des Automobilzulieferers und damit noch einmal deutlich umfangreicher als der 1,35-Milliarden-Euro-Schuldschein von BMW im April 2008. „Wir wollten ursprünglich lediglich einen bestehenden Schuldschein über 400 Millionen Euro refinanzieren“, sagt Ulrich Rüger, der als Executive Vice President bei ZF den Bereich Corporate Finance leitet und zusammen mit Stefan Füßinger, Director Finanzierung/Finanzcontrolling, für die konzernweite Finanzierung verantwortlich zeichnet. „Als wir dann an den Markt gegangen sind, hat das Orderbuch bei weitem unsere Erwartungen übertroffen.“

Im Rahmen der Platzierung wurden Laufzeiten von drei, fünf und sieben Jahren angeboten. 45 Prozent des Volumens liegen bei fünf Jahren, 36 Prozent bei drei Jahren und 21 Prozent bei sieben Jahren. Die BayernLB und die LBBW begleiteten die Transaktion. Die Spreads aller Tranchen wurden am unteren Ende der jeweiligen Vermarktungsspanne festgelegt – mehr lässt sich auch das Treasury nicht abringen.

Schuldschein löst Teil der Brückenfinanzierung für den TRW-Deal ab

Dass das Emissionsergebnis deutlich höher ausfiel als erwartet, kommt ZF sehr entgegen. Damit kann die ­Treasury-Abteilung des Automobilzulieferers schon früher als gedacht einen Teil der Brückenfinanzierung für den TRW-Deal ablösen. Bekanntlich hat ZF bereits im vergangenen September die Übernahme des US-Unternehmens TRW Automotive initialisiert. „Die hohe industrielle Logik des Deals und unsere Entschuldungspläne haben die Investoren überzeugt“, sagt Rüger. „Nach der Übernahme von TRW sind wir hervorragend aufgestellt, um die Mega-Trends der Automobilindustrie wie Elektromobilität und autonomes Fahren voranzutreiben.“

Der Kaufpreis, der sich auf 12,4 Milliarden US-Dollar beläuft (9,6 Mrd. Euro auf abgesicherter Währungsbasis), wird zum Teil über drei- bis fünfjährige Bankkredite finanziert. Der Brückenkredit über 7,5 Milliarden Euro, den zunächst Deutsche Bank und Citigroup zur Verfügung stellten, wurde bereits im Oktober unter 23 Banken syndiziert und läuft über zwei Jahre. „Durch den Schuldschein können wir bereits vor dem Closing des TRW-Deals, das wir im ersten Halbjahr 2015 erwarten, einen guten Teil refinanzieren“, sagt Ulrich Rüger. Bis dahin liegt der Teil des Cashs in der Kasse, der nicht für die Refinanzierung des bestehenden Schuldscheins benötigt wird.

ZF: Externes Rating kommt im ersten Halbjahr

Für den Automobilzulieferer ist das Platzierungsergebnis elegant, weil die Dokumentation verglichen mit Anleihen und syndizierten Krediten sehr schlank ist. Sie enthält keine Financial Covenants, obwohl ZF zum Zeitpunkt der Emission nicht über ein Investmentgrade-Rating verfügt. Ein weiterer Vorteil: „Schuldscheininvestoren investieren in der Regel nicht in Anleihen, weswegen sich die Instrumente nicht gegenseitig kannibalisieren.“

Als nächste Schritte zur Ablösung des Brückenkredits sind Euro- und Dollar-Anleihen geplant, die noch im ersten Halbjahr 2015 platziert werden sollen. Bis dahin soll auch ein externes Rating veröffentlicht sein.

Dentz[at]derTreasurer.de