Bayer braucht Geld für den Glyphosat-Vergleich.

Bayer

17.07.20
Finanzen & Bilanzen

Bayer holt sich 6 Milliarden Euro am Anleihemarkt

Bayer besorgt sich 6 Milliarden Euro am Anleihemarkt. Damit soll unter anderem ein Teil des Glyphosat-Vergleichs bezahlt werden.

Bayer hat sich mit frischem Geld vom Anleihemarkt vollgepumpt. Insgesamt platzierte der Konzern Anfang Juli Anleihen in Höhe von 6 Milliarden Euro. Die Emission umfasst vier Tranchen mit einem Volumen von jeweils 1,5 Milliarden Euro. Für die vierjährige Laufzeit zahlt Bayer einen Kupon von 0,375 Prozent. Für sechseinhalb Jahre schlagen 0,75 Prozent zu Buche, die neuneinhalb jährige Tranche wird mit 1,125 Prozent verzinst und die zwölfjährige mit 1,375 Prozent pro Jahr.

Die Nachfrage war laut Bayer trotz Coronakrise hoch: Die Anleihen seien um das rund 2,5fache überzeichnet gewesen. Wegen der Überzeichnung hätte eine „Preisfestsetzung unterhalb der Vermarktungsindikation“ festgelegt werden können, kommentiert CFO Wolfgang Nickl die Transaktion. Die Papiere würden voraussichtlich mit den Ratings Baa1, BBB beziehungsweise BBB+ durch Moody’s, Standard& Poor’s beziehungsweise Fitch bewertet werden. Aktive Joint Bookrunner waren Citi, Deutsche Bank, Unicredit und Mizuho.

Bayer wollte Teil des Glyphosat-Vergleichs bezahlen

Die Anleihen platzierte Bayer kurz nach dem Vergleich im Glyphosat-Prozess, um unter anderem die Finanzierung des Vergleichs zu stützen. Eigentlich hatte sich Bayer mit einem Großteil der Kläger im US-Rechtsstreit um das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup geeinigt. Für die Beilegung des Verfahrens wollte der Dax-Konzern umgerechnet 9,1 Milliarden bis 9,8 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Auch künftige Fälle wären damit abgedeckt gewesen.

Doch zwei Wochen nach der Einigung und nur ein paar Tage nach der Anleiheemission äußerte ein US-Richter seine Bedenken bezüglich einzelner Teile des Vergleichs. Die Leverkusener teilten daraufhin mit, dass die Anwälte der Kläger einen Antrag auf vorläufigen Genehmigung des Vergleichs zurückgezogen hätten. Bayer stimmte dieser Entscheidung zu. Grund dafür war, dass der Richter die Einigung in Bezug auf künftige Klagen in Frage stellte. Für diese wollte Bayer maximal 1,25 Milliarden US-Dollar zahlen, über deren Ausgabe sollte ein unabhängiges Wissenschaftsgremium entscheiden. Das sah der Richter aber kritisch, nun wankt der Vergleich.

Anleiheerlös wird auch für Fälligkeiten 2021 gebraucht

Für die Verwendung des Anleiheerlöses hat das aber keine Konsequenzen: Da das Geld der Emission auch für die Fälligkeiten im nächsten Jahr genutzt werden sollte, die sich auf 8 Milliarden Euro summieren, komme es zu keiner Verschiebung der Mittelanwendung, erklärte Bayer auf Anfrage von DerTreasurer. Der Betrag ergibt sich aus fälligen Anleihen sowie einem Darlehen in US-Dollar.

s.backhaus[at]dertreasurer.de

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