Adidas

15.04.20
Finanzen & Bilanzen

Adidas erhält wegen Coronakrise Milliardenkredit von der KfW

In der Coronakrise machte Adidas zunächst eine unglückliche Figur, weil die Herzogenauracher Mietzahlungen aussetzen wollten. Nach der Rolle rückwärts sichert sich der Sportartikelhersteller einen 2,4 Milliarden-Euro-Kredit von der KfW und frisches Geld von den Hausbanken.

Paukenschlag kurz nach Börsenschluss: Der Sportartikelhersteller Adidas erhält wegen der Coronakrise  einen Milliardenkredit von der KfW. Die staatliche Förderbank habe eine Darlehenszusage in Höhe von 2,4 Milliarden Euro abgegeben, teilten die Herzogenauracher am gestrigen Dienstagabend mit. Hinzu kommen 600 Millionen Euro von einem Partnerbankenkonsortium des Unternehmens, so dass Adidas insgesamt 3 Milliarden Euro zur „Überbrückung der Ausnahmesituation“ erhalte. Abgeschlossen ist der Kredit allerdings noch nicht.

Wegen der Corona-Pandemie sind ein Großteil der Läden des Sportartikelherstellers und seiner Vertriebspartner seit Wochen geschlossen. Adidas-Chef Kasper Rorsted hatte Ende März im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt, der Konzern mache derzeit lediglich in drei Ländern der Welt normales Geschäft.

Um die Liquidität zu schonen, wollte der Konzern daher zunächst Mietzahlungen aussetzen. Nach einem öffentlichen Aufschrei und Kritik aus der Politik zog das Unternehmen dieses Vorhaben jedoch vor zwei Wochen zurück – und kündigte damals an, Kredite zu brauchen. Diese zu verhandeln, dürfte nun in den vergangenen Tagen die Hauptaufgabe des Adidas-Finanzteams um CFO Harm Ohlmeyer, Finanzleiterin Birgit Kretschmer und Treasury-Chef Jürgen Drebes gewesen sein. 

Adidas: KfW-Kredit läuft 15 Monate

Der jetzt geplante revolvierende Konsortialkredit (RCF), der allerdings noch abgeschlossen werden muss, wird eine Laufzeit von 15 Monaten haben. Er enthalte „übliche Marktbedingungen“, teilte der Dax-Konzern mit. Adidas werde alle in Anspruch genommenen Teile des Darlehens, einschließlich Zinsen und Gebühren, so schnell wie möglich zurückzahlen. Zu den Banken, die das Darlehen neben der KfW stellen, gehören demnach Unicredit, Bank of America, Citibank, Deutsche Bank, HSBC, Mizuho und Standard Chartered.

Zu den genauen finanziellen Konditionen machte der Konzern derweil keine Angaben. Allerdings muss Adidas die Dividendenzahlungen über die Laufzeit der Kreditvereinbarung – also bis Juli 2021 – aussetzen. Ein laufendes Aktienrückkaufprogramm über 1 Milliarde Euro hatten die Herzogenauracher bereits vor einigen Wochen gestoppt. Zudem verzichteten die Vorstände für das laufende Geschäftsjahr auf einen Teil ihrer Gehälter, um die Liquidität zu schonen.

Nun teilte Adidas mit, dass auch für weitere Führungskräfte des Unternehmens die langfristige Bonuskomponente für 2020 entfallen werde. Eine Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr traut sich der Sportartikelhersteller aufgrund der hohen Unsicherheit derzeit nicht zu.

Adidas finanziert sich selten extern

Für Adidas ist die Aufnahme von externen Finanzierungen eher unüblich: Der Dax-Konzern finanziert sein Geschäft in der Regel aus dem operativen Cashflow. Ende 2019 verfügte der Sportartikelhersteller über eine Netto-Cash-Position von 873 Millionen Euro, war also nettofinanzschuldenfrei.

Der Konzern, der über kein externes Rating verfügt, war zuletzt Ende 2018 am Kapitalmarkt aktiv, als er eine eigenkapitalneutrale Wandelanleihe über 500 Millionen Euro aufnahm. 2016 emittierte Adidas zwei ungeratete Bonds über insgesamt 1 Milliarde Euro. Dazu unterhält der Konzern ein Commercial-Paper-Programm über 2 Milliarden Euro sowie – Stand Ende 2019 – ungezogene bilaterale Kredite über 1,9 Milliarden Euro, von denen knapp die Hälfte fest zugesagt war.

Auch Tui sichert sich KfW-Kredit

Damit ist Adidas der zweite deutsche Konzern, der das zur Bewältigung der Coronakrise aufgelegte KfW-Sonderprogramm für Konsortialkredite in Anspruch nimmt. Dabei übernimmt die Förderbank 80 Prozent des Kreditrisikos von den Hausbanken, aber maximal 50 Prozent der ausstehenden Gesamtverschuldung des Konzerns.

Während sich der ERP-Gründerkredit sowie der KfW-Unternehmerkredit – die beiden anderen Säulen der KfW-Corona-Programme – an kleinere bis mittelgroße Firmen wendet, ist das Konsortialprogramm speziell für Großkonzerne ausgelegt.

Als erstes Unternehmen nahm der Reisekonzern Tui kürzlich die Förderbank in seinen RCF auf. Die Liquiditätslage bei den Hannoveraner, deren operatives Geschäft seit Mitte März weitestgehend stillsteht, ist so ernst, dass der Reisekonzern frische Mittel über 1,8 Milliarden Euro von der KfW benötigte. Welche weiteren Instrumente deutsche Großkonzerne derzeit nutzen, um sich mit Liquidität vollzusaugen, lesen Sie hier.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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