Kreditkosten steigen

30.03.17 08:30

Zinswende? Finanzierungskosten ziehen an

Von Antonia Kögler

Über eine mögliche Zinswende wird viel spekuliert. Doch die Anzeichen sind bisher zaghaft.

Bei den Kreditkosten macht sich ein Anstieg bemerkbar. Doch ist das schon ein Zeichen für die Zinswende?

tonefotografia/iStock/Thinkstock/Getty Images

Bei den Kreditkosten macht sich ein Anstieg bemerkbar. Doch ist das schon ein Zeichen für die Zinswende?

Die Finanzierungskosten ziehen wieder an: Die Zinsen, die Treasurer für einen neuen Kredit mit fünfjähriger Zinsbindung zahlen müssen, sind im März auf den höchsten Stand seit 60 Wochen geklettert. 1,88 Prozent (Stichtag 10. März) müssen Treasurer für diese Kredite zahlen, wie eine aktuelle Analyse der Beratungsgesellschaft Barkow Consulting zeigt. Anfang März lag der Zins noch bei 1,75 Prozent. Damit setzt sich ein Trend fort, der sich schon seit längerem zeigt. Im Verlauf der vergangenen zwölf Monate sind die Kreditkosten laut der Beratungsgesellschaft um 0,11 Prozent angestiegen.

Am Bondmarkt zeigt sich derzeit eine ähnliche Entwicklung. Seit September entwickeln sich sowohl der zweijährige als auch der zehnjährige Swapsatz in der Tendenz nach oben. „Im März stieg der zehnjährige Swap-Satz auf den höchsten Stand seit Januar 2016“, sagt SEB-Bondexperte Sven Döbeling. Größter Treiber seien dafür die Zinsschritte der Fed in den USA.

US-Einfluss deutlich zu spüren

Während die EZB die kurzfristigen Zinsen hier nach wie vor niedrig hält, macht sich am langen Ende der Anstieg auf der anderen Atlantikseite bereits bemerkbar. „Wir rechnen nicht damit, dass es zu einem rapiden Anstieg kommt, sondern die Zinsen bis zum Jahresende leicht weiter steigen“, so Döbeling. Für den zehnjährigen Euro-Swapsatz erwartet die SEB einen Anstieg vom derzeitigen Niveau um 0,9 Prozent auf 1,15 Prozent zum Jahresende.

Eine reale Konsequenz haben die leichten Zinsanstiege bereits: Investoren sind zunehmend unsicher, ob sich eine Zinswende andeutet und welches Zinsniveau sie mittelfristig erwarten können. „Das führt dazu, dass sie eher auf Anleihen mit kürzeren Laufzeiten setzen“, erklärt Döbeling. Im Vergleich zum Vorjahr hätten sich die Laufzeiten der 2017 begebenen Unternehmensanleihen im Schnitt bereits deutlich verkürzt. Um Anleihen mit längeren Laufzeiten platzieren zu können, dürften Treasurer hingegen wieder tiefer in die Tasche greifen müssen.

SEB-Bondexperte Sven Döbeling rät jedoch davon ab, sich beim Timing der Bondemissionen zu stark auf Zinsanstiege von einigen Basispunkten zu fokussieren. „In diesem Jahr geben der Wahlkalender und der Sitzungsplan der Zentralbanken bereits ein enges Zeitraster für Kapitalmarktfinanzierungen vor.“

Koegler[at]derTreasurer.de

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